QuBe-Bevölkerungsprojektion für Deutschlands Regionen 2025 - 2070
Beschreibung
"Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im Rahmen der langfristigen Qualifikations- und Berufsprojektionen (www.QuBe-Projekt.de) eine neue Bevölkerungsprojektion für die langfristige Entwicklung der 400 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands, den 16 Bundesländern sowie für 34 Arbeitsmarktregionen bis in das Jahr 2070 erstellt. Diese Bevölkerungsprojektion hebt sich insbesondere durch die Unterscheidung von Personen mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft von bereits bestehenden Bevölkerungsvorausberechnungen ab. Dadurch können die erheblichen Unterschiede bei den Geburtenziffern und dem Wanderungsverhalten in der Projektion berücksichtigt werden. Die neue Bevölkerungsprojektion verdeutlicht, dass die langfristige Bevölkerungsentwicklung Deutschlands durch fundamentale demografische Trends geprägt ist: ein deutlicher Bevölkerungsrückgang um 5,9 % bis zum Jahr 2045 und um 10,7 % bis zum Jahr 2070 (im Vergleich zum Jahr 2024). Diese Entwicklung beruht auf einer alternden Bevölkerung, einer weiter steigenden Lebenserwartung und niedrigen Geburtenraten. In Kombination mit dem rückläufigen Wanderungsgeschehen bestimmen diese Faktoren maßgeblich die Bevölkerungsentwicklung und führen zu einer massiven Verschiebung innerhalb der Altersstruktur. Der stärkste prozentuale Rückgang bis 2070 auf Kreisebene ist mit 38,1 Prozent im Landkreis Suhl (südliches Thüringen) zu erwarten. Unter den zehn am stärksten wachsenden Kreisen befindet sich bei der prozentualen Betrachtung kein ostdeutscher Kreis, während zu den zehn am stärksten vom Rückgang betroffenen Kreisen nur ostdeutsche Kreise zählen. Bis auf Leipzig, die Regionen um Schwerin und Berlin gibt es in den neuen Bundesländern keine Kreise, die ihre Bevölkerung im nennenswerten Umfang erhöhen werden. Bei den absoluten Zahlen wird ersichtlich, dass die klare Ost-West-Trennung nicht mehr vorhanden ist. Gerade die westdeutschen Kreise und Metropolen München und Berlin konnten in den letzten Jahren stark durch Migration an Bevölkerung dazugewinnen. Sollte der Rückgang im Wanderungssaldo wie projiziert fortbestehen, sind auch viele Kreise im Westen des Landes vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 67 Jahren) wird in den meisten Kreisen zurückgehen. In 68 Prozent der Kreise wird die Altersgruppe bis 2045 und in 81Prozent der Kreise bis 2070 um mehr als zehn Prozent sinken. Die einzigen Kreise die in dieser Altersgruppe Bevölkerung gewinnen sind eher die städtisch geprägten oder ländliche Regionen mit einem Verdichtungsansatz. Auch auf Ebene der Bundesländer wird die Entwicklung beim Wanderungssaldo ebenfalls deutlich sichtbar. Bis auf den Stadtstaat Hamburg (1,3 %), werden alle anderen Bundesländer an Gesamtbevölkerung verlieren. Thüringen ist mit einem Rückgang von 15,2 Prozent bis 2045 und 24,9 Prozent bis 2070 am stärksten betroffen. Insgesamt ist der Rückgang, wie schon bei den Kreisen, in den östlichen Bundesländern besonders gravierend, da der seit Jahren fortschreitende demografische Wandel weiter voranschreitet. Die Gründe liegen hier an der bereits seit längerem alternden Bevölkerung, der geringen Geburtenrate und an dem fehlenden Zuzug aus dem Ausland. Aber auch die westdeutschen Bundesländer, die bisher von der europäischen und außereuropäischen Migration profitiert haben, werden stark vom Rückgang der Migration getroffen sein und verlieren an Bevölkerung, wenn auch in geringem Ausmaß. Auch die für den Arbeitsmarkt relevante Altersgruppe der 15 bis unter 67-Jährigen wird in allen Bundesländern deutlich zurückgehen (Hamburg 2045: -3,2 %, 2070: -8,3 %; Thüringen 2045: -19,6 %, 2070: -26,4 %). Auf Ebene der Arbeitsmarktregionen spiegelt sich die Entwicklung beim Wanderungssaldo ähnlich wie bei den Kreisen und Bundesländern wider. Die Arbeitsmarktregion Erfurt ist mit einem Rückgang von 14,7 Prozent bis 2045 (2070: -24,1 %) am stärksten betroffen. Insgesamt sind die ostdeutschen Arbeitsmarktregionen stärker vom demografischen Wandel betroffen. Allerdings werden auch die westdeutschen Arbeitsmarktregionen vom Rückgang der Migration stark getroffen und verlieren an Bevölkerung. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 67 Jahren) wird in allen Arbeitsmarktregionen deutlich zurückgehen (Arbeitsmarktregion Hamburg bis 2045: -7,2 %, 2070: -9,8 %; Arbeitsmarktregion Erfurt bis 2045: -19,0 %, 2070: -25,7 %). Gerade der Rückgang in dieser Altersgruppe wird sich erheblich auf das Arbeitskräfteangebot auswirken. In Regionen, in denen diese Altersgruppe deutlich stärker zurückgeht als die Gesamtbevölkerung, könnte es zudem zu Arbeitskräftemangel führen oder den bestehenden Arbeitskräftemangel noch verstärken. Neben der stark alternden Bevölkerung verstärkt der Trend zur Urbanisierung den Bevölkerungsschwund im ländlichen Raum. Während größere Städte und Universitäts- und Fachhochschulstandorte (wie Heidelberg und Bamberg) von Bevölkerungsgewinnen profitieren, erleben ländliche Regionen im Osten Deutschlands Rückgänge von über 30 Prozent. Der starke Zuzug in die Metropolen Hamburg, Berlin und München wird sich so nicht fortsetzen. Gerade die westdeutschen Kreise und Metropolen konnten in den letzten Jahren durch Migration aus dem Ausland an Bevölkerung dazugewinnen. Insgesamt wird der Anteil der Bevölkerung mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit bis 2045 und 2070 durch einen niedrigen Wanderungssaldo zurückgehen. Bestehen bleibt ein klarer Ost-West-Unterschied: Die Kreise mit hohem Anteil an ausländischer Bevölkerung konzentrieren sich im Westen, während die Anteile im Osten des Landes unterdurchschnittlich bleiben." (Autorenreferat, IAB-Doku)
Zitationshinweis
Zika, Gerd, Viktoriia Muliavka, Christian Schneemann & Martin Schneider (2026): QuBe-Bevölkerungsprojektion für Deutschlands Regionen 2025 - 2070. (IAB-Forschungsbericht 11/2026), Nürnberg, 47 S. DOI:10.48720/IAB.FB2611
