Berufswahl
Was will ich werden? Welche Ausbildung, welches Studium passt zu mir und bietet langfristig sichere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt? Die Wahl eines Berufes gehört zu den wichtigen biographischen Weichenstellungen, auch wenn sie heute keine Festlegung für ein ganzes (Berufs-)leben mehr darstellt. Sie hat Auswirkungen auf die spätere ökonomische Sicherheit, den sozialen Status und auf Chancen zur Entfaltung der Persönlichkeit.
Dieses Themendossier bietet eine Auswahl von Literatur- und Forschungsprojektnachweisen zur Berufswahlforschung in Deutschland und anderen Ländern. Sie gibt einen Überblick über theoretische Ansätze und empirische Befunde zur Erklärung des Berufswahlverhaltens, zu Motiven der Berufswahl bei besonderen Personengruppen sowie zu Bestimmungsgründen und Einflussfaktoren bei der Entscheidungsfindung.
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Literaturhinweis
Berufliche Geschlechtersegregation in Deutschland: Entwicklungen, Erklärungen, regionale und qualifikatorische Unterschiede (2026)
Zitatform
Bächmann, Ann-Christin, Michaela Fuchs, Volker Kotte & Brigitte Schels (2026): Berufliche Geschlechtersegregation in Deutschland: Entwicklungen, Erklärungen, regionale und qualifikatorische Unterschiede. In: S. Bothfeld, C. Hohendanner, P. Schütt & A. Yollu-Tok (Hrsg.) (2026): Geschlechtergerecht gestalten. Möglichkeiten und Grenzen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, S. 175-190, 2025-02-10.
Abstract
"Die berufliche Geschlechtersegregation erweist sich als zentrales und persistentes Charakteristikum des deutschen Arbeitsmarktes. Geschlecht fungiert als soziale Ordnungsstruktur im Prozess der Berufswahl und des Matching von Personen zu Stellen (Buchmann/Kriesi 2012). Wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahrzehnte konnten zwar zu einer leichten Reduzierung der Segregation beitragen, die berufliche Trennung von Männern und Frauen aber bei weitem nicht auflösen. Sie variiert zudem stark zwischen Regionen und Qualifikationsniveaus. Der Überwindung der beruflichen Geschlechtersegregation wird eine Schlüsselrolle für die Bewältigung der Herausforderungen im Wandel der Arbeitswelt zugeschrieben (Nationale Akademie der Wissenschaften/Union der deutschen Akademien der Wissenschaften 2024). Gerade vor dem Hintergrund steigender Fachkräftebedarfe müssen politische Handlungsmöglichkeiten zur Reduzierung beruflicher Geschlechtersegregation stärker ausgeschöpft werden. Gesellschaftlich wäre dieses Ziel zudem erstrebenswert, um jungen Menschen eine »freie Berufswahl« nach Talenten und Interessen zu ermöglichen, die nicht von Geschlechterstereotypen beschränkt wird. Politische Stellschrauben zu identifizieren, gestaltet sich vor dem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren, wie Geschlechterstereotypen, Rollenvorstellungen, Interessen und Präferenzen, die in Angebot und Nachfrage hineinwirken, als herausfordernd. Bisherige Initiativen wie etwa der girls’ day oder boys’ day zeigen wenig Wirkung, was mitunter auch daran liegen mag, dass sie relativ spät in der Jugend ansetzen, wenn Vorstellungen zur Geschlechtstypik von Berufen schon geprägt wurden (siehe auch Jeanrenaud in diesem Band). Empirisch zeigt sich, dass bspw. Rollenvorbilder einen Beitrag leisten können, um Segregationsmuster zu durchbrechen (Beckmann u.a. 2023). Zudem könnte mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem, etwa zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung, Möglichkeiten eröffnen, frühe geschlechtstypische Entscheidungen zu revidieren (Imdorf u.a. 2016). Auch die Adaption der Arbeitsbedingungen und -organisation in segregierten Berufsfeldern kann ein Ansatzpunkt sein, bspw. könnte eine bessere Bezahlung in Pflegeberufen diesen Bereich auch für junge Männer attraktiver machen. Mit Blick in die Zukunft ist abzuwarten, wie sich die zentralen Arbeitsmarktentwicklungen der kommenden Jahre auf die berufliche Trennung von Männern und Frauen auswirken. Neben dem Fachkräftemangel könnten gerade die zunehmende Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Tätigkeiten sowie die Entwicklung neuer Berufe in der sogenannten »neuen Arbeitswelt« zusätzliche Dynamik in die berufliche Trennung der Geschlechter bringen. Erste Erkenntnisse verweisen jedoch darauf, dass diese Entwicklungen bekannte Geschlechterunterschiede eher reproduzieren als verringern (z.B. Genz/Schnabel 2023; Petroff/Fierro 2023). Zentral wird es sein, auch in Zukunft die Entwicklung der beruflichen Geschlechtersegregation und ihre Ursachen und Auswirkungen empirisch zu untersuchen und die Ergebnisse im gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu berücksichtigen." (Textauszug, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Lebenswege junger Menschen in Wien: Analysen zu Berufswahl, Engagement und Wohlbefinden (2026)
Zitatform
Danner, Katharina, Michael Duncan, Jörg Flecker, Paul Malschinger & Veronika Wöhrer (Hrsg.) (2026): Lebenswege junger Menschen in Wien. Analysen zu Berufswahl, Engagement und Wohlbefinden. Göttingen: V&R unipress, 278 S.
Abstract
"Das Forschungsprojekt »Wege in die Zukunft« untersuchte über einen Zeitraum von fünf Jahren die Bildungs- und Lebensverläufe von Wiener Mittelschul-Absolvent:innen. Nach nur vier Jahren gemeinsamer Primarstufe unterscheidet das österreichische Schulsystem zwischen Mittelschule und gymnasialer Unterstufe. Besonders in urbanen Räumen sieht sich die Mittelschule häufig mit geringerer gesellschaftlicher Anerkennung konfrontiert. Neben Analysen zu den Lebenswegen und -entscheidungen der Jugendlichen selbst stellte das Projekt daher auch die Frage nach der Relevanz sozialer Ungleichheit in ihren Lebensrealitäten. Die Beiträger:innen dieses dritten Projektbandes greifen diese Fragestellungen aus den Perspektiven der Bildungswissenschaft und der Soziologie auf und bedienen sich dabei sowohl qualitativer als auch quantitativer Forschungsmethoden." (Autorenreferat, IAB-Doku, © V&R unipress)
Weiterführende Informationen
Inhaltsverzeichnis -
Literaturhinweis
The professional-training-gap for adolescents in welfare dependent households (2026)
Zitatform
Holleitner, Julia, Bernd Fitzenberger & Anna Heusler (2026): The professional-training-gap for adolescents in welfare dependent households. In: Journal for labour market research, Jg. 60, 2025-12-29. DOI:10.1186/s12651-026-00423-7
Abstract
"We examine how welfare benefit receipt influences the transition from school into all forms of professional training, including vocational training and higher education. We use a unique data set that combines panel survey data with detailed administrative records of adolescents in Germany and develop a dynamic multiple imputation method to account for missing data. We find that adolescents in welfare dependent households show more fragmented transition patterns than others after leaving school. They are significantly less likely to enter professional training even after controlling for a rich set of individual and household related factors, including school type and grades. A key driver of this training gap is the school type, while school grades play no role. Our results imply a long-lasting impact of early socioeconomic conditions on later labor market transitions." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Do occupational aspirations of children help to explain ethnic differences in labour market outcomes? (2026)
Zitatform
Parsons, Sam & Lucinda Platt (2026): Do occupational aspirations of children help to explain ethnic differences in labour market outcomes? In: Journal of Ethnic and Migration Studies, S. 1-21. DOI:10.1080/1369183x.2026.2616224
Abstract
"Across the UK’s ethnic groups there is substantial variation in labour market outcomes, driven in part by differences in occupational concentration. Yet we lack insight into whether these outcomes may be shaped, in part, by differences in preferences deriving from grouplevel cultural socialization. We shed light on this question using the nationally representative Millennium Cohort Study. We study the occupational aspirations of girls and boys prior to school completion, matching these aspirations to job characteristics drawn from the Labour Force Survey across the two dimensions of value and gender-typicality. We estimate growth curve models tracking the value and gender-typicality of the aspired job from early childhood into adolescence, and test how far trajectories are consistent with theoretical expectations about the influence of group-level characteristics. We find that differences between ethnic groups are small; but those that exist do not support the contention that preferences are shaped by cultural socialization in the ways theorised. Minority girls aspire to higher-paid occupations than their majority counterparts, and this the case for those both from more and from less traditional and disadvantaged communities. We conclude there is a need to revisit cultural accounts of labour market outcomes among the children of immigrants." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Career preferences and socio-economic background (2026)
Schüle, Paul;Zitatform
Schüle, Paul (2026): Career preferences and socio-economic background. In: Labour Economics, Jg. 98. DOI:10.1016/j.labeco.2025.102814
Abstract
"Career decisions, that is educational and occupational choice, are not only taken by comparing expected incomes, but also by considering non-monetary rewards such as social impact, chances of promotion, or the compatibility of work and family. In this paper, I use rich panel data from Germany and the UK to demonstrate that preferences about such aspects of a career as stated at age 17 are strong predictors of future earnings in the labor market. At the same time, these preferences differ significantly by gender and socio-economic background, and intergenerational income persistence is reduced by 7 to 28 percent when accounting for career preferences." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2025 ElsevierB.V. All rights are reserved, including those for text and data mining, AI training, and similar technologies.) ((en))
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Literaturhinweis
Was kommt nach der Schule? Ein Drittel der Jugendlichen erwägt mehrere Bildungswege (2025)
Anger, Silke ; Heusler, Anna ; Roth, Duncan ; Dietrich, Hans ; Scheels, Brigitte; Wicht, Leonie ; Fitzenberger, Bernd ;Zitatform
Anger, Silke, Hans Dietrich, Bernd Fitzenberger, Anna Heusler, Duncan Roth, Brigitte Scheels & Leonie Wicht (2025): Was kommt nach der Schule? Ein Drittel der Jugendlichen erwägt mehrere Bildungswege. In: IAB-Forum H. 12.11.2025. DOI:10.48720/IAB.FOO.20251112.01
Abstract
"Die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg nach Abschluss einer allgemeinbildenden Schule ist richtungsweisend für das künftige Bildungs- und Erwerbsleben junger Menschen. Neben dem Einstieg in eine betriebliche oder schulische Ausbildung kann auch ein weiterführender Schulbesuch, ein Studium oder andere Bildungswege folgen. Eine neue IAB-Befragung gibt Einblick in die Wünsche und Vorstellungen von Jugendlichen in der Schule zum Übergang ins Arbeitsleben." (Autorenreferat, IAB-Doku)
Beteiligte aus dem IAB
Anger, Silke ; Heusler, Anna ; Roth, Duncan ; Dietrich, Hans ; Wicht, Leonie ; Fitzenberger, Bernd ; -
Literaturhinweis
Online Tutoring, School Performance, and School-to-Work Transitions: Evidence from a Randomized Controlled Trial (2025)
Anger, Silke ; Galkiewicz, Agata; Sandner, Malte ; Siedler, Thomas ; Margaryan, Shushanik ; Christoph, Bernhard ;Zitatform
Anger, Silke, Bernhard Christoph, Agata Galkiewicz, Shushanik Margaryan, Malte Sandner & Thomas Siedler (2025): Online Tutoring, School Performance, and School-to-Work Transitions: Evidence from a Randomized Controlled Trial. (IZA discussion paper / Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 18307), Bonn, 80 S.
Abstract
"Tutoring programs for low-performing students, delivered in-person or online, effectively enhance school performance, yet their medium- and longer-term impacts on labor market outcomes remain less understood. To address this gap, we conduct a randomized controlled trial with 839 secondary school students in Germany to examine the effects of an online tutoring program for low-performing students on academic performance and school-to-work transitions. The online tutoring program had a non-significant intention-to-treat effect of 0.06 standard deviations on math grades six months after program start. However, among students who had not received other tutoring services prior to the intervention, the program significantly improved math grades by 0.14 standard deviations. Moreover, students in non-academic school tracks experienced smoother school-to-work transitions, with vocational training take-up 18 months later being 5 percentage points higher—an effect that was even larger (12 percentage points) among those without prior tutoring. Overall, the results indicate that tutoring can generate lasting benefits for low-performing students that extend beyond school performance." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Was macht die duale Ausbildung attraktiv? Wünsche von jungen Menschen und Angebote von Unternehmen im Vergleich: Eine kombinierte Jugend- und Unternehmensbefragung (2025)
Arndt, Franziska; Wieland, Clemens; Herzer, Philip; Schaffer, Fabian; Werner, Dirk; Flake, Regina; Renk, Helen;Zitatform
Arndt, Franziska, Regina Flake, Philip Herzer, Dirk Werner, Helen Renk, Fabian Schaffer & Clemens Wieland (2025): Was macht die duale Ausbildung attraktiv? Wünsche von jungen Menschen und Angebote von Unternehmen im Vergleich. Eine kombinierte Jugend- und Unternehmensbefragung. Gütersloh, 68 S. DOI:10.11586/2025043
Abstract
"Jahr für Jahr bleiben viele Tausend Ausbildungsplätze unbesetzt, gleichzeitig gehen viel zu viele Ausbildungsberweber:innen auf dem Ausbildungsmarkt leer aus. Wenn es um die Suche nach einem Ausbildungsplatz geht, ist aus Sicht junger Menschen entscheidend, dass eine Ausbildungsstelle aus ihrer Sicht attraktiv ist – und vor allem nicht unattraktiv. Denn nur solche Ausbildungsplätze, die aus Sicht der Jugendlichen keine abschreckenden Merkmale – sogenannte Aversionsfaktoren – aufweisen, werden überhaupt in Erwägung gezogen. Erst dann kommen Attraktionsfaktoren, also positiv wahrgenommene Eigenschaften eines Ausbildungsplatzes, zur Wirkung. Vor diesem Hintergrund wird in dieser Studie unter anderem den spannenden Fragen nachgegangen, welche Aspekte einer Ausbildungsstelle für junge Menschen besonders relevant sind, ob Unternehmen diese bieten können und ob sie das schließlich auch ausreichend kommunizieren. Zudem wird erhoben, wie kompetent sich Unternehmen im Bereich Ausbildungsmarketing bewegen sowie welche Unterstützungsangebote zur Ausbildung und Fachkräftesicherung ihnen bekannt sind und welche davon sie nutzen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Ausbildungsplatz oder Leerstelle: Wie finden Berufsstarter und Betriebe wieder zusammen? (2025)
Zitatform
Bellmann, Lutz, Bernd Fitzenberger & Ute Leber (2025): Ausbildungsplatz oder Leerstelle: Wie finden Berufsstarter und Betriebe wieder zusammen? In: IAB-Forum H. 17.04.2025, 2025-04-15. DOI:10.48720/IAB.FOO.20250417.01
Abstract
"Auch wenn sich der deutsche Ausbildungsmarkt in den ersten Jahren nach der Corona-Krise etwas erholt hat, ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2024 wieder leicht zurückgegangen. Die Herausforderung, Ausbildungsangebot und -nachfrage zusammenzuführen, ist nach wie vor groß. Denn einer hohen Zahl von unbesetzten Ausbildungsplätzen steht eine wachsende Zahl an Jugendlichen gegenüber, die keinen Ausbildungsplatz finden." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Preparing Transitions: The Impact of Vocational Role Models on Occupational Aspirations Within Social Contexts (2025)
Zitatform
Böhle, Eva, Janina Beckmann & Mona Granato (2025): Preparing Transitions: The Impact of Vocational Role Models on Occupational Aspirations Within Social Contexts. In: Social Inclusion, Jg. 13. DOI:10.17645/si.9798
Abstract
"The formation of occupational aspirations, an important prerequisite of successful school-to-work transitions, is embedded in different social contexts, including youths’ families and peers. At the same time, adolescents are guided by various career orientation activities, including vocational role models, that provide them with information on available career options and stimulate career decision-making. In this study, we combine both strands of research and examine how vocational role model effects unfold in the different social contexts that students are embedded in, potentially enabling or constraining intervention effects. Based on a large-scale role model intervention study comprising 1,190 students in Germany, we first examine how peer and family contexts are associated with students’ occupational aspirations askey dimensions of social influence. Our results show that both peer and parental social contexts are related to students’ career aspirations,with descriptive peer norms and injunctive peer and parent norms being the most relevant. Second, we show that unique encounters with vocational role models are, on average, related to increased occupational aspirations for the presented occupation, extending previous empirical findings to the VET context. Third, we examine whether and how role modelling interacts with students’ social embeddedness. We do not find statistically significant interactions between the examined social contexts and the role model intervention. Hence, role model effects apply even in contexts that convey strong norms. Nevertheless, we find subtle patterns suggesting that role model effects are more pronounced when peers convey adverse norms and less knowledge regarding an occupation and when peers’ self-efficacy is high. Theoretical and practical implications are discussed." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Gleichwertigkeit und soziale Ungleichheit: Eine empirische Untersuchung des Prestiges von beruflicher Ausbildung und Studium im Kontext der beruflichen Orientierung von Schüler/-innen (2025)
Bör, Nicolai;Zitatform
Bör, Nicolai (2025): Gleichwertigkeit und soziale Ungleichheit. Eine empirische Untersuchung des Prestiges von beruflicher Ausbildung und Studium im Kontext der beruflichen Orientierung von Schüler/-innen. (BIBB discussion paper / Bundesinstitut für Berufsbildung), Bonn, 105 S.
Abstract
"Der Fachkräftemangel, der sich gerade auch im mittleren Qualifikationsbereich verschärft, rückt die Berufswahl von Jugendlichen zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ein wichtiger Entscheidungsfaktor im Berufswahlprozess sind Vorstellungen über das Prestige von Bildungswegen und Berufen. Diese Prestigevorstellungen sind gerade bei jungen Menschen bislang nur wenig erforscht. Im Mittepunkt dieses Beitrags stehen daher die Prestigevorstellungen von Schülerinnen und Schülern hinsichtlich beruflicher Ausbildung und Studium. Anknüpfend an gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskurse zur Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildungswege wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren die Prestigebewertungen von Schüler/-innen prägen und welche Rolle soziale Ungleichheitsmechanismen in diesem Zusammenhang spielen. Die empirischen Analysen beruhen auf Daten der BIBB-TUDa-Berufsorientierungsstudie, die in den Jahren 2021-2023 an weiterführenden Schulen in NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz durchgeführt wurde. Auf der Grundlage theoretischer Ansätze und empirischer Forschungsergebnisse zu Berufswahl, Bildungsentscheidungen, Bildungsungleichheit und Prestige werden Hypothesen zu den zentralen Einflussfaktoren auf die Prestigebewertungen von Studium und beruflicher Ausbildung formuliert, modelliert und analysiert. Konkret werden Schulform, Schulleistung, sozioökonomischer Hintergrund, Migrationshintergrund und Erwartungen des nahen sozialen Umfelds als potenzielle Einflussfaktoren in die Analyse eingeschlossen. Darüber hinaus wird die Bedeutung der Prestigebewertungen für die nachschulische Bildungsaspiration untersucht. Im Vergleich der zwei Bildungswege zeigt sich, dass die befragten Schüler/-innen das Prestige eines Studiums etwas höher einschätzen als das Prestige einer beruflichen Ausbildung. Die vorliegenden Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass es unter den einbezogenen Faktoren vor allem die den Eltern zugesprochenen Erwartungshaltungen sind, die Differenzen in der Prestigeeinschätzung der Jugendlichen erklären können. Generell zeichnen sich Bewertungsunterschiede vor allem für das Prestige einer beruflichen Ausbildung ab, während die Schüler/-innen das Prestige eines Studiums vergleichsweise homogen einschätzen. Dass Prestigevorstellungen Bildungsaspirationen prägen, spiegelt sich auch in den Ergebnissen dieser Untersuchung wider. Andere Faktoren, allen voran auch in diesem Zusammenhang die elterliche Erwartungshaltung, erweisen sich im Modell jedoch als bedeutendere Prädiktoren." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Sprungbrett Freiwilligendienst: Wie junge Menschen ihren Weg in soziale und Pflegeberufe finden (2025)
Carrasco Heiermann, Adrián; Breitinger, Florian; Sixtus, Frederick; Hinz, Catherina;Zitatform
Carrasco Heiermann, Adrián, Florian Breitinger, Frederick Sixtus & Catherina Hinz (2025): Sprungbrett Freiwilligendienst. Wie junge Menschen ihren Weg in soziale und Pflegeberufe finden. Berlin, 41 S.
Abstract
"Wie gelingt es, junge Menschen langfristig für Pflege- und Sozialberufe zu gewinnen? Die neue Studie des Berlin-Instituts „Sprungbrett Freiwilligendienst – Wie junge Menschen ihren Weg in soziale und Pflegeberufe finden“ zeigt: Freiwilligendienste können einen entscheidenden Beitrag zur Nachwuchssicherung leisten – wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Jedes Jahr engagieren sich zehntausende Menschen im In- und Ausland im Freiwilligen Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst – viele davon in der Alten- und Behindertenhilfe. Ein Teil von ihnen entscheidet sich nach dieser Zeit für eine Ausbildung oder ein Studium in der Pflege. Die Studie zeigt, dass dieser Übergang vor allem dann gelingt, wenn Freiwillige gute Erfahrungen machen, sich begleitet fühlen und ernst genommen werden. Einrichtungen profitieren davon: Ehemalige Freiwillige gelten als besonders motiviert, gut vorbereitet und bleiben später oft länger im Beruf. Doch Freiwilligendienste sind kein Allheilmittel gegen den Personallücken. Damit aus Engagement auch Berufung wird, müssen die strukturellen Rahmenbedingungen stimmen – etwa faire Arbeitsbedingungen, Zeit für Beziehungsarbeit und die Chance, sich persönlich und beruflich zu entwickeln." (Verlagsangaben, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Local Labor Markets and Selection into the Teaching Profession (2025)
Deneault, Christa;Zitatform
Deneault, Christa (2025): Local Labor Markets and Selection into the Teaching Profession. In: The Journal of Human Resources, S. 1-45. DOI:10.3368/jhr.0424-13535r2
Abstract
"Using administrative data from Texas, I track individuals from high school through college to the workforce to determine the effects of local labor markets on occupational choice. I find local labor market conditions are countercyclical with selection into teaching. Individuals sorting into teaching because of poor local labor market conditions are of higher ability (standardized tests) and have higher productivity (value-added). The findings suggest local labor market fluctuations shape career decisions well before individuals participate in the labor market, and increasing the relative economic standing of teaching as a career has the potential to improve the future supply of teachers." (Author's abstract, IAB-Doku, © the Board of Regents of the University of Wisconsin System) ((en))
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Literaturhinweis
Herausforderungen und Perspektiven für Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung in gesellschaftlicher Transformation (2025)
Zitatform
Dietz, Caroline, Henrik Weitzel, Martin Reuter & Joshua Dohmen (2025): Herausforderungen und Perspektiven für Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung in gesellschaftlicher Transformation. In: Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, Jg. 48, H. 2, S. 265-293. DOI:10.1007/s40955-025-00319-y
Abstract
"Der Beitrag beleuchtet unterschiedliche Standpunkte von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verbänden und Praxis zur Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (BBB-Beratung) im Kontext gesellschaftlicher Transformation. Mithilfe von zwei Fokusgruppen mit quantitativen Ratings werden konsensfähige und polarisierende Perspektiven zu den Themen Lebensweltbezug, Strukturen und Transparenz sowie Digitalisierung herausgearbeitet und gegenübergestellt. Während ein Konsens zur Bedeutung biografie- und lebensweltorientierter Beratungsansätze besteht, zeigen sich bei der Digitalisierung und der Gestaltung der Beratungslandschaft kontroverse Positionen. So wird etwa der Einsatz von KI in der Beratung von den Expertinnen und Experten mit stärkerem Praxisbezug deutlich positiver bewertet als von jenen mit wissenschaftlichem und strategischem Hintergrund. Auch die Relevanz eines zentralen überregionalen Beratungsangebots wird kontrovers diskutiert. Der Beitrag verdeutlicht, dass es durchaus uneinheitliche Sichtweisen auf die Herausforderungen und Chancen der Beratung in der Transformationsgesellschaft gibt. Die unterschiedlichen Perspektiven der Akteure im Beratungssystem werden transparent gemacht und ausgeführt. Die Ergebnisse liefern somit wertvolle Einblicke in die heterogenen Positionen im Feld der Beratung. Sie verdeutlichen transformatorische Aspekte der Beratung und unterstreichen die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Dialogs zwischen den verschiedenen Akteuren." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Jugendberufsagenturen als Mittler im ›Förderdschungel‹ zwischen Schule und Beruf (2025)
Enggruber, Ruth;Zitatform
Enggruber, Ruth (2025): Jugendberufsagenturen als Mittler im ›Förderdschungel‹ zwischen Schule und Beruf. In: Sozialmagazin H. 7/8, S. 47-53. DOI:10.3262/SM2508047
Abstract
"Da in Deutschland ein Berufsabschluss vor Arbeitslosigkeit und Armut schützt, geht die Arbeitsmarktpolitik gegen Ausbildungslosigkeit mit vielfältigen Angeboten der Jugendberufshilfe vor. So ist ein ›Förderdschungel‹ am Übergang von der Schule in den Beruf entstanden, der für junge Menschen erhebliche Risiken birgt. Jugendberufsagenturen sollen zur Risikominimierung beitragen, was jedoch nur einigen von ihnen gelingt." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Same but Different: Gender, Social Origin, and University Access. Results From a Field Experiment on Guidance Counseling (2025)
Zitatform
Erdmann, Melinda, Irena Pietrzyk, Juliana Schneider, Marcel Helbig & Marita Jacob (2025): Same but Different: Gender, Social Origin, and University Access. Results From a Field Experiment on Guidance Counseling. In: Research in Social Stratification and Mobility, Jg. 98. DOI:10.1016/j.rssm.2025.101062
Abstract
"Inequalities based on social origins heavily influence university access, shaping individuals’ careers and earning potential. While educational interventions in upper secondary schools have shown promise in supporting students from low social origins, their effects on gender disparities in university access remain less clear. This study investigates how social origins and gender intersect to affect university enrollment and whether counseling programs influence these patterns. Using data from a randomized controlled trial (RCT) in Germany evaluating a counseling program, our analysis reveals two key results. First, students’ evaluations of higher education appear to be shaped by their social background and gender before high school graduation. Second, the counseling program altered these evaluations and enrollment rates in distinct ways depending on students’ social background and gender. Our findings contribute to research on social stratification by highlighting intersectional patterns in rational choice evaluations and university enrollment. We also demonstrate that counseling in Germany effectively reduces intersectional inequalities in enrollment, which particularly benefits women from low social origins." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2025 The Author(s). Published by Elsevier Ltd.) ((en))
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Literaturhinweis
BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie zum Ausbildungsmarkt: Ausbildungssuchende ohne Kontakt zur Arbeitsagentur und Geflüchtete sind oft im Nachteil (2025)
Ertl, Hubert; Keßler, Catie; Leber, Ute; Fitzenberger, Bernd ; Christ, Alexander ; Seegers, Marco ; Holleitner, Julia ; Anger, Silke ; Gei, Julia; Schels, Brigitte ; Christoph, Bernhard ;Zitatform
Ertl, Hubert, Bernd Fitzenberger, Silke Anger, Alexander Christ, Bernhard Christoph, Julia Gei, Julia Holleitner, Catie Keßler, Ute Leber, Brigitte Schels & Marco Seegers (2025): BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie zum Ausbildungsmarkt: Ausbildungssuchende ohne Kontakt zur Arbeitsagentur und Geflüchtete sind oft im Nachteil. (IAB-Kurzbericht 18/2025), Nürnberg, 8 S. DOI:10.48720/IAB.KB.2518
Abstract
"Eine Ausbildung aufzunehmen, ist ein entscheidender Schritt auf dem Bildungsweg vieler junger Menschen. Sie müssen sich mit unterschiedlichen Ausbildungswegen auseinandersetzen und um Ausbildungsplätze bewerben. Hierbei kommt Angeboten der beruflichen Orientierung und Berufsberatung eine zentrale Rolle zu. Welche Erfahrungen machen ausbildungsinteressierte junge Menschen während der Berufsberatung, wie unterscheiden sich diese Erfahrungen und inwiefern gehen sie mit einem erfolgreichen Übergang in eine Berufsausbildung oder ein Studium einher? Daten der aktuellen BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie zeigen, dass Ausbildungssuchende, die im Verlauf ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz den Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit abgebrochen haben, und junge Geflüchtete seltener einen berufsqualifizierenden Bildungsweg einschlagen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
Beteiligte aus dem IAB
Leber, Ute; Fitzenberger, Bernd ; Holleitner, Julia ; Anger, Silke ; Christoph, Bernhard ;Weiterführende Informationen
- Einflussfaktoren auf die erfolgreiche Einmündung in berufsqualifizierende Bildungsgänge und auf die Zufriedenheit der Ausbildungssuchenden mit ihrem Verbleib
- Zufriedenheit der Ausbildungssuchenden mit dem eigenen Verbleib – nach Fluchtmigration und Kenntnis über ihren Verbleib in der BA-Statistik
- Lesen Sie dazu das Interview im Online-Magazin IAB-Forum
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Literaturhinweis
Linking personality traits to vocational interest profiles via the circumplex: Research synthesis and new applications (2025)
Zitatform
Etzel, Julian M., Bart Wille, Filip De Fruyt & Gabriel Nagy (2025): Linking personality traits to vocational interest profiles via the circumplex: Research synthesis and new applications. In: Journal of vocational behavior, Jg. 163. DOI:10.1016/j.jvb.2025.104191
Abstract
"Vocational interests and personality traits are among the most important and widely studied individual differences constructs in vocational psychology. Although many studies have examined their bivariate associations, no study has approached this question from a profile-based perspective. In this study, we close this gap by linking personality traits to vocational interest profiles via the circumplex, an established model for structuring the interrelations between interest domains. We illustrate potential pitfalls of focusing solely on isolated bivariate associations and show how the circumplex makes it possible to summarize and visualize complex correlation patterns in a directly interpretable way. Study 1 presents a meta-analytic reanalysis of the relationships between FFM traits and RIASEC interests (N = 18,291, k = 27). Study 2 uses a latent circumplex model to better understand how strong these associations truly are and to examine their consistency across different interest taxonomies. Specifically, we apply the latent circumplex model to the aggregated data from Study 1 and to two different datasets from Germany (N = 1032) and Belgium (N = 1317). Results were remarkably consistent, demonstrating that personality traits are more strongly associated with profile configurations compared to profile levels. Openness was almost as strongly related to individual differences in interest configurations as a typical interest scale. Similarly strong associations were found for Extraversion and Agreeableness, whereas those with Neuroticism and Conscientiousness were weaker. These results shed new light on how interests and traits can be integrated, with important implications for theory and practice." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2025 The Authors. Published by Elsevier Inc.) ((en))
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Literaturhinweis
Self-Selection into Health Professions (2025)
Zitatform
Fedele, Alessandro, Mirco Tonin & Daniel Wiesen (2025): Self-Selection into Health Professions. (IZA discussion paper / Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 17941), Bonn, 27 S.
Abstract
"The health sector requires skilled, altruistic, and motivated individuals to perform complex tasks for which ex-post incentives may prove ineffective. Understanding the determinants of self-selection into health professions is therefore critical. We investigate this issue relying on data from surveys and incentivized dictator games. We compare applicants to medical and healthcare schools in Italy and Austria with non-applicants from the same regions and age cohorts. Drawing on a wide range of individual characteristics, we employ machine learning techniques for variable selection. Our findings show that higher cognitive ability, greater altruism, and the personality trait of conscientiousness are positively associated with the likelihood of applying to medical or nursing school, while neuroticism is negatively associated. Additionally, individuals with a strong identification with societal goals and those with parents working as doctors are more likely to pursue medical education. These results provide evidence of capable, altruistic, and motivated individuals self-selecting into the health sector, a necessary condition for building a high-quality healthcare workforce." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
This time it’s different – Generative artificial intelligence and occupational choice (2025)
Zitatform
Goller, Daniel, Christian Gschwendt & Stefan C. Wolter (2025): This time it’s different – Generative artificial intelligence and occupational choice. In: Labour Economics, Jg. 95. DOI:10.1016/j.labeco.2025.102746
Abstract
"We show the causal influence of the launch of generative artificial intelligence (AI) in the form of ChatGPT on the search behavior of young people for apprenticeship vacancies. To estimate the short- and medium-term effects, we use a variety of methods, including a difference-in-discontinuity approach exploiting the exogenous nature of the unanticipated launch of ChatGPT in 2022. There is a strong short- and medium-term decline in the intensity of searches for vacancies, indicating a notable reduction in the supply of young people actively seeking apprenticeships and suggesting great uncertainty among the affected cohort. Occupations with a high proportion of cognitive tasks and with high demands on language skills were particularly affected by the decline. Interestingly, the revealed preferences in the search behavior of young job seekers contrasted with previous expert assessments on the automation risks of occupations and aligned with the most recent assessments of the AI and language model exposure of occupations – before these new assessments existed. Notably, while the supply decline did not reduce the number of signed apprenticeship contracts, we find evidence of declining applicant quality, particularly for commercial employees, the most widely offered apprenticeship in Switzerland." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2025 The Authors. Published by Elsevier B.V.) ((en))
