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Ausbildungsabbrüche haben im Schnitt erhebliche Einkommensverluste zur Folge. Jugendliche, die ihre Ausbildung aufgrund einer anderen attraktiven Ausbildung oder Beschäftigung abbrechen, erzielen in den zehn Jahren nach Abbruch im Durchschnitt etwa die Hälfte des Einkommens vergleichbarer Absolventinnen und Absolventen. Diese Einkommensverluste sind sozial stark ungleich verteilt. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung von Forschenden des Instituts für Arbeitsmarkt – und Berufsforschung (IAB), der Universitäten Bamberg und Bielefeld und des Schwedischen Instituts für Sozialforschung.

Der negative Effekt eines Ausbildungsabbruchs konzentriert sich stark auf Jugendliche aus eher benachteiligten Familien. Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, konnten im zehnjährigen Untersuchungszeitraum im Schnitt ein Einkommen von 153.000 Euro erzielen. Bei denjenigen, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, beläuft sich dieses auf lediglich 82.000 Euro. Für Jugendliche aus sozial besser gestellten Familien zeigen sich hingegen keine Einkommensnachteile. Trotz des Abbruchs erreichen sie langfristig im Durchschnitt vergleichbare Einkommensniveaus wie Absolvent*innen aus derselben Herkunftsgruppe.

„Die Folgen eines Ausbildungsabbruchs hängen auch mit den verfügbaren sozialen Ressourcen zusammen“, so IAB-Forscherin Kerstin Ostermann. Jugendliche aus nicht benachteiligten Haushalten nehmen nach einem Abbruch häufiger erneut eine Ausbildung auf, sogenannte Zweite-Chance-Wege. Außerdem unterscheiden sich die Arbeitsmarktzugänge derjenigen, die keinen weiteren Abschluss erwerben. Abbrecher*innen aus nicht benachteiligten Familien arbeiten deutlich häufiger in Tätigkeiten, die formal eigentlich einen Berufsabschluss erfordern. Sie sind also häufiger „unterqualifiziert“ für ihren Job, haben aber dennoch vergleichsweise gute Einkommens- und Aufstiegschancen.

„Bessere Möglichkeiten des Wiedereinstiegs in die berufliche Bildung, eine engere Begleitung beim Übergang in Beschäftigung sowie der Abbau von Zugangsbarrieren zu qualifizierten Tätigkeiten könnten dazu beitragen, die langfristigen Folgen eines Ausbildungsabbruchs zu begrenzen“, folgert IAB-Forscher Alexander Patzina.

Die Studie ist abrufbar im IAB-Forum unter https://iab-forum.de/wann-der-ausbildungsabbruch-zur-einkommensfalle-wird-und-wann-nicht/. Die Analyse basiert auf einer Stichprobe von rund 650.000 Jugendlichen in der dualen Berufsausbildung, die zwischen 2000 und 2007 ihre Erstausbildung nach der Haupt- oder Realschule begonnen haben. Dabei wird soziale Herkunft über die Bildungsabschlüsse der Personen aus dem unmittelbaren Wohnumfeld der Jugendlichen hergeleitet.

Zur Pressemitteilung der Universität Bielefeld gelangen Sie hier: https://aktuell.uni-bielefeld.de/sozial-benachteiligte-erholen-sich-seltener-von-ausbildungsabbruch/.

Das IAB erwartet 2026 in zehn der 16 Bundesländer und mehr als der Hälfte der Agenturbezirke einen Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich in 13 der 16 Bundesländer und rund drei Viertel der Agenturbezirke weiter steigen. In Ostdeutschland wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 8,0 Prozent prognostiziert, für Westdeutschland eine Stagnation bei 6,0 Prozent. Das geht aus der am Freitag veröffentlichten Regionalprognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Für 2026 rechnet das IAB erstmals seit 2009 mit einem Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Anstiege werden demnach nur noch in Hamburg mit 0,5 Prozent, Niedersachsen mit 0,3 Prozent sowie Nordrhein-Westfalen und Brandenburg mit jeweils 0,1 Prozent erwartet. Die stärksten Rückgänge werden für das Saarland mit 1,2 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 1,0 Prozent prognostiziert. Die Beschäftigung stagniert 2026 voraussichtlich in kreisfreien Großstädten. In städtischen Kreisen und dünn besiedelten ländlichen Kreisen geht der Beschäftigungsrückgang weiter. 

Die größten relativen Anstiege bei den Arbeitslosenzahlen gibt es der Prognose zufolge in Berlin mit 3,3 Prozent und Sachsen mit 3,0 Prozent. Rückgänge werden in Schleswig-Holstein mit 0,5 Prozent, in Niedersachsen mit 0,4 Prozent und im Saarland mit 0,3 Prozent prognostiziert. Während in Bayern weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote mit 4,1 Prozent vorliegt, weisen die Stadtstaaten Bremen mit 11,6 Prozent, Berlin mit 10,6 Prozent und Hamburg mit 8,4 Prozent die höchsten Quoten auf. Einen Rückgang der Arbeitslosenquote wird es voraussichtlich in keinem Bundesland geben. „Das bekannte regionale Gefälle bleibt erhalten. Die Arbeitslosenquoten der süddeutschen Bundesländer sind weiter niedriger als im Rest Deutschlands“, so IAB-Forscherin Sarah Kuhn.

Einzig Niedersachsen weist 2026 eine steigende Beschäftigung bei sinkender Arbeitslosigkeit auf. Auf Ebene der Agenturen gilt dies lediglich für 23 von 144 Bezirken. „Auch wenn sich in einzelnen Regionen steigende Beschäftigung bei sinkender Arbeitslosigkeit zeigt, ist insgesamt keine deutliche Erholung der regionalen Arbeitsmärkte zu erwarten“, so IAB-Forscherin Anja Rossen.

Die IAB-Regionalprognose ist abrufbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-06.pdf.

Eine Übersicht zur Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, der Arbeitslosen differenziert nach Rechtskreisen und der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sowie der Arbeitslosenquote für Bundesländer und Arbeitsagenturbezirke finden Sie hier: https://iab.de/daten/regionale-arbeitsmarktprognosen/.

Ein begleitendes Interview mit Anja Rossen zur Regionalprognose lesen Sie hier: https://iab-forum.de/regionalprognose-2026-flaechendeckender-beschaeftigungsaufbau-nicht-in-sicht.

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verzeichnet im März den vierten Rückgang in Folge. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sinkt im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf nun 99,4 Punkte. Das European Labour Market Barometer legt im März 0,2 Punkte zu, bleibt aber mit 99,8 Punkten weiterhin knapp unter der neutralen Marke von 100 Punkten.

„Angesichts von Irankrieg und Ölpreisschock gibt es weiterhin keine Erholungssignale vom deutschen Arbeitsmarkt“, berichtet Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB. Allerdings verzeichnen beide Komponenten des Barometers nur kleine Rückgänge: Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt um 0,1 Punkte auf 98,5 Punkte, die Komponente zur Vorhersage der Beschäftigung um 0,2 Punkte auf 100,2 Punkte. Dies signalisiert, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten weiter steigen wird und die Beschäftigung stagniert. „Sowohl die Konjunkturrisiken als auch die demografische Schrumpfung setzen die Beschäftigung unter Druck“, so Weber.

Das European Labour Market Barometer festigt sich trotz Irankrieg. Es steigt im März um 0,2 Punkte, bleibt mit 99,8 Punkten aber unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Beide Komponenten des Frühindikators des Europäischen Netzwerks der öffentlichen Arbeitsverwaltungen und des IAB legen leicht zu. Die Beschäftigung bleibt insgesamt stabil, aber die Arbeitslosigkeit könnte noch etwas steigen. „Die europäischen Arbeitsmarktaussichten stagnieren. Angesichts der Weltlage kann man das schon als gute Nachricht sehen“, erklärt Weber.

Datengrundlage

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Die Antworten erfolgten im Wesentlichen in den drei Tagen ab dem 11. März 2026. Der Irankrieg und der Ölpreisschock waren zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt; das höhere Ölpreisniveau war im Wesentlichen bis zum 9. März erreicht.

Das European Labour Market Barometer ist ein monatlicher Frühindikator, der auf einer seit Juni 2018 gemeinsam von den 18 Arbeitsverwaltungen und dem IAB durchgeführten Befragung unter den lokalen oder regionalen Arbeitsagenturen der teilnehmenden Länder basiert. Dazu zählen: Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft, Wallonien), Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien und Zypern.

Während Komponente A des IAB-Arbeitsmarktbarometers und des European Labour Market Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus diesen beiden Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert der beiden Barometer. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala der Barometer reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

Zum Download stehen bereit:

- eine Zeitreihe des IAB-Arbeitsmarktbarometers einschließlich seiner Einzelkomponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ unter www.iab.de/presse/abzeitreihe (xlsx).  

- eine Grafik mit den aktuellen Werten des IAB-Arbeitsmarktbarometers und seiner Komponenten sowie eine Zeitreihengrafik unter https://iab.de/daten/iab-arbeitsmarktbarometer/.   

Eine Zeitreihe des European Labour Market Barometer einschließlich seiner Einzelkomponenten für alle beteiligten Arbeitsverwaltungen ist unter www.iab.de/Presse/elmb-components (xlsx) abrufbar. 

Mehr zum Europäischen Arbeitsmarktbarometer findet sich unter https://iab.de/en/daten/european-labour-market-barometer/.

Weitere Information zum Arbeitskräfteknappheits-Index des IAB finden Sie unter https://iab.de/daten/arbeitskraefteknappheits-index/

Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt entwickeln sich seit vier Jahren schwach. Die Fiskalpakte werden die Konjunktur beleben, der Irankrieg sorgt aber für neue geopolitische Risiken. Das Erwerbspersonenpotenzial wird 2026 erstmalig sinken – um 40.000 auf 48,62 Millionen Personen. Hierdurch wird auch die Beschäftigungsentwicklung begrenzt. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Für 2026 wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent prognostiziert. Aufgrund höherer Energiepreise und einer schwächeren Dynamik bei den Exporten wird erwartet, dass das BIP um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte weniger wächst als ohne Irankrieg.

Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahr 2026 um 90.000 auf 45,89 Millionen Personen sinken. Die Zahl der Arbeitslosen wird um 40.000 Personen steigen. In der zweiten Jahreshälfte 2026 rechnet das IAB hier erstmals wieder mit einem leichten Rückgang. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewegt sich zwar immer noch auf Rekordniveau, dürfte 2026 jedoch leicht schrumpfen – um 30.000 auf 34,93 Millionen Personen. Das wäre das erste Jahr seit der Finanzkrise 2009, in dem kein Wachstum mehr verzeichnet wird. Neben der demografischen Schrumpfung wirke sich hier die wirtschaftliche Transformationskrise aus, so Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB:„Transformation erfordert neue Jobs, Weiterentwicklung und Wechsel. Am Arbeitsmarkt gibt es jedoch kaum Bewegung.“.

Die Beschäftigungsentwicklung zeigt sich zweigeteilt: Nahezu alle zusätzlichen Stellen wird es im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit geben. Dort wird eine Zunahme um 180.000 Beschäftigte prognostiziert. Das liegt hauptsächlich an der Alterung der Gesellschaft und am Ausbau der Kindertagesbetreuung, sowie der inneren und äußeren Sicherheit. In der Industrie schrumpft die Beschäftigung dagegen weiter. „Der Irankrieg und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen und Handelsstörungen belasten die Beschäftigungsentwicklung in der Industrie zusätzlich“, so Weber.  Auch wenn Industrieindikatoren mitunter eine Stabilisierung zeigen, wird für 2026 mit einem Beschäftigungsrückgang um 140.000 Personen gerechnet.

Die IAB-Prognose ist abrufbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-05.pdf.

Ein begleitendes Interview zur Prognose lesen Sie hier: https://iab-forum.de/iab-prognose-2026-konjunktur-profitiert-von-fiskalischen-impulsen/.

After a decade of strong export-led growth COVID-19, war in Ukraine and rising trade tensions have hit the German economy and emphasised the need to accelerate structural reforms.