Mindestlohn
Seit Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes am 1. Januar 2015 gilt ein allgemeingültiger flächendeckender Mindestlohn in Deutschland. Lohnuntergrenzen gibt es in beinahe allen europäischen Staaten und den USA. Die Mindestlohn-Gesetze haben das Ziel, Lohn-Dumping, also die nicht verhältnismäßige Bezahlung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, zu verhindern.
Dieses Themendossier dokumentiert die Diskussion rund um die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland und die Ergebnisse empirischer Forschung der zu flächendeckenden und branchenspezifischen Mindestlöhnen. Mit dem Filter „Autorenschaft“ können Sie auf IAB-(Mit-)Autorenschaft eingrenzen.
- Grundsätzliches zum flächendeckenden Mindestlohn
- Auswirkungen des flächendeckenden Mindestlohns auf
- Auswirkungen des flächendeckenden Mindestlohns auf Personengruppen
- Ausnahmen vom flächendeckenden Mindestlohn u.a. für
- Ausweichreaktionen auf Mindestlöhne in Deutschland
- Bundesländer
- Branchenspezifische Mindestlöhne und deren Auswirkungen auf
- Mindestlohn in anderen Ländern
-
Literaturhinweis
Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben "Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Löhne und Arbeitszeiten (MLK-027)": Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission (2025)
Bachmann, Ronald ; Herdegen, Natalie; Jonas, Lukas; Bredtmann, Julia ; Monsees, Daniel; Klauser, Roman; Biewen, Martin ; Kugler, Philipp ;Zitatform
Bachmann, Ronald, Martin Biewen, Julia Bredtmann, Natalie Herdegen, Lukas Jonas, Roman Klauser, Philipp Kugler & Daniel Monsees (2025): Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben "Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Löhne und Arbeitszeiten (MLK-027)". Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. Berlin, 153 S.
Abstract
"Die vorliegende Studie liefert deskriptive und kausale Evidenz zu den Auswirkungen der Mindestlohnerhöhung von 9,82 auf 12 Euro im Oktober des Jahres 2022 auf Stunden- und Monatslöhne, Lohnungleichheit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen. Datengrundlage ist die Verdienststrukturerhebung (VSE) der Jahre 2014 und 2018 sowie die Verdiensterhebung (VE) der Jahre 2022 und 2023." (Textauszug, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Erster Endbericht zum Forschungsvorhaben "Sondererhebung und -auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zu Arbeitszeiten von Beschäftigten im Mindestlohnbereich": Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission (2025)
Zitatform
Beckmannshagen, Mattis, Markus M. Grabka, Carsten Schröder & Johannes Seebauer (2025): Erster Endbericht zum Forschungsvorhaben "Sondererhebung und -auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zu Arbeitszeiten von Beschäftigten im Mindestlohnbereich". Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. Berlin, 32 S.
Abstract
"Zur Erstellung des fünften Bericht der Mindestlohnkommission zum 30. Juni 2025 liefert dieser Bericht bis zum Jahr 2023 Auswertungen zur Lohnentwicklung, zur Arbeitszeit und zur Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns als inhaltliche Grundlage zur Einschätzung der Implikationen des Mindestlohns am Arbeitsmarkt. Als Datenbasis fungiert das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) – eine freiwillige Mehrthemen-Bevölkerungsbefragung von Individuen in deutschen Privathaushalten (vgl. Goebel et al. 2019). Das Projekt MLK030 verfolgt darüber hinaus ein zweites Projektziel: Die Validierung von Arbeitszeitangaben im SOEP, die, wie in jeder Bevölkerungsbefragung, mit Messfehlern behaftet sein können und zentral sind für die Berechnung von Stundenlöhnen aus monatlichen Bruttoentgelten. Bereits für den letzten Bericht der Mindestlohnkommission (MLK) wurde eine Validierung der im SOEP gemessenen monatlichen Bruttoentgelte mit Angaben aus dem Register der Deutschen Rentenversicherung Bund vorgenommen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Angaben zu den Bruttoentgelten im SOEP kaum abweichen von den Entgeltinformationen aus den Registerdaten der gesetzlichen Rentenversicherung (vgl. Schröder et al., 2023). Zur Validierung der Arbeitszeitangaben im SOEP wurde für die erwerbstätigen SOEP-Befragten ein gesonderter Drop-Off Fragebogen konzipiert. In diesem wurden sehr detailliert Informationen zu Arbeitszeitaufzeichnungen, verschiedenen Definitionen von Arbeitszeit (vertraglich vereinbart, aufgezeichnet, tatsächlich geleistet), Rüstzeiten, oder auch Überstundenregelungen erhoben. Zu dieser Drop-Off Befragung liegen mit Endredaktion dieses Projektberichts am 28.02.2025 noch keine finalen Daten vor. Auch die SOEP-Daten des Jahres 2024 liegen noch nicht als Vergleichsgröße vor. Daher wird dieser Bericht nur einige ausgewählte Ergebnisse basierend auf Vorabdaten vorstellen." (Textauszug, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Endbericht zum Forschungsvorhaben "Auswirkungen der Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro auf individuelle Beschäftigungsbewegungen und betriebliche Lohnstrukturen": Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission (2025)
Bekhtiar, Karim ; Forstner, Susanne; Winter-Ebmer, Rudolf ; Isphording, Ingo; Bonin, Holger ; Schröter, Felix;Zitatform
Bekhtiar, Karim, Holger Bonin, Susanne Forstner, Felix Schröter, Ingo Isphording & Rudolf Winter-Ebmer (2025): Endbericht zum Forschungsvorhaben "Auswirkungen der Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro auf individuelle Beschäftigungsbewegungen und betriebliche Lohnstrukturen". Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. Wien, 132 S. DOI:10.60739/IHS-7152
Abstract
"Diese im Auftrag der Mindestlohnkommission erstellte Studie analysiert die kausalen Auswirkungen der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 10,45 Euro zum 1. Juli 2022 sowie auf 12 Euro zum 1. Oktober 2022. Dabei stehen die Effekte auf Zielgrößen der individuellen Beschäftigungsbewegungen (innerhalb und zwischen Betrieben) sowie der inner- und zwischenbetrieblichen Lohnstruktur im Zentrum. Die Analyse basiert auf detaillierten administrativen Arbeitgeber-Arbeitnehmer Daten der Bundesagentur für Arbeit, die eine tagesgenaue Erfassung der Zielvariablen erlauben. Durch die Verknüpfung mit sekundären Quellen kann die betriebliche Mindestlohnbetroffenheit erfasst werden. Für die empirische Analyse werden kausalanalytische Methoden verwendet, die dem aktuellen Standard der nationalen und internationalen Mindestlohnforschung entsprechen, sodass die Ergebnisse der Studie im Sinne von Ursache-Wirkungs-Relationen interpretiert werden können. Die angewandten Methoden basieren auf unterschiedlichen Varianten des Differenz-in-Differenzen-Ansatzes. Die zentralen Ergebnisse der Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen: - Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro hatte keine statistisch signifikanten Effekte auf die zwischenbetriebliche Mobilität sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. - Für den Effekt der Mindestlohnerhöhungen auf zwischenbetrieblichen Beschäftigungsbewegungen geringfügig Beschäftigter im Haupt- oder Nebenjob zeigt sich, dass Kleinbetriebe (mit bis zu 4 Beschäftigten) ebenfalls keine mindestlohnbedingte Reaktion in der zwischenbetrieblichen Mobilität zeigen. - Bezüglich der zwischenbetrieblichen Beschäftigungsbewegungen geringfügig Beschäftigter in mittelgroßen Betrieben und Großbetrieben lässt unsere Analyse keine verlässlichen, kausal interpretierbaren Schlüsse zu. - Hinsichtlich der Wirkung der Mindestlohnerhöhungen auf innerbetriebliche Beschäftigungsbewegungen weisen unsere Schätzungen auf einen leichten Anstieg der Übergänge von geringfügiger in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hin. Dieses Ergebnis findet sich jedoch nur für das dritte Quartal 2022, in dem es unter anderem aufgrund der unveränderten Geringfügigkeitsschwelle bei steigendem Stundenlohn und gleichbleibenden Arbeitsstunden zu Übergängen von geringfügiger in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung kommen konnte. Im vierten Quartal 2022, in dem gleichzeitig mit dem Mindestlohn auch die Geringfügigkeitsgrenze angehoben wurde, findet sich kein statistisch signifikanter Effekt auf Übergänge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. - Deutliche Mindestlohneffekte treten in Bezug auf die innerbetriebliche Lohnstruktur auf. Hier ist eine deutliche Kompression der betriebsinternen Lohnverteilung zu beobachten, die insbesondere die unteren Bereiche der Lohnverteilung betrifft, jedoch aufgrund von Spillover-Effekten auch bis in höhere Bereiche wirkt. - Für die Zielgröße der zwischenbetrieblichen Lohnstruktur lassen sich keine Effekte der Mindestlohnerhöhungen nachweisen. Es findet sich keine systematische Veränderung der Lohnungleichheit zwischen den Betrieben." (Textauszug, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Using post-regularization distribution regression to measure the effects of a minimum wage on hourly wages, hours worked and monthly earnings (2025)
Zitatform
Biewen, Martin & Pascal Erhardt (2025): Using post-regularization distribution regression to measure the effects of a minimum wage on hourly wages, hours worked and monthly earnings. In: The econometrics journal. DOI:10.1093/ectj/utaf014
Abstract
"We evaluate the distributional effects of a minimum wage introduction based on a data set with a moderate sample size but a large number of potential covariates. In this context, the selection of relevant control variables at each distributional threshold is crucial to test hypotheses about the impact of the continuous treatment variable. To this end, we use the post-double selection logistic distribution regression approach proposed by Belloni et al. (2018a), which allows for uniformly valid inference about the target coefficients of our low-dimensional treatment variables across the entire outcome distribution. Our empirical results show that the minimum wage replaced hourly wages below the minimum threshold, increased monthly earnings in the lower-middle segment but not at the very bottom of the distribution, and did not significantly affect the distribution of working hours." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
-
Literaturhinweis
Zum Entwurf der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung: Stellungnahme des IAB im Rahmen der Verbändebeteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum 6.10.2025 (2025)
Zitatform
Bossler, Mario & Martin Popp (2025): Zum Entwurf der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung. Stellungnahme des IAB im Rahmen der Verbändebeteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum 6.10.2025. (IAB-Stellungnahme 01/2025), Nürnberg, 23 S. DOI:10.48720/IAB.SN.2501
Abstract
"Nach dem Beschluss der Mindestlohnkommission vom 27. Juni 2025 soll der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde und zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro pro Stunde steigen. Mit dieser Stellungnahme beurteilen die Autoren den Beschluss auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und gehen insbesondere auf die Lohn- und Beschäftigungswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns ein. DOI" (Autorenreferat, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Essays on Wages and Minimum Wages in Frictional Labor Markets (2025)
Börschlein, Erik-Benjamin;Zitatform
Börschlein, Erik-Benjamin (2025): Essays on Wages and Minimum Wages in Frictional Labor Markets. 237 S. DOI:10.5283/epub.76880
Abstract
"In Deutschland ist das Zusammenspiel zwischen Löhnen und institutionellen sowie marktbedingten Friktionen ein zentrales Thema wirtschaftspolitischer Debatten. Diese Dissertation untersucht in drei empirischen Studien kausale Zusammenhänge zwischen Löhnen und Mindestlöhnen, Matchingfriktionen und Arbeitsmarktanspannung. Die Analysen basieren auf umfangreichen administrativen Daten der Bundesagentur für Arbeit und nutzen fortgeschrittene ökonometrische Methoden zur kausalen Inferenz. Die ersten beiden Kapitel betrachten institutionelle Effekte – insbesondere die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 – während das dritte Kapitel den Fokus auf veränderte Marktbedingungen legt, insbesondere den zunehmenden Fachkräftemangel. Ziel ist es, die Wirkungsmechanismen zwischen Löhnen und Arbeitsmarktfriktionen differenziert darzustellen. Kapitel 1 Dieses Kapitel entwickelt einen innovativen Machine-Learning-Ansatz zur verbesserten Schätzung langfristiger Lohneffekte des Mindestlohns. Übliche Studien basieren auf einem fixen Pre-Treatment-Indikator („Bite“), basierend auf Löhnen vor der Politikmaßnahme, der die Betroffenheit von der Mindestlohneinführung nur kurzfristig akkurat abbildet. Um langfristige dynamische Veränderungen zu erfassen, werden hier ein zeitvariable Bite-Indikatoren mittels LASSO-basierter Vorhersagemodelle konstruiert, welche die Inzidenz und die Intensität der Mindestlohnbetroffenheit abbilden. Basierend auf administrativen Daten der Jahre 2010–2014 wird die Mindestlohnbetroffenheit für den Zeitraum 2015–2020 vorhergesagt. In der anschließenden Differenz-von-Differenzen-Analyse zeigen sich signifikant positive Lohneffekte, die im Vergleich zu herkömmlichen Methoden jedoch geringer ausfallen und über die Zeit konstant bleiben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass traditionelle Evaluierungen die Effekte überschätzen könnten, da sie dynamische Selektionseffekte und mindestlohnunabhängige Lohnentwicklungen nicht ausreichend berücksichtigen. Kapitel 2 In diesem Kapitel wird untersucht, wie sich die Einführung des Mindestlohns auf offene Stellen und damit verbundene Friktionen im Matching-Prozess ausgewirkt hat. Die Analyse basiert auf administrativen Vakanzdaten und Erwerbsbiographien. Die Analyse erfolgt auf der Berufsebenen für den Zeitraum 2013–2019 und nutzt ein Differenz-von-Differenzen-Design. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl neu gemeldeter Stellen durch die Mindestlohneinführung insgesamt nicht zurückging. Jedoch stieg der Anteil stornierter Vakanzen um 4–9 Prozent, und die Dauer erfolgreicher Besetzungsprozesse erhöhte sich um 5–6 Prozent. Dies deutet auf verstärkte Such- und Matchingfriktionen hin, etwa durch höhere Einstellungsstandards oder reduzierte berufliche Mobilität. Ergänzende Analysen zeigen geringere Übergänge zwischen Arbeitgebern, insbesondere bei Berufswechseln. Somit wird deutlich, dass die Mindestlohneinführung zwar nur geringe Auswirkungen auf die Beschäftigung hatte, aber dennoch Matchingprozesse erheblich beeinflusst hat. Kapitel 3 Dieses Kapitel wechselt die Perspektive und untersucht, wie zunehmende Arbeitsmarktanspannung – gemessen als Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitssuchenden – die Lohnentwicklung beeinflusst hat. Mithilfe eines Leave-One-Out-Instruments wird der kausale Effekt lokaler Arbeitsmarktanspannung in beruflichen Arbeitsmärkten auf Löhne geschätzt. Die Ergebnisse zeigen moderate, aber signifikant positive Lohneffekte, die etwa 7–19 Prozent des realen Lohnwachstums in Deutschland zwischen 2012 und 2022 erklären. Besonders stark profitieren neu Eingestellte, Hochqualifizierte, Beschäftigte im Dienstleistungssektor und Arbeitnehmer in Ostdeutschland. Zudem steigt der Lohn in Niedriglohnunternehmen überdurchschnittlich stark, was auf eine Verringerung der Lohnungleichheit hindeutet. Im Gesamtfazit werden die Erkenntnisse der drei Studien zusammengeführt. Die Arbeit zeigt, wie institutionelle Eingriffe wie der Mindestlohn einerseits Löhne anheben, gleichzeitig aber neue Friktionen erzeugen können. Andererseits können veränderte Marktbedingungen auch ohne staatliche Eingriffe Löhne steigern – wie etwa bei hoher Arbeitsmarktanspannung. Methodisch hebt die Dissertation die Bedeutung administrativer Mikrodaten und robuster kausaler Analyseverfahren in der Arbeitsmarktforschung hervor." (Autorenreferat, IAB-Doku)
Beteiligte aus dem IAB
Börschlein, Erik-Benjamin; -
Literaturhinweis
Endbericht zum Forschungsvorhaben "Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit": Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission (2025)
Zitatform
Caliendo, Marco, Rebecca Olthaus & Nico Pestel (2025): Endbericht zum Forschungsvorhaben "Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit". Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. Berlin, 102 S.
Abstract
"Das Forschungsprojekt „Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit“ im Auftrag der Mindestlohnkommission besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Zum einen werden die Auswirkungen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015 sowie der Anhebungen zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 1. Januar 2024 auf die Zielgrößen „Beschäftigung“ und „Arbeitslosigkeit“ bis Mitte des Jahres 2024 analysiert. Als Datenbasis dienen hierfür aggregierte amtliche Daten auf regionaler Ebene, die mit Indikatoren zur Mindestlohnbetroffenheit verknüpft werden. Dies erlaubt die Anwendung ökonometrischer Methoden, die einem Experimentalstandard möglichst nahekommen, sodass die erzielten Ergebnisse eine Interpretation im Sinne von Ursache-Wirkungs-Relationen erlauben. Dazu werden verschiedene Varianten des so genannten Differenz-in-Differenzen-Ansatzes verwendet. Des Weiteren wird ein besonderer Fokus auf die Untersuchung von Beschäftigungseffekten der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro im Jahr 2022 gelegt. Die Datengrundlage bilden detaillierte Daten zu Verdiensten und Arbeitszeiten, die es ermöglichen, Veränderungen in den regionalen Verteilungen von Stundenlöhnen über die Zeit zu untersuchen. Hierzu wird ein sogenannter „Bunching“-Ansatz verwendet, der es erlaubt, Veränderungen entlang der Verteilung der Stundenlöhne zu betrachten, und somit einen Fokus auf Beschäftigungsveränderungen im Bereich um den neuen Mindestlohn herum ermöglicht. Die wesentlichen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: - Die Betroffenheit vom Mindestlohn in Bezug auf die Lohnlücke hat im Jahr 2022 gegenüber dem Jahr 2018 in allen Regionen und im Vergleich zum Jahr 2014 in den meisten Regionen zugenommen. Dabei ist auch festzustellen, dass die Mindestlohnbetroffenheit über die Jahre hinweg variiert und nicht immer nur die gleichen Regionen besonders stark vom Mindestlohn betroffen sind. Dies äußert sich in Korrelationskoeffizienten der regionalspezifischen Lohnlücken auf geringem Niveau zwischen 0,295 (2014 und 2018) und 0,352 (2018 und 2022). - Die kausalen Schätzungen zeigen, dass die Mindestlohneinführung im Zeitraum vom Jahr 2015 bis einschließlich des ersten Quartals 2024 die gesamte abhängige Beschäftigung in stark vom Mindestlohn betroffenen Regionen im Vergleich zu schwach betroffenen Regionen um ca. 0,6 Prozent reduziert hat. - Dieses Resultat ist hauptsächlich auf den Rückgang der ausschließlich geringfügigen Beschäftigung zurückzuführen, wobei sich die negativen Effekte für diese Beschäftigungsform tendenziell im Zeitverlauf noch etwas verstärkt haben. Für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung insgesamt können hingegen keine Effekte gefunden werden. - Der negative Effekt auf die geringfügige Beschäftigung ist für Männer etwas stärker ausgeprägt als für Frauen, für jüngere Beschäftigte stärker als für ältere Beschäftigte und für Helfer:innen und Fachkräfte stärker als für Expert:innen und Spezialist:innen. Außerdem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich der Rückgang der geringfügigen Beschäftigung vor allem auf die Wirtschaftszweige Verkehr und Lagerung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, Erziehung und Unterricht sowie der Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen zurückführen lässt. - Während die meisten Analysen zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf keine Mindestlohneffekte hinweisen, ergeben sich für einige Wirtschaftszweige negative (Verarbeitendes Gewerbe; Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgungswirtschaft) und für andere Bereiche sogar positive Effekte (Helfer:innen; Kunst, Unterhaltung und Erholung). - Es gibt große Effektunterschiede zwischen Regionen, die durch unterschiedliche Wirtschaftsdynamiken gekennzeichnet sind. In Regionen mit einem relativ geringen Wirtschaftswachstum vor der Einführung des Mindestlohns bzw. vor dessen Erhöhungen in den Jahren 2019 und 2022, geht sowohl die gesamte abhängige als auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück. Der negative Effekt auf die geringfügige Beschäftigung ist in diesen Regionen auch deutlicher ausgeprägt. - Die Analyse der Mindestlohnerhöhungen zeigt, dass insbesondere die Erhöhungen zum 1. Januar 2019 und zum 1. Juli bzw. 1. Oktober 2022, in geringerem Maß auch die anderen Erhöhungen, zusätzliche negative Effekte auf die Gesamtbeschäftigung entfaltet haben. Diese sind wiederum hauptsächlich von der geringfügigen Beschäftigung getrieben. - Während der Gesamteffekt auf die Arbeitslosigkeit nicht signifikant ist, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass zwischen dem zweiten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2021 (erstes Jahr der Corona-Pandemie) sowie ab dem zweiten Quartal 2022 (Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine) ein signifikanter Rückgang in der Arbeitslosigkeit erfolgte. Dieses Ergebnis ist allerdings schwierig einzuordnen." (Textauszug, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
The Heterogeneous Effects of Large and Small Minimum Wage Changes: Evidence Using a Partially Pre-Committed Analysis Plan (2025)
Zitatform
Clemens, Jeffrey & Michael Strain (2025): The Heterogeneous Effects of Large and Small Minimum Wage Changes: Evidence Using a Partially Pre-Committed Analysis Plan. In: Journal of labor economics. DOI:10.1086/736552
Abstract
"This paper advances the use of partially pre-committed analysis plans in non-experimental research settings. In a study of recent minimum wage changes, we demonstrate how analyses of longer-run impacts of policy interventions can be pre-specified as extensions to very short-run analyses. Further, our pre-analysis plan includes comparisons of the effects of large vs.small minimum wage increases, which is a theoretically motivated dimension of heterogeneity. We discuss how these use cases harness the strengths of pre-analysis planswhile mitigating their weaknesses. This project’s initial analyses explored CPS and ACS datafrom 2011 through 2015. Alongside these analyses, we pre-committed to analyses in corporating CPS and ACS data extending through 2019. Averaging across the specifications in our pre-analysis plan, we estimate that relatively large minimum wage increases reduced employment rates among individuals with low levels of experience and education by just over 2 and a half percentage points during the decade prior to the onset ofthe Covid-19 pandemic. Our estimates of the effects of relatively small minimum wage increases vary across data sets and specifications but are, on average, both economically andstatistically indistinguishable from zero. We estimate that the elasticity of employment with respect to the minimum wage is substantially more negative for large minimum wage increases than for small increases." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
-
Literaturhinweis
Minimum Wages and Informality (2025)
Derenoncourt, Ellora; Lagos, Lorenzo; Montialoux, Claire; Gerard, Francois;Zitatform
Derenoncourt, Ellora, Francois Gerard, Lorenzo Lagos & Claire Montialoux (2025): Minimum Wages and Informality. (CEPR discussion paper / Centre for Economic Policy Research 20797), London, 32 S.
Abstract
"How do minimum wages affect informality? We study the near-doubling of the real minimum wage from 2000 to 2009 in Brazil, where 46% of the workforce is informal. Using labor force surveys covering the informal sector, we show the minimum wage exhibits near full passthrough to informal employees working in formal firms, about half of all informal employees. The formal-to-informal reallocation elasticity with respect to the formal wage is small: -0.28. Our findings illustrate how minimum wages can positively affect living standards for workers thought beyond the reach of labor law, a sizable share of the workforce in developing economies." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
-
Literaturhinweis
Endbericht zum Forschungsvorhaben „Anwendungen von maschinellem Lernen in der Mindestlohnforschung“: Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission (2025)
Dorau, Ralf; Ehmann, Kathrin; Tiemann, Michael ; Krüger, Kai; Helmrich, Robert; Fournier, Lisa; Kostadinovska, Katerina;Zitatform
Dorau, Ralf, Kathrin Ehmann, Lisa Fournier, Robert Helmrich, Katerina Kostadinovska, Kai Krüger & Michael Tiemann (2025): Endbericht zum Forschungsvorhaben „Anwendungen von maschinellem Lernen in der Mindestlohnforschung“. Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. 101 S.
Abstract
"Im Forschungsvorhaben „Anwendungen von maschinellem Lernen in der Mindestlohnforschung“ soll eine Einschätzung darüber getroffen werden, welches Potenzial das maschinelle Lernen für die Mindestlohnforschung hat. Zudem werden erste mindestlohnbezogene Auswertungen anhand von Onlinestellenanzeigendaten in Deutschland vorgenommen. Zu diesem Zweck wurde eine Literaturrecherche zum Thema Mindestlohn und maschinelles Lernen durchgeführt sowie eine Auswahl geeigneter bestehender Stellenanzeigendatenbanken für Deutschland vorgenommen und erste mindestlohnbezogene Analysen von Stellenanzeigendaten durchgeführt. Der erste Teil des Berichts gibt einen Überblick über die bestehende Literatur zu Anwendungen maschinellen Lernens in der Mindestlohnforschung. Zwar gibt es sehr viele Publikationen aus der Mindestlohnforschung sowie zur Forschung mit und der Anwendung von maschinellen Lernverfahren. Die Schnittmenge ist jedoch bislang gering. Der Bericht diskutiert zunächst die Möglichkeiten einer KI-gestützten Literaturrecherche, und stellt dann Arbeiten zur Anwendung von maschinellen Lernverfahren vor. Diese werden sowohl zur Datenanreicherung von Daten in der Mindestlohnforschung als auch zur Bestimmung von Arbeitsmarktauswirkungen der Einführung oder Erhöhung von Mindestlöhnen genutzt. Weiterhin werden Forschungsarbeiten vorgestellt, die sich auf Stellenanzeigen stützen und damit u. a. zur Beurteilung von Veränderungen bei Qualifikations- und Kompetenzanforderungen, Tätigkeitsprofilen und Arbeitsmarktbedingungen im Zusammenhang mit Mindestlohnerhöhungen oder -einführungen beitragen. Der zweite Teil des Berichts untersucht Stellenanzeigendaten aus Deutschland über einen Zeitraum von 2015 bis 2023 deskriptiv und von Januar 2022 bis einschließlich März 2023 im Hinblick auf Auswirkungen der Anhebungen des Mindestlohns im Jahr 2022. Das Projekt greift auf Stellenangebote eines kommerziellen Anbieters zurück. Sie enthalten, ähnlich wie auch die Anzeigen der Bundesagentur für Arbeit, eine Reihe interessanter Merkmale. Dazu gehören Informationen über den Beruf der ausgeschriebenen Stelle sowie Anforderungen und Tätigkeiten, die mit der Ausübung der Stelle verbunden sind. Der Bericht beschreibt, wie diese erschlossen werden könnten. Im vorliegenden Projekt werden Informationen zu den Ausschreibungszeitpunkten, den Regionen, in denen die Stellen verortet sind, sowie zu den Arbeitszeitumfängen und der Befristung der ausgeschriebenen Stellen und den Branchen der ausschreibenden Betriebe verwendet." (Textauszug, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Informal Incentives and Labour Markets (2025)
Fahn, Matthias; Murooka, Takeshi;Zitatform
Fahn, Matthias & Takeshi Murooka (2025): Informal Incentives and Labour Markets. In: The Economic Journal, Jg. 135, H. 665, S. 144-179. DOI:10.1093/ej/ueae063
Abstract
"This paper investigates how labor-market tightness affects market outcomes if firms use informal, self-enforcing, agreements to motivate workers. We characterize profit-maximising equilibria and show that an increase in the supply of homogeneous workers can increase wages. Moreover, even though all workers are identical in terms of skills or productivity, profit-maximising discrimination equilibria exist. There, a group of majority workers is paid higher wages than a group of minority workers, who may even be completely excluded. Minimum wages can reduce such discrimination and increase employment. We discuss how these results relate to empirical evidence on downward wage rigidity, immigration, the gender pay gap, and credentialism." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
-
Literaturhinweis
Effekte des Mindestlohns auf Handwerksbetriebe: Eine Analyse von Bäckereien in Südniedersachsen (2025)
Felix, Töpfer; Leonie, Reher;Zitatform
Felix, Töpfer & Reher Leonie (2025): Effekte des Mindestlohns auf Handwerksbetriebe. Eine Analyse von Bäckereien in Südniedersachsen. (ifh Forschungsbericht / Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand & Handwerk an der Universität Göttingen 27), Göttingen, 36 S. DOI:10.47952/gro-publ-305
Abstract
"Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland im Jahr 2015 stellte ein Novum in der deutschen Arbeitsmarktpolitik dar. Ziel war der Schutz vor Lohnarmut im Niedriglohnsektor, ohne die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung zu gefährden. Diese Arbeit untersucht auf qualitativer Grundlage die wirtschaftlichen Auswirkungen des Mindestlohns auf Handwerksbetriebe, exemplarisch analysiert am Beispiel von Bäckereien in Südniedersachsen. Das Bäckerhandwerk ist als Niedriglohnbranche in besonderer Weise vom Mindestlohn betroffen und befindet sich ohnehin seit Jahrzehnten im Strukturwandel. Sinkende Betriebszahlen und Konzentrationsprozesse, wachsende Konkurrenz durch den Lebensmitteleinzelhandel und Discounter sowie technische Rationalisierung prägen die Branche. Hinzu kommen Fachkräftemangel, gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie eine abnehmende Ausbildungsbereitschaft, welche die wirtschaftliche Stabilität vieler Handwerksbäckereien zusätzlich gefährden. Anhand von sechs teilstrukturierten Interviews auf Ebene der Geschäftsführung werden konkrete betriebliche Anpassungsreaktionen identifiziert und in den bestehenden Forschungskontext eingeordnet. Dabei beschreiben die befragten Betriebe sowohl die Einführung des Mindestlohns als auch seine Erhöhungen als Belastung. Die Zielsetzung des Gesetzes wird dabei nicht grundsätzlich abgelehnt, wohl aber die fehlende Differenzierung und Umsetzung. Herausfordernd sei insbesondere die notwendige Anpassung des gesamten Lohngefüges, da Lohnabstände betriebsintern gewahrt werden müssten. Ein Stellenabbau fand in den befragten Betrieben nicht statt und wird auch künftig ausgeschlossen. Angesichts des Fachkräftemangels und der arbeitsintensiven Produktionsweise sehen die Betriebe keine Alternative zur Personalbindung. Gleichzeitig werde die Personalgewinnung schwieriger, insbesondere im Verkauf. Die Attraktivität der Arbeitsplätze leide ohnehin unter vergleichsweise unattraktiven Arbeitsbedingungen wie frühen Arbeitszeiten und anspruchsvoller körperlicher Arbeit, wodurch Lohnangleichungen zu anderen Branchen schwerer ins Gewicht fallen. Preissteigerungen der Endprodukte bilden somit die häufigste betriebliche Reaktion. In mehreren Interviews wurden außerdem sozialpolitische Fehlanreize thematisiert, die entweder zur Stundenreduzierung oder Ablehnung von Jobangeboten seitens der Arbeitnehmer führten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Auswirkungen des Mindestlohns im Handwerk vielschichtig sind. Zwar konnten keine unmittelbaren negativen Beschäftigungseffekte im Bäckereihandwerk festgestellt werden, die wirtschaftliche Belastung - insbesondere kleinerer Betriebe - ist jedoch evident. Die direkten Personalkostensteigerungen reihen sich dabei in die Vielzahl von bestehenden Herausforderungen ein und können nicht isoliert betrachtet werden. Die befragten Unternehmen fordern daher eine stärkere Berücksichtigung ihrer betrieblichen Rahmenbedingungen bei zukünftigen Regulierungen sowie Möglichkeiten zur flexibleren Anwendung der Mindestlöhne, um letztlich den Fortbestand kleinbetrieblicher Strukturen im Handwerk zu sichern." (Autorenreferat, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Endbericht zum Forschungsvorhaben "Die Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns für Betriebe und Beschäftigte in der Kurier-, Express- und Paketdienstbranche": Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission (2025)
Fuchs, Philipp ; Hunger, Katrin; Hartmann, Marie; Kaden, Ulrike; Adamkiewicz, Blanka; Verbeek, Hans;Zitatform
Fuchs, Philipp, Ulrike Kaden, Katrin Hunger, Hans Verbeek, Blanka Adamkiewicz & Marie Hartmann (2025): Endbericht zum Forschungsvorhaben "Die Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns für Betriebe und Beschäftigte in der Kurier-, Express- und Paketdienstbranche". Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. Köln, 146 S.
Abstract
"Die Strukturen der KEP-Branche sind durch einen hohen Konkurrenzdruck zwischen den Betrieben, eine hohe Personalintensität und einem hohen Anteil an An- und Ungelernten sowie von Beschäftigten mit Migrationshintergrund geprägt, die insbesondere in den Logistikzentren und der Zustellung unter meist hohem Arbeitsdruck für Löhne im Bereich des Mindestlohns arbeiten. Charakteristisch für die KEP-Branche ist die Dreiteilung in einige wenige marktbeherrschende Logistikkonzerne, viele Klein- und Kleinstbetrieben als deren Subunternehmen sowie Klein- und Mittelbetriebe, die teils in Marktnischen agieren. Gerade bei den entscheidenden Arbeitsschritten, der Zustellung auf der letzten Meile, bleibt das Rationalisierungspotenzial gering, so dass der Mindestlohn hier nach wie vor eine erhebliche Rolle spielt – sei es als faktische Lohnuntergrenze oder Orientierungsgröße für die Lohnfindung in den untersten Lohngruppen. Auch wenn die vorliegende Studie aufgrund ihres qualitativen Zugangs keine im statistischen Sinne repräsentativen Befunde liefern kann, stellen die Gesamtzahl von 62 Interviews, die inhaltlich begründete Fokussierung auf strukturell unterschiedliche Regionen sowie die ausgewogene Einbeziehung der verschiedenen Akteursgruppen wichtige Elemente dar, um die Komplexität und Vielgestaltigkeit des Themas adäquat untersuchen zu können. In diesem Abschnitt werden noch einmal die wesentlichen Ergebnisse resümiert und eingeordnet, um im Anschluss daran sowohl auf die Limitationen der Studie einzugehen als auch weiteren Forschungsbedarf aufzuzeigen. Durch die Erhöhungen des Mindestlohns ist es zu Steigerungen des Monatslohns gekommen, die eher selten durch eine Reduzierung der Arbeitszeit konterkariert wurden. Am ehesten wurden Arbeitszeitreduzierungen für Beschäftigte berichtet, die gleichzeitig Transferleistungen (ALG I/ALG II) oder BAföG bezogen. Weiterhin gingen die Erhöhungen des Mindestlohns in einigen Betrieben mit Lohnstauchungen einher. Bei weitem nicht alle Arbeitgeber sahen sich dazu in der Lage, den prozentualen Lohnanstieg für Mindestlohnbeschäftigte anteilig auch den übrigen Beschäftigten in den unteren Lohngruppen in gleichem Umfang zu gewähren. Innerhalb unseres Samples lässt sich in dieser Hinsicht grob zwischen vier Gruppen von Betrieben differenzieren: (1) eine Gruppe von Betrieben, bei denen die Löhne oberhalb des Mindestlohns infolge der Mindestlohnerhöhungen nicht angepasst wurden, (2) eine Gruppe von Betrieben, in denen die Lohngruppen oberhalb des Mindestlohns zwar angepasst wurden, aber nicht in derselben prozentualen Höhe wie der Mindestlohn, (3) Betriebe, die die Lohnabstände zwischen den Lohngruppen weiterhin beibehalten konnten, auch um den Verlust von langjährigen und qualifizierten Beschäftigten zu vermeiden, sowie (4) Betriebe, in denen es nur eine einzige Lohngruppe im Bereich des Mindestlohns gab. Insofern kam es in Teilen der KEP-Branche zu nennenswerten Verschiebungen im Lohngefüge durch die Mindestlohnerhöhungen. Die Wahrnehmung der nominellen Lohnzuwächse aufseiten der Beschäftigten wurde stark von der zeitgleichen hohen Inflation beeinflusst, so dass die Mindestlohnerhöhungen eher als Inflationsausgleich denn als reale Lohnerhöhung empfunden wurden." (Textauszug, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Mindestlohnerhöhungen zum 1. Januar 2026 und 2027: Rund jeder zehnte Job ist von der stufenweisen Anpassung des Mindestlohns betroffen (2025)
Zitatform
Gürtzgen, Nicole, Martin Popp & Antonia Commentz (2025): Mindestlohnerhöhungen zum 1. Januar 2026 und 2027: Rund jeder zehnte Job ist von der stufenweisen Anpassung des Mindestlohns betroffen. (IAB-Kurzbericht 15/2025), Nürnberg, 8 S. DOI:10.48720/IAB.KB.2515
Abstract
"Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll laut Beschluss der Mindestlohnkommission zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde steigen. Zum 1. Januar 2027 wird der Mindestlohn in einem weiteren Schritt auf 14,60 Euro angehoben. Dieser IAB-Kurzbericht zeigt, in welchem Ausmaß bestehende Beschäftigungsverhältnisse sowie Neueinstellungen von den geplanten Erhöhungen betroffen sein werden. Dabei wird insbesondere auf Unterschiede nach Beschäftigungsform, Arbeitszeit, Region und Wirtschaftszweig eingegangen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Careers of Minimum Wage Workers (2025)
Zitatform
Kerr, Sari Pekkala, William R. Kerr & Louis J. Maiden (2025): Careers of Minimum Wage Workers. (NBER working paper / National Bureau of Economic Research 34405), Cambridge, Mass, 24 S., App.
Abstract
"We characterize the careers of minimum wage workers by merging SIPP panels covering 1992-2016 into the LEHD. A long-run analysis shows strong earnings growth for these workers in subsequent decades, becoming indistinguishable from peers earning modestly more initially. Most of this growth is due to the steep earnings trajectories of young workers. Older workers earning minimum wages show a modest dip in earnings at that moment compared to earlier and later periods. Increases in state minimum wages do not significantly alter the future careers of workers who are on the minimum wage when the increases occur." (excerpt, IAB-Doku) (en)
-
Literaturhinweis
Minimum wage increases and vacancies (2025)
Zitatform
Kudlyak, Marianna, Murat Tasci & Didem Tüzemen (2025): Minimum wage increases and vacancies. In: Labour Economics, Jg. 97. DOI:10.1016/j.labeco.2025.102765
Abstract
"We use a unique data set and a novel identification strategy to estimate the effect of minimum wage increases on vacancy postings. Utilizing occupation-specific county-level vacancy data from the Conference Board ’s Help Wanted Online for 2005-18, we find that state-level minimum wage increases lead to substantial declines in existing and new vacancy postings in occupations with a larger share of workers earning close to the effective minimum wage. We estimate that a 10 percent increase in the state-level effective minimum wage reduces vacancies in these occupations relative to the rest by 2.4 percent in the same quarter, and the cumulative effect is as large as 4.5 percent a year later. Focusing on vacancies rather than employment allows us to highlight changes in firms’ hiring intentions in response to minimum wage increases. Coupled with the earlier U.S. evidence showing reductions in separations following minimum wage hikes, our finding of declining vacancies contributes to the broader empirical literature suggesting negligible effects of minimum wage increases on net employment." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2025 Published by Elsevier B.V.) ((en))
-
Literaturhinweis
Effects of the German Minimum Wage on Earnings and Working Time Using Establishment Data (2025)
Zitatform
Ohlert, Clemens (2025): Effects of the German Minimum Wage on Earnings and Working Time Using Establishment Data. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Jg. 245, H. 1-2, S. 185-213. DOI:10.1515/jbnst-2024-0025
Abstract
"Diese Studie untersucht die Auswirkungen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland auf Stundenlöhne, Monatslöhne und bezahlte Arbeitszeiten. Es wird ein auf der Verdienststrukturerhebung (VSE) 2014 und der Verdiensterhebung (VSE) 2015 basierender Paneldatensatz genutzt und ein Differenz-in-Differenzen-Ansatz auf Betriebsebene angewendet. Die Vorteile und Grenzen dieses Ansatzes werden im Vergleich zu früheren Studien erörtert. Die Ergebnisse deuten auf einen Effekt der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns auf die Stundenlöhne von etwa 13 Prozent hin. Aufgrund negativer Effekte auf die Arbeitszeit von etwa minus 6 Prozent sind die Auswirkungen auf den monatlichen Bruttoverdienst geringer, betragen aber immer noch etwa 8 Prozent. Der Mindestlohn hat vor allem bei Geringverdienern in Teilzeitbeschäftigung und in Ostdeutschland zu einer Erhöhung der Monatslöhne geführt. Damit werden neue Erkenntnisse zur Debatte über die Existenz und das Ausmaß von Mindestlohneffekten auf Verdienste und Arbeitszeiten sowie zu deren politischen Implikationen vorgelegt." (Autorenreferat, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Effects of the German Minimum Wage on Wages and Household Income (2025)
Zitatform
Pusch, Toralf (2025): Effects of the German Minimum Wage on Wages and Household Income. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Jg. 245, H. 1-2, S. 153-183. DOI:10.1515/jbnst-2023-0024
Abstract
"This article examines the effects of the introduction of the statutory minimum wage on the distribution of individual income from wages, as well as gross and net means-weighted income of workers in Germany. For the first time, data from the Survey of Income and Consumption was used, in which incomes are recorded in great detail. Both descriptive findings and the results of Unconditional Quantile Regressions indicate that the incomes of workers in regions with a high level of minimum wage intervention experienced significant increases after the introduction of the minimum wage, ranging into the middle band of the income distribution. Accordingly, the minimum wage has positively influenced the incomes of a large number of employee households." (Author's abstract, IAB-Doku, © De Gruyter) ((en))
-
Literaturhinweis
Mindestlohnkommission 2025: Stellungnahmen aus der schriftlichen Anhörung: Ergänzungsband zum Fünften Bericht der Mindestlohnkommission an die Bundesregierung nach § 9 Abs. 4 Mindestlohngesetz (2025)
Abstract
"Paragraf 10 Absatz 3 Satz 1 Mindestlohngesetz (MiLoG) ermöglicht es der Mindestlohnkommission, Anhörungen zu den Auswirkungen und der Anpassung des Mindestlohns durchzuführen. Sie kann dabei „Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Vereinigungen von Arbeitgebern und Gewerkschaften, öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften, Wohlfahrtsverbände, Verbände, die wirtschaftliche und soziale Interessen organisieren“ sowie sonstige von der Anpassung des Mindestlohns Betroffene vor Beschlussfassung anhören. Sie kann Informationen und fachliche Einschätzungen von externen Stellen einholen. Die Mindestlohnkommission hat diese Möglichkeit genutzt und im Frühjahr 2025 eine schriftliche Anhörung durchgeführt. Die Mindestlohnkommission hat sich dazu auf einen Kreis von Institutionen bzw. Sachverständigen geeinigt, die im Rahmen der Anhörung zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert wurden. Die Stellungnahmen sind ebenso wie die von der Mindestlohnkommission vorab versandten Themenschwerpunkte in diesem Band im Originalwortlaut dokumentiert." (Autorenreferat, IAB-Doku)
-
Literaturhinweis
Unions: Wage floors, seniority rules, and unemployment duration (2024)
Alvarez, Fernando; Tourre, Fabrice; Shimer, Robert;Zitatform
Alvarez, Fernando, Robert Shimer & Fabrice Tourre (2024): Unions: Wage floors, seniority rules, and unemployment duration. In: Journal of Economic Dynamics and Control, Jg. 169. DOI:10.1016/j.jedc.2024.104965
Abstract
"This paper examines the impact of unions on unemployment and wages in a dynamic equilibrium search model. We model a union as imposing a minimum wage and rationing jobs to ensure that the union's most senior members are employed. This generates rest unemployment, where following a downturn in their labor market, unionized workers are willing to wait for jobs to reappear rather than search for a new labor market. We characterize the hazard rate of exiting unemployment, and show that it is low at long durations whenever the union-imposed minimum wage is high; we establish that a high union-imposed minimum wage generates a compressed wage distribution and a high turnover rate of jobs —properties consistent with the data. Finally, we show that seniority rules lead to lower unemployment levels, relative to an alternative rule allocating jobs to workers randomly." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2024 Elsevier) ((en))
Aspekt auswählen:
Aspekt zurücksetzen
- Grundsätzliches zum flächendeckenden Mindestlohn
- Auswirkungen des flächendeckenden Mindestlohns auf
- Auswirkungen des flächendeckenden Mindestlohns auf Personengruppen
- Ausnahmen vom flächendeckenden Mindestlohn u.a. für
- Ausweichreaktionen auf Mindestlöhne in Deutschland
- Bundesländer
- Branchenspezifische Mindestlöhne und deren Auswirkungen auf
- Mindestlohn in anderen Ländern
