24-Stunden-Betreuung für Menschen mit Pflegebedarf – Beschäftigungssituation der Live-ins
Rund-um-die-Uhr-Versorgung für Menschen mit Pflegebedarf durch stationäre Langzeitpflege oder professionelle ambulante Pflege ist für die meisten Familien nicht finanzierbar. Die stattdessen im Haushalt eingesetzten sogenannten Live-in-Kräfte, meist Frauen aus Osteuropa, befinden sich häufig in prekären Arbeitsverhältnissen. Erst im Sommer 2021 setzte ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts für sie den deutschen gesetzlichen Mindestlohn fest - auch für Bereitschaftszeiten. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Ampelkoalition ist das Vorhaben formuliert, eine rechtssichere Grundlage für die 24-Stunden-Betreuung auszugestalten.
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Literaturhinweis
Harter Job in schweren Zeiten: Zur Arbeits- und Lebenssituation polnischer Betreuungskräfte älterer Menschen in Deutschland während der Coronapandemie (2022)
Zitatform
Bartig, Susanne, Niklas Harder, Mathis Herpell & Magdalena Nowicka (2022): Harter Job in schweren Zeiten. Zur Arbeits- und Lebenssituation polnischer Betreuungskräfte älterer Menschen in Deutschland während der Coronapandemie. (DeZIM briefing notes + / DeZIM-Institut DBN #08), Berlin, 17 S.
Abstract
"Trotz der erlassenen Hygienemaßnahmen und Reisebeschränkungen hat sich die erste Welle der Coronapandemie kaum auf das Einkommen oder die Arbeitszeit der befragten polnischen Betreuer*innen in Deutschland ausgewirkt. Die meisten befragten Betreuungskräfte sind während der pandemiebedingten Reisebeschränkungen in Deutschland geblieben und haben weitergearbeitet. Dagegen reiste fast die Hälfte der befragten Betreuer*innen, die sich in Polen aufhielten, zur Arbeit nach Deutschland. Als häufigsten Grund dafür nannten die Befragten die Angst vor Einkommensverlusten. Viele polnische Betreuer*innen sind in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt: Unabhängig von der Pandemie betragen die Arbeitszeiten durchschnittlich 11 Stunden am Tag. Das Einkommen liegt deutlich unter dem mittleren Nettostundenlohn in Deutschland. Um mehr über die Auswirkungen der Coronapandemie auf die häusliche Betreuung in Deutschland zu erfahren, wurden 279 polnische Betreuungskräfte, die ältere Menschen in deutschen Privathaushalten unterstützen, zu ihrer Arbeits- und Lebenssituation befragt. Die Befragung wurde zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 durchgeführt und bezog sich insbesondere auf die Situation während der ersten Pandemiewelle." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Polnische Version -
Literaturhinweis
Tragende Säule bröckelnder Versorgungssicherheit ohne regulären Untergrund: Situation und zukünftige Entwicklung in der ambulanten Pflege und die Perspektive von Betreuerinnen aus der 24-Stunden-Betreuung (Live-Ins) auf die Pflegesituation vor Ort (2022)
Becker, Paul; Komitowski, Doritt;Zitatform
Becker, Paul & Doritt Komitowski (2022): Tragende Säule bröckelnder Versorgungssicherheit ohne regulären Untergrund. Situation und zukünftige Entwicklung in der ambulanten Pflege und die Perspektive von Betreuerinnen aus der 24-Stunden-Betreuung (Live-Ins) auf die Pflegesituation vor Ort. (Working paper / IQ-Fachstelle Einwanderung 2022,10), Berlin, 33 S.
Abstract
"Die vorliegende Studie stellt die Ergebnisse zweier Analysen vor und verknüpft diese miteinander: Erstens wirft sie einen Blick auf den aktuellen Stand sowie die zu erwartenden Entwicklungen der Pflegebedürftigenzahlen in den kommenden fünfzehn Jahren in Deutschland und setzt diese in Bezug zu den Personalprognosen für die ambulante Pflege in den Tätigkeitsbereichen „körperbezogene Pflege“ und „Hilfen bei der Haushaltsführung“. Zweitens diskutiert sie die Ergebnisse einer Umfrage unter Live-In-Betreuerinnen (Live-Ins) zu ihrer Perspektive auf die Betreuungssituation vor Ort. Es zeigt sich, dass Live-Ins ebenfalls in den o.g. Tätigkeitsbereichen der ambulanten Pflege arbeiten, ohne jedoch über einen gesicherten regulären Status zu verfügen. Im Hinblick auf die skizzierten Entwicklungen in den kommenden Jahrzehnten ist es – sowohl vor dem Hintergrund der Versorgungsqualitätssicherung, als auch der zu erwartenden Personalengpässe – dringend geboten, Perspektiven zu schaffen und Live-Ins in die regulären Strukturen der Pflege zu integrieren." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Modelle von Live-in Care. Rechtswissenschaftliche und sozialethische Vorschläge zur Weiterentwicklung einer personenbezogenen Dienstleistung (2022)
Zitatform
Emunds, Bernhard & Eva Kocher (2022): Modelle von Live-in Care. Rechtswissenschaftliche und sozialethische Vorschläge zur Weiterentwicklung einer personenbezogenen Dienstleistung. In: WSI-Mitteilungen, Jg. 75, H. 5, S. 407-410. DOI:10.5771/0342-300X-2022-5-407
Abstract
"Die starke Fokussierung der Öffentlichkeit auf eine Eins-zu-eins-Betreuung im Individualhaushalt, die so große ethische Fragen aufwirft, hat insgesamt viel damit zu, dass die Pflegepolitik immer noch durch ein familialistisches Denken geprägt ist, in dem Live-ins die „eigentlich zuständigen“, im jeweiligen konkreten Fall aber nicht zur Verfügung stehenden pflegenden Angehörigen ersetzen sollen. Die Inanspruchnahme der Familie und insbesondere der weiblichen Angehörigen für die Erbringung oder zumindest Koordination von Pflegeleistungen konnte so lange als selbstverständlich vorausgesetzt werden, wie Rollenbilder und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung noch stabil traditionell waren. Die zugrunde liegenden normativen Vorstellungen sind jedoch obsolet geworden. Dem sollte durch einen Ausbau und eine qualitative Weiterentwicklung der stationären Pflege sowie innovativer Zwischenformen zwischen ambulanter und stationärer Pflege entsprochen werden. Ein entsprechender Umbau des deutschen Pflegesystems würde auch die Nachfrage nach Live-in Care reduzieren. Gerade der Blick auf die familialistische Prägung dieses Systems zeigt, wie notwendig es ist, Live-in Care stärker zu problematisieren. Ihr wohnt immer eine Tendenz zur „24-Stunden-Betreuung“ inne ; nur ein grundsätzliches Umdenken in der Pflegepolitik kann langfristig und nachhaltige gute Arbeit und gute Pflege für alle gewährleisten." (Textauszug, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Reduktion der Arbeitszeit in der Live-In-Pflege: Eine interdisziplinäre Untersuchung von Maßnahmen der Vermittlungsagenturen (2022)
Habel, Simone; Tschenker, Theresa;Zitatform
Habel, Simone & Theresa Tschenker (2022): Reduktion der Arbeitszeit in der Live-In-Pflege: Eine interdisziplinäre Untersuchung von Maßnahmen der Vermittlungsagenturen. (Hans-Böckler-Stiftung. Study 471), Düsseldorf, 165 S.
Abstract
"Neben der stationären und ambulanten Pflege hat sich die Live-In-Pflege mittlerweile zur dritten Säule des Altenpflegesystems entwickelt. In der von irregulärer Beschäftigung dominierten Branche sind die Arbeitsbedingungen von überlangen Arbeitszeiten und unvergüteten Bereitschaftsdiensten gekennzeichnet. Jedoch etablieren einige Vermittlungsagenturen freiwillige Maßnahmen der Selbstregulierung. Die sozial- und rechtswissenschaftliche Untersuchung zeigt Möglichkeiten und Grenzen auf, inwiefern hierdurch eine Reduktion der Arbeitszeit bewirkt werden kann." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
"24-Stunden-Pflege": Abschaffen oder neu gestalten?: Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion (2022)
Herweck, Rudolf; Weg, Marianne;Zitatform
Herweck, Rudolf & Marianne Weg (2022): "24-Stunden-Pflege": Abschaffen oder neu gestalten? Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion. In: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Jg. 102, H. 8, S. 399-404.
Abstract
"Die "24-Stunden-Pflege" durch osteuropäische Betreuungskräfte ist wegen vielfältiger Problematiken umstritten. Eine rechtssichere, sozialstaatswürdige Ausgestaltung als weitere Säule des Pflegesystems ist notwendig und möglich; hierfür werden Eckpunkte einer Konzeption vorgestellt." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
The dependency on East-to-West care labour migration in the EU: Addressing inequalities and exploitation (2022)
Zitatform
Katona, Noémi & Elena Zacharenko (2022): The dependency on East-to-West care labour migration in the EU. Addressing inequalities and exploitation. (Discussion paper / Friedrich-Ebert-Stiftung. Büro (Budapest)), Budapest, 12 S.
Abstract
"This discussion paper summarises the most important structural problems that characterise the live-in care market and policymaking at the national level. In addition to better functioning EU-level regulation, adequate and sustainable financing of long-term care and quality care implemented by the state are essential in order to find a long-term solution to meeting the care needs of everyone in the EU." (Text excerpt, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Arbeitsverhältnisse für transnationale Live-in-Care: Handlungsempfehlungen aus arbeitsrechtlicher Sicht (2022)
Zitatform
Kocher, Eva (2022): Arbeitsverhältnisse für transnationale Live-in-Care. Handlungsempfehlungen aus arbeitsrechtlicher Sicht. (DIFIS-Impuls 2022,12), Duisburg ; Bremen, 4 S.
Abstract
"Als ‚Live-in-Care‘ bezeichnet man die Beschäftigung von Pendelmigrantinnen für Betreuungsaufgaben in deutschen Haushalten, bei denen die meist aus mittel- und osteuropäischen Ländern stammenden Frauen für die Zeit der Betreuung im Haushalt leben. Die Beschäftigten befinden sich dabei in großer Abhängigkeit und Prekarität. Interessenvertretungen der Beschäftigten, Arbeitgeber und Pflegebedürftige sind sich in der Kritik der Strukturprobleme dieser Arbeit im Wesentlichen einig. Diese brauchen größere Rechtssicherheit hinsichtlich ihres arbeitsrechtlichen Schutzes. In den typischen Konstellationen von Live-in-Care sind die deutschen arbeitsrechtlichen Mindeststandards anzuwenden. Insofern bedarf es einer rechtlichen Vermutung (Unterstellung), dass die Leistung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses und nicht in Selbstständigkeit erbracht wird. Darüber hinaus müssen Arbeitszeitaufzeichnungen vorgesehen und Beratungsstrukturen mit Blick auf transnationale Rechtsdurchsetzungsstrategien gestärkt werden." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Rechtsfragen beim Einsatz polnischer Betreuungskräfte (Live-ins) in Deutschland durch Vermittlung polnischer Agenturen (2022)
Zitatform
Kocher, Eva & Nastazja Potocka-Sionek (2022): Rechtsfragen beim Einsatz polnischer Betreuungskräfte (Live-ins) in Deutschland durch Vermittlung polnischer Agenturen. Frankfurt an der Oder, 97 S.
Abstract
"Die häusliche Betreuung jenseits professioneller Pflege ist zu einem festen Bestandteil des deutschen Pflegesystems geworden. Sie wird durch – fast ausschließlich weibliche – migrantische Erwerbstätige sichergestellt, die in den Haushalten der Pflegebedürftigen nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen („Live-in“). Ihre Situation ist durch rechtliche Intransparenz und Unsicherheit geprägt sowie mit einem Verdacht systematischer Rechtsverstöße belastet. Vor allem mit dem Arbeitszeitregime, das nicht selten mit dem Begriff „24-Stunden-Pflege“ beschrieben wird, sind tiefgreifende rechtliche Probleme verbunden. Die aktuelle Studie im Auftrag der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer/IntB, nimmt sich rechtlicher Fragestellungen beim Einsatz polnischer Betreuungskräfte in deutschen Privathaushalten an. Dafür wurden Original-Verträge analysiert, mit denen die polnischen „Live-ins“ in Deutschland tätig wurden. Auf Basis dieser Analyse legen die Autorinnen Handlungsempfehlungen vor, die für mehr Rechtssicherheit und bessere Arbeitsbedingungen sorgen sollen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Formalisierung des Informellen. Die Regulierung der „24-Stunden-Betreuung“ in Österreich und Deutschland (2022)
Zitatform
Leber, Simone & August Österle (2022): Formalisierung des Informellen. Die Regulierung der „24-Stunden-Betreuung“ in Österreich und Deutschland. In: WSI-Mitteilungen, Jg. 75, H. 5, S. 379-385. DOI:10.5771/0342-300X-2022-5-379
Abstract
"Seit der EU-Osterweiterung findet Pflege- und Betreuungsarbeit durch Migrant*innen aus Mittel- und Osteuropa, die im Haushalt der Pflegebedürftigen leben (Live-in-Modell), zunehmend Verbreitung in familialistisch geprägten Wohlfahrtsstaaten wie Österreich und Deutschland. Der Beitrag stellt die Verbreitung und rechtliche Rahmung des Phänomens in den beiden Ländern dar und erläutert die Genese und Bedeutung der Live-in-Arrangements im Gesamtkontext der Pflege in Privathaushalten. Die Ursprünge der neuen Sorgemärkte beruhten zunächst auf informellen Netzwerken und Arrangements. Während in Österreich das Feld im Jahr 2007 umfassend reguliert wurde, gab es in Deutschland bisher keine politische Regulierung des grauen Marktes. In beiden Ländern sind aber Pflegeagenturen als politische Akteure aktiv und initiieren Prozesse unternehmerischer Selbstregulierung. Der Beitrag geht im Ländervergleich der Frage nach, welches die politischen Triebkräfte dieser Regulierungs- und Formalisierungsprozesse waren, was die unterschiedlichen Entwicklungen in den beiden Ländern erklärt und welche politische Rolle dabei die Vermittlungsagenturen und ihre Interessenorganisationen spielen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Beschäftigung von Migrantinnen in der sogenannten "24-Stunden-Betreuung" in Privathaushalten: Expertise für den Sachverständigenrat für Integration und Migration (2022)
Leiber, Simone; Rossow, Verena;Zitatform
Leiber, Simone & Verena Rossow (2022): Beschäftigung von Migrantinnen in der sogenannten "24-Stunden-Betreuung" in Privathaushalten. Expertise für den Sachverständigenrat für Integration und Migration. Essen, 43 S.
Abstract
"Die Expertise verfolgt das Ziel, zentrale Erkenntnisse des sozialwissenschaftlichen Forschungsstandes zum Thema Live-in-Care in Deutschland sowie – soweit vorhanden – relevanter Quantifizierungen des Feldes zusammenzustellen (Kapitel 2). Dabei sollen auch wichtige rechtliche Probleme der derzeit gängigen Formen der Beschäftigung von Live-in-Care-Arbeiterinnen in Privathaushalten erörtert werden (Kapitel 3). Zudem werden die Implikationen des Modells einerseits aus der Perspektive der Migrant*innen und ihrer Familien in den Heimatländern (Kapitel 4), sowie andererseits aus der Perspektive der Nutzer*innen – also Pflegebedürftige und ggf. ihre Angehörigen – dargestellt (Kapitel 5). In Kapitel 6 zeigen wir auf, welche Aktivitäten zur Qualitätsverbesserung im Bereich Arbeit und Versorgung im Live-in-CareModell die Vermittlungsagenturen selbst entwickeln. Abschließend erfolgt eine Diskussion von vier alternativen zukünftigen Entwicklungspfaden für Live-in-Care in Deutschland mit ihren Vor- und Nachteilen – wobei auch Erfahrungen aus den Nachbarländern Österreich und Schweiz einbezogen werden (Kapitel 7). Kapitel 8 schließt mit einem kurzen Fazit. Die Expertise entwickelt dabei kein eigenes Reformmodell. Unser Ziel ist das Aufzeigen besonders sensibler bzw. ungeklärter Fragen sowie einiger Diskussions-Impulse im Hinblick auf Weiterentwicklung des Live-in-CareModells in Deutschland." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Nicht ohne ihre Kämpfe! Arbeits- und Lebensbedingungen der 24-Stunden- Betreuer*innen und vieles zu lernen für feministische Theorie (2022)
Maier, Carina;Zitatform
Maier, Carina (2022): Nicht ohne ihre Kämpfe! Arbeits- und Lebensbedingungen der 24-Stunden- Betreuer*innen und vieles zu lernen für feministische Theorie. In: Momentum Quarterly, Jg. 11, H. 2, S. 77-142. DOI:10.15203/momentumquarterly.vol11.no1.p94-107
Abstract
"Dieser Beitrag richtet den Fokus auf transnationale vergeschlechtlichte (Sorge-)Arbeitsverhältnisse und stellt eine analytische Perspektive vor, die von den politischen Kämpfen migrantischer Sorgearbeiter*innen, die als sog. 24-Stunden-Betreuer*innen arbeiten, ausgeht. Nach einer Rekonstruktion der Legalisierung des Arbeitsbereichs in Österreich und der spezifischen Regulierung werden im Text mit Rückgriff auf intersektionale (queer-)feministische Ökonomie- und Ideologiekritik die spezifischen (transnationalen) Arbeits- und Lebensbedingungen der migrantischen Sorgearbeiter*innen analysiert. Ein feministisches Verständnis von Krise ermöglicht es dabei, den Blick auf spezifische Sichtbar- und Unsichtbarmachungen der prekären Arbeitsbedingungen und der Dauerkrise der Sorge allgemeiner zu richten. Es wird deutlich, dass das Ideal der Sorge als familiale Arbeit im Live-In-Modell tradiert wird. Anknüpfend daran wird die feministische Kritik einer systemimmanenten Unsichtbarmachung, Abwertung und Verteilung von Sorgearbeit mit Elementen von Sorge, die die verkörperten Abhängigkeiten ins Zentrum setzen, verknüpft. Damit wird der Blick auf eine oftmals verborgene Solidarität zwischen den Sorgenden und Versorgten gelenkt." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Dilemmas around temporariness and transnational recruitment agencies: the case of migrant caregivers in Taiwan and Germany (2022)
Zitatform
Marchetti, Sabrina, Giulia Garofalo Geymonat & Anna Di Bartolomeo (2022): Dilemmas around temporariness and transnational recruitment agencies: the case of migrant caregivers in Taiwan and Germany. In: Journal of Ethnic and Migration Studies, Jg. 48, H. 16, S. 3894-3909. DOI:10.1080/1369183X.2022.2028353
Abstract
"The precarious nature of caregivers’ migration is one of the fundamental characteristics of the growing marketisation of home-based care at the transnational level. Against this background, scholars have dedicated increasing attention to the role of private actors involved in the transnational recruitment/employment of migrant caregivers, such as the for-profit agencies, asking whether these intermediaries are a good or a bad thing. In order to understand the dilemmas facing this complex scenario, we interviewed trade unionists, activists, and academic experts in Taiwan and Germany, both of which are countries where the growing care needs of the ageing population are addressed by employing caregivers from abroad. In these interviews, research participants in both countries strongly criticised the emergence of transnational agencies as influential actors in the field and accused them of reproducing an exploitative temporariness of work for migrant caregivers and of the care services they provide, grounded in the temporary dimension of their mobility patterns. The research participants also evaluated the current situation as they tried to imagine alternative arrangements. Advocates for migrant caregivers’ rights expressed intense frustration at the widespread acceptance of today’s situation but they also suggested that other forms of intermediaries and of temporariness might be developed." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Migration and Domestic Work: IMISCOE Short Reader (2022)
Zitatform
Marchetti, Sabrina (2022): Migration and Domestic Work. IMISCOE Short Reader. (IMISCOE Research Series), Cham: Imprint: Springer, XIII, 87 S. DOI:10.1007/978-3-031-11466-3
Abstract
"This open access short reader offers a systematic overview of the scholarly debate on the experiences of migrant domestic workers at a global level, in the past as well as in present time. It tackles the nexus between migration and domestic work with a multi-layered approach. The book looks into the issue of (paid) domestic work in migratory contexts by investigating the feminization of migration, thereby considering the larger framework within which this specific phenomenon takes place. The author explains notions such as the “international division of reproductive labor” or “global care chains” which emphasize the inequality in the way care and domestic tasks are distributed today between middle-class women in receiving nations and migrant domestic workers. Moreover, the book shows how women migrating to work in the domestic work and private care sector are facing a complex landscape of migration and labor regulations that are extremely difficult to navigate. At the same time, this issue also addresses employers' households who cannot find appropriate or affordable care among declining welfare states and national workers reluctant to take the job, whilst legal regulations make difficult to hire a domestic worker who is a third country national. As such this book offers an interesting read to academics, policy makers and all those working in the field." (Provided by publisher)
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Literaturhinweis
'Mehr Fortschritt wagen' auch im Feld der Live-in-Pflege? (2022)
Rossow, Verena; Leiber, Simone;Zitatform
Rossow, Verena & Simone Leiber (2022): 'Mehr Fortschritt wagen' auch im Feld der Live-in-Pflege? (DIFIS-Impuls 2022,1), Duisburg ; Bremen, 4 S.
Abstract
"Seit der EU-Osterweiterung werden immer mehr alte Menschen von Migrant*innen aus Mittel- und Osteuropa betreut, die mit in deren Haushalt leben (‚Live-in‘-Pflege). Der Ampel-Koalitionsvertrag wendet sich erstmals politisch einer Regulierung dieser auch ‚24-Stunden-Pflege‘ genannten Form der Betreuungsarbeit in Deutschland zu. Dabei stellt sich die Frage, ob Deutschland sich am österreichischen Selbständigen-Modell orientiert oder einen eigenen Weg geht. Der Beitrag argumentiert für einen eigenen Weg basierend auf einem Arbeitnehmermodell – verpflichtend eingebettet in gemischte Pflegearrangements." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Peripheral labour mobilities: elder care work between the former Yugoslavia and Germany (2022)
Višić, Tanja;Zitatform
Višić, Tanja (2022): Peripheral labour mobilities. Elder care work between the former Yugoslavia and Germany. (Arbeit und Alltag 23), Frankfurt am Main: Campus Verlag, 421 S.
Abstract
"Die prekäre Situation in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens erzeugte eine spezifische Dynamik im Feld der Arbeitsmobilität. Wenig erforscht ist für diese Region, wie ältere Care-Arbeiterinnen aus zum Beispiel Serbien oder Bosnien in deutsche Haushalte pendeln, um dort die Alten zu pflegen – meist illegalisiert, abhängig von Vermittlungsagenturen und privaten Arbeitgebern. Dieses genderspezifische Migrationsmuster verfolgt Tanja Višić in einer vielfach verorteten Ethnografie mit Blick auf die Fragen: Wie sind die Mobilitäts- und Arbeitspraktiken der Frauen eingebunden in die sozioökonomischen Konstellationen des informellen Care-Arbeitssektors; wie sind sie in Auseinandersetzung mit den Arbeitsgesetzen und den Grenzregimes entstanden? Deutlich werden in dichten Fallstudien kulturspezifische Wahrnehmungsmuster von Care-Arbeit, Familienbeziehungen und dem Mobilwerden." (Verlagsangaben, IAB-Doku)
Weiterführende Informationen
Inhaltsverzeichnis -
Literaturhinweis
Siebter Pflegebericht: Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland Berichtszeitraum: 2016-2019 (2022)
Zitatform
(2022): Siebter Pflegebericht. Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland Berichtszeitraum: 2016-2019. (Pflegebericht 7), Bonn, 267 S.
Abstract
"Der Berichtszeitraum des vorliegenden Siebten Pflegeberichts umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2019. Da sich bei der Abfrage, der für die Erstellung des Berichts notwendigen Daten schnell abzeichnete, dass einige Institutionen, aber auch die Bundesländer aufgrund der hohen Arbeitsbelastung die Daten nicht fristgerecht würden liefern können, wurde mit dem COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz die Frist zur Vorlage des Berichts bis 2021 verlängert. Mit dem Erscheinen des Siebten Pflegeberichts kann somit auf das 25-jährige Bestehen der Pflegeversicherung zurückgeblickt werden. Der Berichtszeitraum wurde nicht verändert, um eine mitten im laufenden Geschehen der COVID-19-Pandemie endende Berichterstattung zu vermeiden. Gleichwohl werden seitdem umgesetzte Maßnahmen und Entwicklungen mitunter erwähnt. Der vorliegende Bericht umfasst vier Kapitel: einen einleitenden Teil zu den Entwicklungen und Eckdaten der Pflegeversicherung, ein Kapitel zu den verabschiedeten und in Kraft getretenen Gesetzen und Maßnahmen, einen Ausblick sowie die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Pflegeversicherung und zum Stand der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland." (Autorenreferat, IAB-Doku)
Weiterführende Informationen
Anlage: Übersicht über vereinbarte ambulante Leistungskomplexe in den Bundesländern -
Literaturhinweis
Gute Sorge ohne gute Arbeit?: Live-in-Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz (2021)
Zitatform
Aulenbacher, Brigitte, Helma Lutz & Karin Schwiter (Hrsg.) (2021): Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in-Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Arbeitsgesellschaft im Wandel), Weinheim: Beltz Juventa, 264 S.
Abstract
"Im Alter gut betreut zu Hause zu leben – dieser Wunsch ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet. Die sogenannte 24-Stunden-Betreuung verspricht, ihn zu erfüllen, ohne jedoch gute Arbeitsbedingungen gewährleisten zu können. Dieser Grundkonflikt durchzieht den Alltag der Live-in-Care, ist Gegenstand von Auseinandersetzungen um Sorge- und Arbeitsbedingungen und führt zum Nachdenken über Alternativen. Das Buch zeigt, wie das transnationale Betreuungsarrangement in den drei Ländern ausgestaltet ist und wie Agenturen, Betreuende, Betreute, Angehörige und weitere Stakeholder mit der Situation umgehen." (Verlagsangaben, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
24-Stunden-Pflegekräfte aus den Staaten außerhalb der EU: "No rules of work. No rights." (2021)
Becker, Paul; Komitowski, Doritt; Sakadeyeva, Tatyana; Meiners, Sophie; Fritsche, Christiane; Krause, Eva Luise;Zitatform
(2021): 24-Stunden-Pflegekräfte aus den Staaten außerhalb der EU. "No rules of work. No rights.". (Working paper / IQ-Fachstelle Einwanderung 2021,07), Berlin, 53 S.
Abstract
"Als erste wissenschaftliche Untersuchung nimmt das vorliegende Working Paper ausschließlich Betreuer*innen in der 24-Stunden-Pflege (im Folgenden Liveins genannt) aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (sog. Drittstaaten) in den Blick, die in deutschen Haushalten Alte und Kranke betreuen. Es handelt sich vornehmlich um Migrant*innen aus Ost- und Mitteleuropa." (Textauszug, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Gute Arbeit für Live-In-Care: Gestaltungsoptionen für Praxis und Politik (2021)
Emunds, Bernhard; Habel, Simone; Deetzen, Verena von; Kocher, Eva ; Tschenker, Theresa; Pflug, Rebekka;Zitatform
Emunds, Bernhard, Eva Kocher, Simone Habel, Rebekka Pflug, Theresa Tschenker & Verena von Deetzen (2021): Gute Arbeit für Live-In-Care. Gestaltungsoptionen für Praxis und Politik. (NBI-Positionen 2021,2), Frankfurt am Main, 17 S.
Abstract
"Live-In-Care ist in Deutschland nicht nur von hoher Rechtsunsicherheit geprägt, sondern bringt auch eine Dynamik höchst problematischer Arbeitsbedingungen mit sich, die sich insbesondere in grenzenlosen Arbeitszeiten zeigen. Darauf sollte die Politik reagieren. Eine zentrale Aufgabe der Pflegepolitik ist die Reduzierung der Nachfrage nach Live-In-Care. Da der Bedarf nicht vollumfänglich reduziert werden kann, sind Bedingungen zu schaffen, die für die Live-Ins gute Arbeit wahrscheinlicher machen. Grundlage jeder Regulierung muss deshalb eine Weiterentwicklung der Qualität von Arbeit durch die Agenturen sein; klare Qualitätsstandards für gute Arbeit müssen Ziel und Bezugspunkt jeder Form von Regulierung und öffentlicher Ko-Finanzierung sein." (Textauszug, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Narratives on Working Hours: An Analysis of “Pioneer” Brokering Agencies for Live-in Care Work in Germany (2021)
Habel, Simone;Zitatform
Habel, Simone (2021): Narratives on Working Hours: An Analysis of “Pioneer” Brokering Agencies for Live-in Care Work in Germany. In: Sociológia, Jg. 53, H. 5, S. 463-482. DOI:10.31577/sociologia.2021.53.5.17
Abstract
"Narratives on Working Hours: An Analysis of “Pioneer” Brokering Agencies for Live-in Care Work in Germany. In the “gray market” for live-in care work in Germany, brokering agencies are playing an increasingly important role in shaping working conditions. Drawing on six expert interviews with “pioneer” brokering agencies, this article centers on these agencies' narratives on working hours. The analysis reveals that these agencies' understanding of working hours is contradictory: working hours are either referred to as a fixed, intersubjectively measurable category or as a subjective phenomenon, leaving scope for divergent opinions. These perspectives are evident in the assumption of an (in)separability of working and leisure time, and in the understanding of leisure time as a personal need or a valid demand. In this context, constructing working hours as a subjective category thus functions as a legitimation narrative for extensive working hours. These findings are connected to the contradictory interpellations of live-in care workers, such as “fictive kin” and “manager of the self”, and to the underlying understandings of work." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
