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Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 15.10.2026

Mehrheit der Betriebe offen für Fachkräfte auch ohne anerkannten Abschluss – aber nur 4 Prozent rekrutieren aus Drittstaaten

Die Regelungen zur Fachkräfteeinwanderung wurden seit 2023 schrittweise reformiert. Rund eineinhalb Jahre nach Abschluss der Reformen zeigen aktuelle Befunde, dass die große Mehrheit der deutschen Betriebe nach wie vor keine Arbeitskräfte aus Drittstaaten rekrutiert. 57 Prozent der Betriebe wären allerdings bereit, Arbeitskräfte aus Staaten außerhalb der EU ohne anerkannten Berufsabschluss einzustellen. Das ergibt sich aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Im dritten Quartal 2025 haben rund 4 Prozent aller deutschen Betriebe angegeben, in den vergangenen 12 Monaten Arbeitskräfte aus Drittstaaten eingestellt zu haben. Unter den Betrieben, die im Erhebungszeitraum aktiv nach Arbeitskräften gesucht haben, rekrutierten ebenfalls nur wenige - nämlich 6 Prozent - aus Drittstaaten. "Für die große Mehrheit der Betriebe stellt die Rekrutierung von Arbeitskräften aus dem Ausland, uns insbesondere aus Drittstaaten, weiterhin eher eine Ausnahme dar", so Annette Jacoby, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich "Migration, Integration und Internationale Arbeitsmarktforschung".

Die Rekrutierung aus Drittstaaten konzentriert sich dabei auf größere Betriebe: Nur 2 Prozent der Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten haben in den vergangenen zwölf Monaten Arbeitskräfte aus Drittstaaten eingestellt. Bei Betrieben mit 50 bis 249 Beschäftigten waren es 12 Prozent, bei Betrieben mit 250 und mehr Beschäftigten 16 Prozent. Am häufigsten rekrutiert wurden Menschen in den Branchen Gastgewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Bereich Handel und Verkehr.

Mehr als die Hälfte der deutschen Betriebe wäre bereit, Arbeitskräfte aus Drittstaaten ohne anerkannte Qualifikation einzustellen. Die Einstellungsbereitschaft ist insbesondere dann gegeben, wenn Berufserfahrung vorliegt: 24 Prozent der Betriebe würden Arbeitskräfte ohne anerkannten Abschluss einstellen, wenn diese über einschlägige Erfahrungen verfügen. 19 Prozent wären dazu sogar uneingeschränkt bereit. 7 Prozent der Betriebe sind zur Einstellung bereit, wenn der Abschluss für die konkrete Tätigkeit ohnehin nicht erforderlich ist. Ist die Anerkennung erst noch nachzuholen, liegt die Einstellungsbereitschaft der Betriebe bei 5 Prozent.

Sprachbarrieren, Ungewissheit über die Qualifikation sowie die Zufriedenheit mit dem einheimischen Arbeitskräfteangebot werden als häufigste Gründe für die Nicht-Rekrutierung aus Drittstaaten genannt. Bei Betrieben mit Rekrutierungserfahrung aus Drittstaaten hingegen werden behördliche Hürden und Probleme bei der Anerkennung von Abschlüssen als Hemmnis genannt. Sprachbarrieren waren auch hier ein wichtiges Hindernis. „Begleitende Maßnahmen wie vorbereitende Sprachförderung oder eine betriebsnahe Qualifikationsberatung wären nötig, um den rechtlichen Rahmen des Gesetzes zur Fachkräfteeinwanderung wirksam werden zu lassen“, bilanziert IAB-Forscherin Jacoby.

Die Analysen basieren auf der IAB-Stellenerhebung, einer regelmäßigen repräsentativen Befragung des IAB. Die Befragung erfasst jährlich rund 15.000 Betriebe und Verwaltungen aller Wirtschaftszweige und Größenklassen in Deutschland. Die Studie ist abrufbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-19.pdf.