Veranstaltungsreihe: IAB-Colloquium
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit vor und diskutieren diese mit Expertinnen und Experten aus dem IAB. Auch Interessierte aus Arbeitsverwaltung, Politik und Praxis sind willkommen.
Die Lage am Ausbildungsmarkt: Unterschiedliche Indikatoren, Befunde und Interpretationen?!
Sowohl der Berufsbildungsbericht und der dazugehörende Datenreport als auch der Nationale Bildungsbericht analysieren die Entwicklungen in der beruflichen Ausbildung anhand verschiedener Datengrundlagen und Kennziffern, wobei ein überproportionaler, bisweilen fast ausschließlicher Fokus auf die duale Ausbildung besteht.
Das FiBS hat dieser Indikatorik mit der expliziten, gleichberechtigten Einbeziehung der schulischen Ausbildung sowie den Übergangsquoten, die die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in beruflicher, d.h. dualen und schulischer Ausbildung, sowie getrennt für duale und schulische Ausbildungen in Relation zu den Schulabgänger:innen des entsprechenden Kalenderjahres mit den gleichen Abschlüssen setzen, einen weiteren Indikator hinzugefügt, durch den eine Brücke zwischen Schul- und Ausbildungssystem hergestellt wird. Das IAB – wie auch andere Personen – hat diesen Indikator, wie auch den Indikator Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage einer kritischen Betrachtung unterzogen. Der Vortrag setzt sich u.a. mit dieser Kritik vor dem Hintergrund der bestehenden Indikatorik und der üblichen Interpretation auseinander und betrachtet dabei die konzeptionelle und methodische Aspekte sowie die Datengrundlage.
Es wird sich zeigen, dass die Kritik am Konzept und der Umsetzung von Übergangsquoten weitgehend unbegründet ist und sowohl Modifikationen der Datengrundlage als auch methodische Variationen die Befunde in der Regel nur graduell verändern. Ferner zeigen vertiefende demografie- und schulstrukturellen Analyse, wie stark es zu weitergehenden Verschiebungen in der dualen wie schulischen Ausbildung kommt.
Auf dieser Grundlage ergibt sich eine deutlich andere Interpretation der Entwicklungen in der beruflichen Ausbildung insgesamt wie auch für die duale Ausbildung.
Gendered wage effects of changes in job tasks: Evidence from Germany
Closing the U.S. gender wage gap requires understanding its heterogeneity
From Code to Cash: The Impact of AI on Wages
Math skills, perceptions of fit, and occupational choice
Firm investments in digital technologies during the Covid-19 pandemic
Performance Incentives in Education: The Role of Goal Mismatch
Ausbildungspersonal im Fokus – nicht über, sondern mit Ausbildungspersonal forschen
Diese Studie legt eine systematische und umfassende empirische Erhebung zur Situation des Ausbildungspersonals vor. Mit Hilfe von quantitativen und qualitativen Erhebungen werden Fragen zum Stellenwert der Ausbilderinnen, zu den Bedingungen der Ausbildungstätigkeit (inklusive Mitbestimmung), zur Qualifikation und Professionalisierung der Ausbilderinnen sowie zur Rolle von Ausbilder*innen bei organisationalem und technischem Wandel beleuchtet. Ein Teil dieser Themenfelder wird bisher zwar teils in einzelnen Studien rund um Arbeit, Beruf und Beschäftigung abgedeckt. Allerdings liefert bislang keine Erhebung einen derart ganzheitlichen Blick auf die Bedingungen des Ausbildungspersonals. Da die genannten Aspekte jedoch wechselseitig miteinander verbunden sind, durchbricht diese Studie die bislang isolierten Betrachtungen, bei denen das Ausbildungspersonal oder Aspekte seiner Tätigkeit nur als eine Variable unter vielen gesehen werden. Hier steht die Situation des Ausbildungspersonals im Zentrum der Betrachtung. Daher verbindet die Studie die genannten Felder systematisch miteinander.
Zwischen Aufnahme und Abschreckung: Paradoxien der Demokratie in der pluralistischen Migrationsgesellschaft
Das aktuelle Migrationsgeschehen stellt Aufnahmeländer vor kaum auflösbare Widersprüche. Wie können wir Asyl als universelles Grund- und Menschenrecht auf der einen Seite und das nationalstaatliche Eigeninteresse an Kontrolle seiner Grenze auf der anderen Seite balancieren? Gibt es konkrete Maßnahmen, die helfen könnten, derart entstehende Paradoxien aufzulösen bzw. mit ihnen umgehen zu lernen? Der Vortrag diskutiert Widersprüchlichkeiten im geltenden Asyl- und Migrationsregime und geht insbesondere auf staatlichen Rahmenbedingungen aus dem Individualrecht Asyl, begrenzte Aufnahmestruktur, Integrationsanforderungen an Ankommende und gesellschaftlichen Widerstände ein. Unter anderem wird thematisiert, welchen Beitrag gezielte Einwanderungsregelungen im Bereich Arbeitsmigration bzw. humanitäre Zuwanderung, Migrationsabkommen und Unterstützungsprogramme für Herkunftsländer leisten können. Im Zentrum steht dabei die Frage, warum unser Umgang mit Flucht, Vertreibung und Migration so widersprüchlich ist und wie moderne Migrationsgesellschaften diese Widersprüche verhandeln können.
