Einkommensverteilung in Deutschland
Laut einer OECD-Studie ist die Einkommensungleichheit in Deutschland seit 1990 erheblich stärker gewachsen als in den meisten anderen OECD-Ländern. Die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich geht vor allem auf die Entwicklung der Löhne und Gehälter zurück. Die OECD empfiehlt, dem steuer- und sozialpolitisch entgegenzuwirken, mehr Menschen in existenzsichernde Beschäftigung zu bringen sowie mehr in die Bildung Niedrigqualifizierter zu investieren.
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Literaturhinweis
DIW Berlin: Höheres Haushaltseinkommen geht bei Frauen und Männern mit höherer Lebenserwartung einher (2024)
Zitatform
Geyer, Johannes, Peter Haan & Julie Tréguier (2024): DIW Berlin: Höheres Haushaltseinkommen geht bei Frauen und Männern mit höherer Lebenserwartung einher. In: DIW-Wochenbericht, Jg. 91, H. 25, S. 396-400. DOI:10.18723/diw_wb:2024-25-1
Abstract
"Besser gebildete Menschen oder Menschen mit höherem Einkommen haben eine bessere Gesundheit und eine höhere Lebenserwartung. In diesem Wochenbericht werden anhand aktueller Daten frühere Studien zu diesem Thema aktualisiert und gezeigt, dass dieser Zusammenhang unter Männern besonders stark ausgeprägt ist. Da Frauen aufgrund von Sorgearbeit häufiger ihre Karriere unterbrechen oder in Teilzeit arbeiten, gibt es kein klares Muster zwischen ihrem individuellen Einkommen und ihrer Lebenserwartung. Dieser Wochenbericht berücksichtigt daher das Haushaltseinkommen. Er zeigt: Menschen mit höheren Haushaltseinkommen haben ein geringeres Sterberisiko im Alter von 55 und 76 Jahren. Dies gilt für Männer wie für Frauen. Auch das Risiko für eine psychische oder physische Erkrankung ist deutlich geringer, wenn das Haushaltseinkommen hoch ist. Wenn Menschen mit niedrigen Renten, diese kürzere Zeit beziehen, weil sie systematisch früher sterben, widerspricht dies dem Äquivalenzprinzip der Rentenversicherung. Es legt zudem eher mehr als weniger Umverteilung in der Rente nahe. Argumente gegen eine Aufwertung geringer Rentenansprüche gelten nur, wenn eine durchschnittliche Lebenserwartung angenommen wird, was hier empirisch widerlegt wird. Auch eine Reform bei der Kranken- und Pflegeversicherung könnte gesundheitsbezogene Einkommensungleichheit adressieren." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Sonderzahlungen im Jahr 2018: Wer bekommt sie in welcher Höhe? (2024)
Zitatform
Himmelreicher, Ralf, Katja Kraikos, Clemens Ohlert & Sascha Schneider (2024): Sonderzahlungen im Jahr 2018: Wer bekommt sie in welcher Höhe? (baua: Preprint / Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin), Dortmund, 22 S. DOI:10.21934/baua:preprint20240102
Abstract
"Abhängig Beschäftigte in Deutschland erhalten regelmäßig monatliche Arbeitsentgelte. Daneben gibt es unregelmäßige Zahlungen, die nicht in jedem Monat anfallen. Geldwerte Vorteile, wie zum Beispiel Firmenwagen oder Diensttelefone, sind darin nicht enthalten. Mit Sonderzahlungen, auch Sondervergütungen oder Sonderzuwendungen genannt, kann das Arbeitsentgelt (Grundentlohnung) der Beschäftigten aufgestockt werden. Anspruchsgrundlagen können gesetzliche oder tarifvertragliche Bestimmungen, eine Betriebsvereinbarung, arbeitsvertragliche oder individuelle Vereinbarungen sein. In diesem baua: Preprint werden anhand von repräsentativen Daten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2018 (Verdienststrukturerhebung 2018) die Verbreitung und die Höhe von Sonderzahlungen nach verschiedenen individuellen und betrieblichen Merkmalen untersucht. Die Auswertungen und Analysen weisen sowohl auf einen selektiven Bezug von Sonderzahlungen als auch auf mit steigendem Stundenlohn zunehmende Sonderzahlungen hin. Große Unterschiede bestehen zwischen Frauen und Männern, zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen verschiedenen Branchen. Im Niedriglohnbereich sind Sonderzahlungen wenig verbreitet. Umgekehrt ist der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Sonderzahlungen am oberen Ende der Einkommensverteilung besonders hoch; zudem steigen die Sonderzahlung mit steigendem Einkommen exponentiell. Insgesamt erhöhen Sonderzahlungen die Spreizung der Lohnverteilung." (Textauszug, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
The Contribution of Employer Changes to Aggregate Wage Mobility (2024)
Zitatform
Hollandt, Nils Torben & Steffen Müller (2024): The Contribution of Employer Changes to Aggregate Wage Mobility. (IZA discussion paper / Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 17259), 61 S.
Abstract
"Wage mobility reduces the persistence of wage inequality. We develop a framework to quantify the contribution of employer-to-employer movers to aggregate wage mobility. Using three decades of German social security data, we find that inequality increased while aggregate wage mobility decreased. Employer-to-employer movers exhibit higher wage mobility, mainly due to changes in employer wage premia at job change. The massive structural changes following German unification temporarily led to a high number of movers, which in turn boosted aggregate wage mobility. Wage mobility is much lower at the bottom of the wage distribution, and the decline in aggregate wage mobility since the 1980s is concentrated there. The overall decline can be mostly attributed to a reduction in wage mobility per mover, which is due to a compositional shift toward lower-wage movers." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
Weiterführende Informationen
Data product DOI: 10.5164/IAB.SIAB7517.de.en.v1 -
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Moderation in Higher-Order Earnings Risk? Evidence from German Cohorts (2024)
Zitatform
Isaak, Niklas & Robin Jessen (2024): Moderation in Higher-Order Earnings Risk? Evidence from German Cohorts. (IZA discussion paper / Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 17568), Bonn, 43 S.
Abstract
"Women born later experience greater earnings growth volatility at given ages than older cohorts. This implies a welfare loss due to increased earnings risk. However, German registry data for the years 2001-2016 reveal a moderation in higher-order earnings risk: Men and women born later face higher skewness in earnings changes, indicating fewer large decreases than increases, and lower kurtosis at younger ages, implying fewer large earnings changes. These trends point at a welfare increase and persist for 5-year earnings changes, which are more reflective of persistent changes. During the Great Recession, males' skewness dropped sharply; younger women were unaffected." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Europäischer Tarifbericht Des WSI – 2023/2024: Reallöhne haben nach Krisenverlusten weiterhin Aufholbedarf (2024)
Janssen, Thilo; Lübker, Malte;Zitatform
Janssen, Thilo & Malte Lübker (2024): Europäischer Tarifbericht Des WSI – 2023/2024. Reallöhne haben nach Krisenverlusten weiterhin Aufholbedarf. (WSI-Report 97), Düsseldorf, 21 S.
Abstract
"Nach dem Inflationsschock des Jahres 2022 deutet sich für die Europäische Tarifpolitik vordergründig eine Normalisierung an: Die Inflation geht langsam zurück und dank anziehender Nominallöhne stabilisiert sich die Kaufkraft der Beschäftigten. Doch damit ist der Einbruch der Reallöhne seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine noch nicht ausgeglichen (vgl. Janssen/Lübker 2023). Der diesjährige Europäische Tarifbericht des WSI dokumentiert, wie tief der Einschnitt für die Beschäftigten war und welche weitreichenden Folgen er für die funktionale Einkommensverteilung zwischen Arbeit und Kapital hatte. Damit steht die Lohnpolitik weiterhin vor der Aufgabe, die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu korrigieren und so zu einer gerechteren Lastenverteilung beizutragen." (Textauszug, IAB-Doku)
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Investigating the effects of education and labour market challenges on income inequality (2024)
Jianu, Ionut; Nicolescu, Andreea Florentina; Tudorache, Maria-Daniela;Zitatform
Jianu, Ionut, Maria-Daniela Tudorache & Andreea Florentina Nicolescu (2024): Investigating the effects of education and labour market challenges on income inequality. In: Proceedings of the International Conference on Business Excellence, Jg. Accepted Manuscript (Postprint), S. 1-9.
Abstract
"This paper examines the impact of education and labour market challenges on the income inequality in European Union (27 Member States) within the period 2012-2022, this being calculated using the Panel EGLS method. Even if the effects are clearly visible from a theoretical point of view, in the latest years there were not many authors focusing their studies on the effects of the unemployment and early dropout from school and training on income inequality. In this regard, updating the figures, the impact coefficients and the theoretical background increase the understanding of the statistical processes and their results in the new economic context. Our results confirmed a positive relationship between unemployment rate and income inequality (measured by Gini coefficient), this being also the highest impact found, but also a positive link between the early leavers from education and training rate and income inequality. In addition, we used additional variables to catch the current economic challenges that are related to demographic changes and high energy prices. In this context, we found positive effects exerted by housing cost overburden rate and old-age dependency ratio on income inequality. Even if the model is limited to four income inequality drivers, we have demonstrated that the calculated coefficients are the best linear unbiased estimators." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
The Gini and Mean Log Deviation Indices of Multivariate Inequality of Opportunity (2024)
Zitatform
Kapera, Marek & Martyna Kobus (2024): The Gini and Mean Log Deviation Indices of Multivariate Inequality of Opportunity. In: Econometrics, Jg. 12, H. 2. DOI:10.3390/econometrics12020010
Abstract
"The most common approach to measuring inequality of opportunity in income is to apply the Gini inequality index or the Mean Log Deviation (MLD) index to a smoothed distribution (i.e., a distribution of type mean incomes). We show how this approach can be naturally extended to include life outcomes other than income (e.g., health, education). We propose two measures: the Gini and MLD indices of multivariate inequality of opportunity. We show that they can be decomposed into the contribution of each outcome and the dependence of the outcomes. Using these measures, we calculate inequality of opportunity in health and income across European countries." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Gender differences in wage expectations and negotiation (2024)
Zitatform
Kiessling, Lukas, Pia Pinger, Philipp Seegers & Jan Bergerhoff (2024): Gender differences in wage expectations and negotiation. In: Labour Economics, Jg. 87. DOI:10.1016/j.labeco.2024.102505
Abstract
"This paper presents evidence from a large-scale study on gender differences in expected wages before labor market entry. Based on data for over 15,000 students, we document a significant and large gender gap in wage expectations that resembles actual wage differences, prevails across subgroups, and along the entire distribution. Over the life-cycle this gap amounts to roughly half a million Euros. Our findings further suggest that expected wages relate to expected asking and reservation wages and that a difference in plans about ‘‘boldness’’ during prospective wage negotiations pertains to gender difference in expected and actual wages. Given the importance of wage expectations for labor market decisions, household bargaining, and wage setting, our results provide an explanation for persistent gender inequalities." (Author's abstract, IAB-Doku, © 2024 Elsevier) ((en))
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The effects of minimum wages on employment and Prices - Evidence from the hairdressing sector (2024)
Kunaschk, Max;Zitatform
Kunaschk, Max (2024): The effects of minimum wages on employment and Prices - Evidence from the hairdressing sector. In: Labour Economics, Jg. 88, 2024-04-04. DOI:10.1016/j.labeco.2024.102540
Abstract
"This paper provides comprehensive evidence on the labor and product market effects of a high-impact minimum wage introduction in the highly competitive hairdressing sector. Using detailed administrative data, I find negligible overall employment effects, even though the minimum wage substantially increased hourly wages. However, sub-group analyses reveal considerable heterogeneity in the estimated employment effects and suggest shifts away from marginal towards regular employment. Analyses of the price effects suggest that the reform increased output prices considerably, implying that consumers largely paid for the minimum wage." (Author's abstract, IAB-Doku, © Elsevier) ((en))
Beteiligte aus dem IAB
Kunaschk, Max; -
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Gini who? The relationship between inequality perceptions and life satisfaction (2024)
Zitatform
Marchesi, Daniele, Milena Nikolova & Viola Angelini (2024): Gini who? The relationship between inequality perceptions and life satisfaction. (GLO discussion paper / Global Labor Organization 1416), Essen, 60 S.
Abstract
"Research on the consequences of income inequality on subjective well-being has yielded mixed results, including a lack of a statistically significant correlation. We propose that this inconsistency may arise from the failure to differentiate between perceived and actual income inequality. Perceptions of inequality matter because individuals often do not know the actual level of inequality in their country. Leveraging data from the 2016 Life in Transition Survey, which includes unique information on individuals' inequality perceptions, we find a positive association between these perceptions and life satisfaction across 33 countries. Individuals who believe that inequality has increased in the previous 4 years are on average 8% less satisfied with their life (on a 1-5 scale) compared to respondents who perceive no increase in inequality. The magnitude of the estimate is sizeable, being twice as large as the influence of unemployment. Taking actual inequality levels and changes into account does not alter the conclusions, suggesting that inequality perception matters for life satisfaction above and beyond actual inequality. Our findings survive a battery of robustness checks, including an instrumental variables approach and addressing common method variance bias. We also find that mobility expectations and fairness perceptions cushion but do not fully offset the negative association between perceived inequality increases and life satisfaction. Our findings imply that understanding the role of inequality perceptions can be key to improving social cohesion and individual and societal well-being." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
Ähnliche Treffer
auch erschienen als: IZA Discussion Papers, 16905 -
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Is Poverty Reduction in Europe Doomed? Conjectures, Facts and a Cautiously Optimistic Conclusion (2024)
Zitatform
Marx, Ive, Henri Haapanala & Sarah Marchal (2024): Is Poverty Reduction in Europe Doomed? Conjectures, Facts and a Cautiously Optimistic Conclusion. (IZA discussion paper / Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 16967), Bonn, 41 S.
Abstract
"There has not been much progress on the poverty front in Europe over recent decades, at least if we take it as a relative phenomenon in affluent societies. There is a lot of pessimism about the possibility of making any real progress at all. Some argue that adequate poverty relief is simply too expensive or that it would put too much of a redistributive burden on the electorally powerful, making it politically difficult, if not infeasible. Another prominent argument is that wage floors and thus out-of-work benefit levels are inexorably under pressure, making poverty relief both harder to achieve and more expensive in budgetary terms. This paper sets out these accounts and focuses on what has been happening to statutory, absolute and effective wage floors in Europe over the past decades. We ask whether progress on the poverty front through pushing up wage floors and subsequently out-of-work benefits is a realistic prospect. We see reasons for optimism." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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What Drives Wage Sorting? Evidence From West Germany (2024)
Mouton, Andre;Zitatform
Mouton, Andre (2024): What Drives Wage Sorting? Evidence From West Germany. (Working Papers / Wake Forest University, Economics Department 112), 47 S.
Abstract
"An important source of income inequality is wage sorting: high-earning individuals tend to work for employers that pay higher wages, conditional on worker characteristics. This paper combines German survey and administrative data to explore the causal mechanisms behind this poorly-understood phenomenon. I show three main results. First, wage sorting is entirely across industries and occupations, with evidence rejecting an assortative matching mechanism. Second, wage sorting has strengthened over 1993-2017 due to rising skill premia in high-paying sectors, and rising employment in low-skill, low-paying industries - outcomes consistent with demand-side shifts. Third, wage sorting reflects a positive association between human capital and firm investment, which I rationalize through a simple rent-sharing model. Hypothesis tests support a technological mechanism, in which knowledge-intensive production processes engender higher upfront costs - and therefore rents - on either side of the labor market." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Data product DOI: 10.5164/IAB.LIABQM29317.de.en.v1 -
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Aktuelle Trends und Herausforderungen für die Verteilungspolitik: IW-Verteilungsreport 2024 (2024)
Zitatform
Niehues, Judith & Maximilian Stockhausen (2024): Aktuelle Trends und Herausforderungen für die Verteilungspolitik. IW-Verteilungsreport 2024. (IW-Report / Institut der Deutschen Wirtschaft Köln 2024,49), Köln, 49 S.
Abstract
"Die Coronapandemie, die Energiepreisekrise und die damit einhergehenden hohen Inflationsraten haben ihre Spuren hinterlassen. Die bis zu Beginn des Jahres 2023 sinkenden Reallöhne haben einen Teil der Reallohnzuwächse der Vorjahre aufgezehrt: Im Jahresdurchschnitt 2023 lag der Reallohnindex auf dem Niveau von 2015. Einkommensbetrachtungen auf Basis von Haushaltsbefragungsdaten deuten darauf hin, dass auch bei einem Blick auf die verfügbaren Einkommen die Auswirkungen der hohen Inflationsraten nicht gänzlich ausgeglichen wurden. Während sich in den 2010er Jahren vor der Coronapandemie merkliche Steigerungen bei den realen Nettoäquivalenzeinkommen gezeigt haben, sind sie in den letzten Jahren leicht rückläufig. Nach Maßgabe der Befragung „Leben in Europa“ (EU-SILC) sank das reale Medianeinkommen zwischen 2020 und 2022 um 4,4, Prozent, im Mikrozensus reduzierte es sich zwischen 2021 und 2023 um 3,6 Prozent. Wenngleich der Staat durch erhöhte Transferleistungen und umfangreiche Entlastungspakte die finanziellen Belastungen der Haushalte merklich abgefedert hat, zeigen sich die Krisenauswirkungen auch in der Wahrnehmung der Haushalte. Während in einer Befragung im Sommer 2020 noch über die Hälfte der Befragten angaben, dass sie sehr gut oder gut mit ihrem Haushaltseinkommen zurechtkommen, gaben dies in vergleichbaren Befragungen in den Jahren 2023 sowie 2024 nur noch knapp 38 Prozent der Befragten an. Rund ein Viertel äußerte, dass sie relativ schlecht, schlecht oder sehr schlecht mit ihrem Einkommen zurechtkommen. Während die Niedrigeinkommensquote im Zeitraum vor der Coronapandemie einen leicht ansteigenden Trend markiert, zeigt sich nach den Erhebungsumstellungen rund um das Jahr 2020 eher eine stabile bis leicht rückläufige Entwicklung des relativen Einkommensarmutsrisikos. Umgekehrt verhielt es sich mit Kennziffern zur materiellen Deprivation: Während materielle Entbehrungen und Teilhabeeinschränkungen in den 2010er Jahren merklich zurückgingen, zeigt sich nach der Coronapandemie ein erkennbarer Anstieg, aber immer noch auf einem geringen Niveau. Eine weitere Aufschlüsselung der Entwicklung der Niedrigeinkommensquote deutet darauf hin, dass der Anstieg des Armutsrisikos in den 2010er Jahren wesentlich mit der in den vergangenen Jahren gestiegenen (Flucht-)Migration zusammenhängt, da Geflüchtete – insbesondere in den ersten Jahren im Zielland – ein erhöhtes Armutsrisiko aufweisen. Weiterhin haben Erwerbslose, Alleinerziehende und Familien mit drei oder mehr Kindern ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko. In geringerem Ausmaß weisen auch Alleinstehende und Kinder insgesamt ein überdurchschnittliches Armutsrisiko auf. Während empirisch das gemessene Armutsrisiko von Kindern höher ausfällt als in der Gruppe Älterer, gilt mit Blick auf subjektive Einschätzungen in der IW-Personenbefragung 2024, dass das Ausmaß von Armut unter Rentnerinnen und Rentnern deutlich höher eingeschätzt wird. Diejenigen, die in der Sonntagsfrage eine Präferenz für das BSW und die AfD äußern, nehmen darüber hinaus Armutsrisiken deutlich stärker wahr als die Anhänger der übrigen Parteien. Besonders deutlich tritt die Wahrnehmung von Altersarmutsrisiken hervor: Während über 60 Prozent der Anhänger der AfD und des BSW vermuten, dass mindestens jeder dritte Rentner in Deutschland von Armut bedroht sei, liegt dieser Anteil bei den übrigen Parteianhängern bei unter 46 Prozent. Am geringsten liegt dieser Anteil bei Anhängern der FDP mit knapp 37 Prozent. Ein Blick auf die Umverteilungswünsche der Befragten offenbart, dass die Wahrnehmung von hohen Armutsrisiken nicht zwangsläufig mit einem stärkeren Wunsch nach sozialem Ausgleich verbunden ist. So zeigen sich deutliche Unterschiede in den Anhängerschaften des BSW und der AfD: Während sich die Mehrheit der BSW-Anhänger eine Ausweitung der Umverteilungspolitik wünscht, paart sich unter Anhängern der AfD IW-Verteilungsreport 2024 5 ein sehr pessimistischer Blick auf das Ausmaß von Armut mit einer mehrheitlichen Ablehnung bezüglich der Ausweitung von (pauschaler) staatlicher Umverteilungspolitik. Die umfassenden Erhebungsumstellungen im Zeitraum der Coronapandemie erschweren auch die Interpretation der Entwicklung der Einkommensverteilung. Während sich zwischen 2005 und 2019 eine weitestgehende Seitwärtsbewegung bei der relativen Einkommensungleichheit zeigt, stellt sich die Datenlage ab 2020 aufgrund der methodischen Einschränkungen unklarer dar. Ergebnisse auf Basis des EU-SILC und des Mikrozensus deuten jedoch darauf hin, dass sich das Gefüge der nominalen Einkommensverteilung auch im Zuge der Corona- und Energiepreiskrise nicht substanziell verschoben hat. Zwar ist die Erfassung von Vermögen typischerweise von größeren Unsicherheiten begleitet als die Abfrage von Einkommen. Durch den jeweils mehrjährigen Erhebungsmodus waren die verfügbaren Vermögensbefragungen jedoch weniger von Zeitreihenbrüchen betroffen. So zeigt sich auf Basis der verfügbaren Datensätze mit Informationen zu den Vermögen der privaten Haushalte, dass sich die Vermögensungleichheit in den vergangenen Jahren nicht erhöht hat, sondern die entsprechenden Kennziffern nach der Finanz- und Wirtschaftskrise eher eine leicht rückläufige Entwicklung nachzeichnen. Deutschland kennzeichnet sich durch ein hohes Ausmaß an sozialstaatlicher Absicherung, einer im europäischen Vergleich (etwas) unterdurchschnittlichen Einkommensungleichheit sowie gleichzeitig einer überdurchschnittlichen Vermögensungleichheit – mit diesem Muster ähnelt es vor allem der Gruppe der skandinavischen Staaten" (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Einkommensverteilung in Europa: Wo stehen wir? (2024)
Zitatform
Niehues, Judith & Maximilian Stockhausen (2024): Einkommensverteilung in Europa. Wo stehen wir? (IW-Kurzberichte / Institut der Deutschen Wirtschaft Köln 2024,32), Köln, 3 S.
Abstract
"Werden Armutsgefährdungsquoten auf Basis nationaler Schwellenwerte herangezogen, stechen insbesondere einige osteuropäische Länder mit sehr niedrigen Quoten hervor." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Implications of Technology on Wages, Factor Shares and Inequalities across Demographic Groups in the European Labor Market (2024)
Zitatform
Oleš, Tomáš (2024): Implications of Technology on Wages, Factor Shares and Inequalities across Demographic Groups in the European Labor Market. Bratislava, 134 S.
Abstract
"Acemoglu and Restrepo (2022) document that between 50% and 70% of changes in the U.S. wage structure over the last four decades are accounted for by relative wage declines of worker groups specialized in routine tasks in industries experiencing rapid automation. First, we draw major inspiration from this fact and provide new empirical evidence from France and Germany. Based on the evolution of real wages across the last four decades, especially in Germany, we observe strong support for the idea that high-skill biased technological change is displacing some of the least-educated workers. We utilize the conceptual framework by Acemoglu and Restrepo (2022), which links demographic group task displacement, productivity gains, and changes in wage and employment structures over the last three decades. We document that workers in groups more exposed to task displacement, particularly those with lower educational attainment, experienced larger declines in wages and employment (France being the exception), while those in less exposed groups enjoyed increases in wages and employment. We hypothesize that real wages do not reflect the task displacement experienced by workers in a similar way as documented in the U.S. because in France, and to a lesser extent in Germany, wages are downwardly rigid due to institutional factors and a different pace of adoption of automation technologies compared to the US. Second, we contribute to the scarce empirical literature by simultaneously examining the labor-complementing and labor-substituting effects of technology on employment changes, drawing inspiration from Autor et al. (2022). Using text analysis techniques, we create an objective measure of exposure to automation and augmentation for ISCO-08 occupations to robots, software and AI technology. We measure how semantically similar the inputs and outputs of an occupation are to the tasks embedded in the patent documents. Our findings reveal a moderate positive correlation between automation and augmentation exposure across occupations. We find that augmentation and automation move labor demand in countervailing directions. Specifically, we find that occupations with higher exposure to automation than to augmentation tend to experience, on average, declines in employment, while those with higher exposure to augmentation technologies see higher employment growth. These results are in line with the study by Autor et al. (2022). We also find that these findings are robust across different technologies (robots, software, and AI) and across manufacturing and non-manufacturing sectors. Third, we correlationally link labor productivity, wages, and the fall in aggregate labor share in France, Germany, Italy, and Spain with increasing market concentration. We find that as industry concentration increases, labor productivity and wages also increase, while labor share decreases. One of the much-discussed mechanisms behind this development is the spreading of fixed overhead labor costs over the larger value added by highly productive (superstar) firms (Autor et al., 2017), which, hand-in-hand, gain a larger market share. We follow the empirical approach of Stiel and Schiersch (2022) and test this prediction empirically using firm-level data from CompNet. Our findings show that labor share declines in a non-linear manner with increasing total factor productivity as we approach frontier (superstar) firms. Later, we link these observations with industry-level investment in digital technologies and explore the different effects on productivity, wages, and labor share across the firm size distribution. Our estimates indicate that increases in investment in digital capital or its deepening accelerate productivity and wages for firms operating in the fourth and fifth quintiles of the firm size distribution, but have zero impact on the labor share paid by firms." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Data product DOI: 10.5164/IAB.SIAB7521.de.en.v1 -
Literaturhinweis
Die Akademisierung und die Evolution der Lohnstruktur nach Bildungsabschlüssen (2024)
Zitatform
Ordemann, Jessica & Friedhelm Pfeiffer (2024): Die Akademisierung und die Evolution der Lohnstruktur nach Bildungsabschlüssen. (ZEW policy Brief / ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung 2024-04), Mannheim, 10 S.
Abstract
"Die Akademisierung nach der Jahrtausendwende hat hohe Wellen in Politik und Wirtschaft geschlagen. Schlagworte wie "Akademikerwahn" machten die Runde. Vielfach gab es die Befürchtung, dass die Hochschulen am Bedarf von Gesellschaft und Wirtschaft vorbei ausbilden mit der Folge vermehrter Arbeitslosigkeit unter Akademiker/innen. Davon kann aber bislang nicht die Rede sein. Unternehmen suchen weiter akademisch geschulte Fachkräfte und die Arbeitslosigkeit unter Akademiker/innen ist noch immer mit Abstand am niedrigsten. Jedoch scheint die Zeit der überproportional steigenden Löhne von akademisch qualifizierten Erwerbstätigen vorbei. Der durchschnittliche Lohnabstand zu Erwerbstätigen mit Lehre geht wieder zurück. Bei den erwerbstätigen Akademikerinnen scheint der Abstand bereits wieder auf den Wert Mitte der Neunziger Jahre gesunken zu sein, zu der Zeit also, in der der Lohnabstand zu steigen begann und sich die Akademisierung vor allem der Frauen beschleunigt hat. Die Akademisierung hat nach der Interpretation des Autorenteams einen Anteil an dem fallenden Lohnabstand. Es gibt jedoch auch weitere Ursachen. Während die betriebliche Nachfrage nach Erwerbstätigen mit Lehre in den letzten dreißig Jahren stetig zurückgegangen ist, könnte dieser Trend gestoppt sein. Nicht alle Arbeitsprozesse lassen sich unter ökonomischen Gesichtspunkten automatisieren. Zudem erreichen die neuesten Entwicklungen bei der künstlichen Intelligenz zunehmend auch akademisch orientierte Tätigkeiten. Der sinkende Lohnabstand zu Erwerbstätigen mit Lehre bedeutet erst einmal einen Dämpfer für eine weitergehende akademische Expansion. Nach dem Ergebnis der Studie wurde in der Summe nicht zu viel in Hochschulbildung investiert. Der mittlere Lohnabstand ist zwar gesunken, ein Studium verspricht aber weiterhin für viele junge Menschen eine ordentliche Bildungsrendite. Und die berufliche Ausbildung wird wieder attraktiver. Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist es vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse auch weiterhin, jungen Menschen durch ausreichende akademische und berufliche Bildungsinvestitionen einen nachhaltigen Einstieg in ein langes Erwerbsleben mit sich stetig ändernden Tätigkeitsprofilen und auch völlig neuartigen Herausforderungen zu ermöglichen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Earnings assimilation of post-reunification East German migrants in West Germany (2024)
Zitatform
Riphahn, Regina T. & Irakli Sauer (2024): Earnings assimilation of post-reunification East German migrants in West Germany. In: Labour, Jg. 38, H. 4, S. 475-510., 2024-05-13. DOI:10.1111/labr.12279
Abstract
"We investigate the wage assimilation of East Germans who migrated to West Germany after reunification (1990–99). We compare their wage assimilation to that of ethnic German immigrants from Eastern Bloc countries and international immigrants to West Germany who arrived at the same time. The analysis uses administrative as well as survey data. The results suggest that East Germans faced significant initial earnings disadvantages in West Germany, even conditional on age and education. However, these disadvantages were smaller than those of international immigrants, supporting the beneficial role of cultural similarity. The earnings gap relative to West German natives narrowed over time for all immigrants. These findings are robust to controlling for potentially endogenous return migration and labor force participation. Controls for fixed effects reveal that positive assimilation for East German and international immigrants was concentrated among highly educated immigrants." (Author's abstract, IAB-Doku, Published by arrangement with John Wiley & Sons) ((en))
Beteiligte aus dem IAB
Sauer, Irakli;Ähnliche Treffer
frühere (möglicherweise abweichende) Version erschienen als: IZA discussion paper / Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, 17148Weiterführende Informationen
Data product DOI: 10.5164/IAB.SIAB7517.de.en.v1 -
Literaturhinweis
Ungleiche Teilhabe: Marginalisierte Arme – verunsicherte Mitte: WSI-Verteilungsbericht 2024 (2024)
Zitatform
Spannagel, Dorothee & Jan Brülle (2024): Ungleiche Teilhabe: Marginalisierte Arme – verunsicherte Mitte. WSI-Verteilungsbericht 2024. In: WSI-Mitteilungen, Jg. 77, H. 6, S. 450-457. DOI:10.5771/0342-300x-2024-6-450
Abstract
"De jure wird in Deutschland jedem Menschen ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe garantiert. De facto sind die Teilhabemöglichkeiten der Menschen ungleich verteilt. Ziel des diesjährigen Verteilungsberichts ist es aufzuzeigen, an welchen Stellen in der unteren Einkommenshälfte materielle und politische Teilhabe gefährdet sind. Dabei wird deutlich: Während materielle Teilhabe vor allem für Arme deutlich eingeschränkt ist, reicht eine brüchige politische Teilhabe bis in die untere Mitte der Gesellschaft hinein. Einige Menschen in der unteren Einkommenshälfte fühlen eine Entfremdung vom politischen System und wenden sich tendenziell von der Demokratie ab. Gleichzeitig sind Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft in der gesamten unteren Einkommenshälfte verbreitet. Wenn aber gesellschaftliche Teilhabe für eine Hälfte der Bevölkerung ins Wanken gerät, hat das Folgen für die Gesellschaft als Ganze, nicht zuletzt auch für die stabile Verankerung unseres politischen Systems. Hier gegenzusteuern und eine solide gesellschaftliche Teilhabe gerade auch für Menschen in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung zu stärken, ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Intersections and Commonalities: Using Matching to Decompose Wage Gaps by Gender and Nativity in Germany (2024)
Zitatform
Sprengholz, Maximilian & Maik Hamjediers (2024): Intersections and Commonalities: Using Matching to Decompose Wage Gaps by Gender and Nativity in Germany. In: Work and occupations, Jg. 51, H. 2, S. 249-286. DOI:10.1177/07308884221141100
Abstract
"We investigate intersecting wage gaps by gender and nativity by comparing the wages between immigrant women, immigrant men, native women, and native men based on Western German survey data. Adding to the analytical diversity of the field, we do a full comparison of group wages to emphasize the relationality of privilege and disadvantage, and we use a nonparametric matching decomposition that is well suited to address unique group-specific experiences. We find that wage (dis)advantages associated with the dimensions of gender and nativity are nonadditive and result in distinct decomposition patterns for each pairwise comparison. After accounting for substantial group differences in work attachment, individual resources, and occupational segregation, unexplained wage gaps are generally small for comparisons between immigrant women, immigrant men, and native women, but large when either group is compared to native men. This finding suggests that the often presumed “double disadvantage” of immigrant women is rather a “double advantage” of native men." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Wage patterns in West Berlin: a synthetic control approach after the fall of the wall (2024)
Urzay-Gómez, Sergi;Zitatform
Urzay-Gómez, Sergi (2024): Wage patterns in West Berlin: a synthetic control approach after the fall of the wall. In: Applied Economics Letters, S. 1-4. DOI:10.1080/13504851.2024.2386145
Abstract
"We investigate the impact of the Berlin Wall’s fall on West Berliners’ salaries using the Synthetic Control Method and regional-level data (NUTS-2) from the German Socio-Economic Panel (SOEP). Our study shows that the collapse of the Berlin Wall led to a sudden stagnation in salaries for West Berliners, compared to a scenario where the Wall had remained intact." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
