Jahr: 2026
IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt nach Beginn des Irankriegs weiter gedämpft
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verzeichnet im März den vierten Rückgang in Folge. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sinkt im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf nun 99,4 Punkte. Das European Labour Market Barometer legt im März 0,2 Punkte zu, bleibt aber mit 99,8 Punkten weiterhin knapp unter der neutralen Marke von 100 Punkten.
„Angesichts von Irankrieg und Ölpreisschock gibt es weiterhin keine Erholungssignale vom deutschen Arbeitsmarkt“, berichtet Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB. Allerdings verzeichnen beide Komponenten des Barometers nur kleine Rückgänge: Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt um 0,1 Punkte auf 98,5 Punkte, die Komponente zur Vorhersage der Beschäftigung um 0,2 Punkte auf 100,2 Punkte. Dies signalisiert, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten weiter steigen wird und die Beschäftigung stagniert. „Sowohl die Konjunkturrisiken als auch die demografische Schrumpfung setzen die Beschäftigung unter Druck“, so Weber.
Das European Labour Market Barometer festigt sich trotz Irankrieg. Es steigt im März um 0,2 Punkte, bleibt mit 99,8 Punkten aber unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Beide Komponenten des Frühindikators des Europäischen Netzwerks der öffentlichen Arbeitsverwaltungen und des IAB legen leicht zu. Die Beschäftigung bleibt insgesamt stabil, aber die Arbeitslosigkeit könnte noch etwas steigen. „Die europäischen Arbeitsmarktaussichten stagnieren. Angesichts der Weltlage kann man das schon als gute Nachricht sehen“, erklärt Weber.
Datengrundlage
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Die Antworten erfolgten im Wesentlichen in den drei Tagen ab dem 11. März 2026. Der Irankrieg und der Ölpreisschock waren zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt; das höhere Ölpreisniveau war im Wesentlichen bis zum 9. März erreicht.
Das European Labour Market Barometer ist ein monatlicher Frühindikator, der auf einer seit Juni 2018 gemeinsam von den 18 Arbeitsverwaltungen und dem IAB durchgeführten Befragung unter den lokalen oder regionalen Arbeitsagenturen der teilnehmenden Länder basiert. Dazu zählen: Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft, Wallonien), Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien und Zypern.
Während Komponente A des IAB-Arbeitsmarktbarometers und des European Labour Market Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus diesen beiden Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert der beiden Barometer. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala der Barometer reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).
Zum Download stehen bereit:
- eine Zeitreihe des IAB-Arbeitsmarktbarometers einschließlich seiner Einzelkomponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ unter www.iab.de/presse/abzeitreihe (xlsx).
- eine Grafik mit den aktuellen Werten des IAB-Arbeitsmarktbarometers und seiner Komponenten sowie eine Zeitreihengrafik unter https://iab.de/daten/iab-arbeitsmarktbarometer/.
Eine Zeitreihe des European Labour Market Barometer einschließlich seiner Einzelkomponenten für alle beteiligten Arbeitsverwaltungen ist unter www.iab.de/Presse/elmb-components (xlsx) abrufbar.
Mehr zum Europäischen Arbeitsmarktbarometer findet sich unter https://iab.de/en/daten/european-labour-market-barometer/.
Weitere Information zum Arbeitskräfteknappheits-Index des IAB finden Sie unter https://iab.de/daten/arbeitskraefteknappheits-index/
IAB-Prognose für 2026: Fiskalpolitischer Rückenwind trifft auf geopolitischen Gegenwind
Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt entwickeln sich seit vier Jahren schwach. Die Fiskalpakte werden die Konjunktur beleben, der Irankrieg sorgt aber für neue geopolitische Risiken. Das Erwerbspersonenpotenzial wird 2026 erstmalig sinken – um 40.000 auf 48,62 Millionen Personen. Hierdurch wird auch die Beschäftigungsentwicklung begrenzt. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Für 2026 wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent prognostiziert. Aufgrund höherer Energiepreise und einer schwächeren Dynamik bei den Exporten wird erwartet, dass das BIP um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte weniger wächst als ohne Irankrieg.
Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahr 2026 um 90.000 auf 45,89 Millionen Personen sinken. Die Zahl der Arbeitslosen wird um 40.000 Personen steigen. In der zweiten Jahreshälfte 2026 rechnet das IAB hier erstmals wieder mit einem leichten Rückgang. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewegt sich zwar immer noch auf Rekordniveau, dürfte 2026 jedoch leicht schrumpfen – um 30.000 auf 34,93 Millionen Personen. Das wäre das erste Jahr seit der Finanzkrise 2009, in dem kein Wachstum mehr verzeichnet wird. Neben der demografischen Schrumpfung wirke sich hier die wirtschaftliche Transformationskrise aus, so Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB:„Transformation erfordert neue Jobs, Weiterentwicklung und Wechsel. Am Arbeitsmarkt gibt es jedoch kaum Bewegung.“.
Die Beschäftigungsentwicklung zeigt sich zweigeteilt: Nahezu alle zusätzlichen Stellen wird es im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit geben. Dort wird eine Zunahme um 180.000 Beschäftigte prognostiziert. Das liegt hauptsächlich an der Alterung der Gesellschaft und am Ausbau der Kindertagesbetreuung, sowie der inneren und äußeren Sicherheit. In der Industrie schrumpft die Beschäftigung dagegen weiter. „Der Irankrieg und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen und Handelsstörungen belasten die Beschäftigungsentwicklung in der Industrie zusätzlich“, so Weber. Auch wenn Industrieindikatoren mitunter eine Stabilisierung zeigen, wird für 2026 mit einem Beschäftigungsrückgang um 140.000 Personen gerechnet.
Die IAB-Prognose ist abrufbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-05.pdf.
Ein begleitendes Interview zur Prognose lesen Sie hier: https://iab-forum.de/iab-prognose-2026-konjunktur-profitiert-von-fiskalischen-impulsen/.
Homo ignorans: Deliberate Ignorance and the Limits of Curiosity
The OECD Economic Survey of Germany 2025
Beyond the Chores: Mental Load, Gender, and Careers
2nd Workshop on Imperfect Competition in the Labor Market
Working Hours, Workplace Hazards, and Health: The Long-Term Impact of the Eight-Hour Day
IAB-Stellenerhebung für das vierte Quartal 2025: Zahl der offenen Stellen steigt von 1,03 auf 1,26 Millionen – und damit stärker als saisonüblich
Gegenüber dem Vorquartal liegt die Zahl der offenen Stellen um 224.100 oder rund 22 Prozent höher. Im Vergleich zum vierten Quartal 2024 liegt die Zahl der offenen Stellen hingegen um 146.100 oder rund 10 Prozent niedriger. Der im vierten Quartal 2025 beobachtete Anstieg an offenen Stellen ist jedoch zur Hälfte auf die erwartete saisonale Entwicklung zurückzuführen. Das geht aus der IAB-Stellenerhebung hervor, einer regelmäßigen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
In Westdeutschland waren 1,03 Millionen offene Stellen im vierten Quartal 2025 zu besetzen, in Ostdeutschland rund 224.600. Bundesweit waren im vierten Quartal 2025 rund 80 Prozent der Stellen sofort zu besetzen, das heißt sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits unbesetzt. Der Anteil der sofort zu besetzenden offenen Stellen liegt dabei in Westdeutschland mit 79 Prozent leicht unter dem ostdeutschen Anteil von 83 Prozent.
231.900 der 1,26 Millionen offenen Stellen waren im vierten Quartal 2025 bei Großbetrieben mit mindestens 250 Beschäftigten zu besetzen. Mittlere Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten hatten rund 274.300 offene Stellen. Die Mehrheit der offenen Stellen gab es mit 750.900 bei kleineren Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank die Zahl der offenen Stellen bei kleineren Betrieben um 8 Prozent, bei mittleren und großen Betrieben ist hingegen ein Rückgang um 15 beziehungsweise 12 Prozent zu beobachten. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2025 sanken die offenen Stellen gegenüber dem Vorjahresquartal in den jeweiligen Größenklassen noch um 23, 17 und 12 Prozent. „Der zuletzt zu beobachtende Rückgang der Personalnachfrage hat sich somit vor allem bei kleinen Betrieben im vierten Quartal deutlich abgeschwächt“, erklärt IAB-Forscher Alexander Kubis. „Der Arbeitsmarkt ist weiterhin noch nicht über den Berg.“ Die Betriebe verzeichnen gegenüber dem vierten Quartal 2024 in allen Größenklassen nach wie vor eine geringere Personalnachfrage. Gegenüber dem dritten Quartal 2025 ist die Personalnachfrage saisonbereinigt jedoch leicht angestiegen.
Das IAB untersucht mit der IAB-Stellenerhebung seit 1989 das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im vierten Quartal 2025 lagen Antworten von 17.417 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche vor. Die Zeitreihen zur Zahl der offenen Stellen auf Basis der IAB-Stellenerhebung sind unter https://iab.de/das-iab/befragungen/iab-stellenerhebung/aktuelle-ergebnisse/ online veröffentlicht. Ein Beitrag im IAB-Forum ist unter https://iab-forum.de/zahl-der-offenen-stellen-steigt-staerker-als-saisonueblich/ verfügbar. Der IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf ist unter https://www.iab-forum.de/tag/iab-monitor-arbeitskraeftebedarf/ abrufbar. Dieser wird laufend aktualisiert.
Ergebnisse der IAB-Arbeitszeitrechnung für das Jahr 2025: Teilzeitbeschäftigte arbeiteten 13,2 Millionen Stunden
Die Teilzeitquote stieg im Vergleich zu 2024 um 0,4 Prozentpunkte und steht mit 39,9 Prozent im Vergleich der Jahreswerte auf einem Höchststand. Die Teilzeitbeschäftigung an sich hat dennoch keinen negativen Einfluss auf die Arbeitszeit. Denn Teilzeitbeschäftigte arbeiteten mit rund 18,7 Stunden durchschnittlicher Wochenarbeitszeit 0,2 Stunden länger als noch 2024. Dies ergibt sich aus der am Dienstag veröffentlichten Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten, die sich aus den regulär Teilzeitbeschäftigten sowie den ausschließlich geringfügig Beschäftigten zusammensetzt, stieg 2025 um 1,0 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten sank hingegen um 0,6 Prozent. Der Anstieg der Teilzeitquote liegt auch an einem Beschäftigungszuwachs gerade in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil wie dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht und einem Beschäftigungsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe mit einem hohen Vollzeitanteil. Während die Minijobs im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent zurückgingen, ist die reguläre Teilzeitbeschäftigung als einzige Beschäftigungsform im Durchschnitt um 1,8 Prozent gewachsen. „Teilzeit war bisher kein Verlustgeschäft. Dennoch gibt es hier noch viel zu gewinnen, vor allem bei einer stärkeren beruflichen Entwicklung von Frauen“, erläutert Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.
Das Arbeitsvolumen sank 2025 um 0,2 Prozent auf 61,26 Milliarden Stunden. Die Zahl der Erwerbstätigen blieb 2025 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich. So sank sie im Vergleich zu 2024 minimal um 5.000 Personen oder 0,01 Prozent auf insgesamt 45,98 Millionen. Im Schnitt arbeiteten Erwerbstätige 2025 rund 1.332 Stunden pro Kopf, das sind 0,2 Prozent beziehungsweise 2,2 Stunden weniger als ein Jahr zuvor. „Das Arbeitsvolumen stagniert seit Jahren – die Zeit der Rekorde ist vorbei“, so Weber.
Rund 4,68 Millionen Beschäftigte in Deutschland und damit rund 85.000 Personen mehr als 2024 hatten einen Nebenjob. Demnach übten 11,1 Prozent aller Beschäftigten neben ihrem Hauptjob noch eine Nebentätigkeit aus. Je Nebenjob wurden durchschnittlich rund 287 Stunden geleistet – im Vergleich zum Vorjahr sind das 1,5 Stunden mehr.
Die Arbeitszeit aller abhängigen Beschäftigten, einschließlich Nebenjobs, lag im Jahr 2025 bei 1.298 Stunden pro Kopf. Gegenüber dem Vorjahr haben beschäftigte Arbeitnehmende 2025 weniger Überstunden geleistet. Im Durchschnitt waren es 11,6 bezahlte und 15,6 unbezahlte Überstunden.
Die Kurzarbeit ist im Vergleich zum Vorjahr nach vorläufigen Hochrechnungen im Jahresdurchschnitt 2025 um rund 5.000 auf nun 303.000 Personen angestiegen. Hauptursache für die erhöhten Werte ist die Krise in der Industrie. So entfiel der Großteil der Kurzarbeit zuletzt auf Beschäftigte aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Der Arbeitsausfall je Beschäftigten ist im Jahr 2025 mit 3,1 Stunden im Vergleich zum Vorjahr mit 2,9 Stunden ebenso leicht gestiegen.
Datengrundlage
Die IAB-Arbeitszeitrechnung ist das Schlüsselprodukt zu den geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland und liegt den Statistiken zum Arbeitseinsatz in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zugrunde. Im August 2024 gab es eine Generalrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes. In diesem Zusammenhang hat das IAB seine Arbeitszeitrechnung weiterentwickelt. Dabei wurden neue Daten und Methoden berücksichtigt und die Berechnungen für den Zeitraum ab 1991 entsprechend neu vorgenommen. Die auf diese Weise ermittelten Zeitreihen erlauben somit weiterhin den langfristigen Vergleich der Arbeitszeitentwicklung ohne statistische Brüche. Eine detaillierte Darstellung der Revisionspunkte der IAB-Arbeitszeitrechnung wurde am 24.09.2024 im IAB-Forschungsbericht 20/2024 veröffentlicht.
Eine Tabelle zur Entwicklung der Arbeitszeit steht im Internet unter https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/tab_az2025.xlsx zur Verfügung. Eine lange Zeitreihe mit den Quartals- und Jahreszahlen ab 1991 ist unter https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/AZ_Komponenten.xlsx abrufbar.
Weitere Informationen zur Verbreitung von bezahlten und unbezahlten Überstunden sind unter https://doku.iab.de/aktuell/2014/aktueller_bericht_1407.pdf zu finden.
Weiterhin wird ein FAQ auf der Seite der Arbeitszeitrechnung bereitgestellt: https://iab.de/grafiken-und-daten/faq-fragen-und-antworten-zur-iab-arbeitszeitrechnung/.
