Der Arbeitsmarkt durchläuft tiefgreifende Veränderungen durch langfristige Transformationsprozesse und durch eher kurzfristige Phänomene wie Wirtschaftskrisen. Diese werden aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive umfassend untersucht. Zentrale Aspekte sind dabei Such- und Matchingprozesse am Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktwirkungen institutioneller Regelungen und die Rolle von Reformen, aber auch die Auswirkungen von Konjunktur, technologischem Wandel, Dekarbonisierung, Handelspolitik, geopolitischen Veränderungen und Bevölkerungsentwicklung. Berufe und Qualifikationen spielen eine wichtige Rolle sowohl bei Analysen als auch bei Projektionen von Arbeitsangebot und -nachfrage. Zentrale Datengrundlagen sind die IAB-Stellenerhebung und die IAB-Arbeitszeitrechnung sowie gesamtwirtschaftliche Daten wie die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Zudem werden Big Data ausgewertet, also online generierte und sehr große, teils schnelllebige, strukturierte und unstrukturierte Datenmengen. Das Mikrosimulationsmodell des IAB sowie lang- und kurzfristige Prognosemodelle werden methodisch weiterentwickelt.
Angesichts von Herausforderungen wie der Alterung der Gesellschaft, der Dekarbonisierung und der Digitalisierung bei gleichzeitigen Engpässen am Arbeitsmarkt liegt im Jahr 2026 ein Fokus des Kompetenzfeldes auf Forschung zur Arbeitskräftesicherung und zur Transformation. Auf der Arbeitsnachfrageseite wird die laufende Analyse des Arbeitskräftebedarfs durch ein Monitoring verstärkt, das auf der IAB-Stellenerhebung basiert. In Szenarioanalysen und Auswertungen von Befragungen werden die Änderungen der Arbeitskräftebedarfe im Zusammenhang mit der alternden Bevölkerung oder der stärkeren Nutzung von Künstlicher Intelligenz untersucht.
Auf der Arbeitsangebotsseite werden Projektionsmethoden weiterentwickelt, um die zu erwartende Entwicklung des Arbeitsangebots und mögliche Ausgleichspotenziale abzuschätzen. Solche Potenziale sollen auch durch die Aktualisierung der IAB-Arbeitszeitrechnung nach Geschlecht und Altersgruppen beleuchtet werden sowie durch die Entwicklung eines „Gender-Equality-Barometer“. Untersucht wird außerdem, wie technologischer und struktureller Wandel mit Arbeitslosigkeit zusammenhängt und wie das Matching am Arbeitsmarkt durch den Einsatz von KI-Methoden verbessert werden kann. Auch internationale Erfahrungen mit Kurzarbeit zur Beschäftigungsstabilisierung sollen ausgewertet werden. Zur Arbeitskräftesicherung ist ebenso von Interesse, wie die Ausgestaltung rechtlicher Bestimmungen das Arbeitsangebot im Grundsicherungsbereich beeinflusst. Im Fokus stehen dabei insbesondere mögliche Reformen im Grundsicherungssystem oder bei anderen einkommensabhängigen Sozialleistungen.
Das Kompetenzfeld untersucht den Einfluss der Migration auf Umfang und Struktur des Erwerbspersonenpotenzials und welchen Beitrag die Steuerung der Erwerbsmigration für die Bewältigung von Arbeitsmarktengpässen leisten kann. Weiterhin analysiert das Kompetenzfeld die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration von Migrierten, die Folgen für Arbeitsmärkte, Sozialstaat und Gesamtwirtschaft sowie ob die Rück- und Weitermigration Arbeitsmarktengpässe verschärft.
Aktivitäten
Bereiche
- Forschungsbereich Arbeitsmarktprozesse und Institutionen
- Forschungsgruppe Grundsicherungsbezug und Arbeitsmarkt
- Forschungsbereich Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung
- Forschungsbereich Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen
