Springe zum Inhalt

Publikation

Methodenbericht zur IAB-Befragung „Berufliche Weiterentwicklung“

Beschreibung

"Mit der IAB-Befragung „Berufliche Weiterentwicklung“ sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob sich sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland gut über ihre beruflichen Möglichkeiten informiert fühlen und ob sie bereits Schritte für berufliche Veränderungen unternommen haben oder solche planen. Dabei ist von besonderem Interesse, ob sich die Antworten auf diese Fragen zwischen – ansonsten ähnlichen – Personen unterscheiden, die die Berufsberatung im Erwerbsleben (BBiE) der Bundesagentur für Arbeit (BA) genutzt bzw. nicht genutzt hatten. Die von der BA im Jahr 2020 eingeführte BBiE soll den Beratenen dabei helfen, ihre beruflichen Perspektiven realistisch einzuschätzen und fundierte Entscheidungen für ihren weiteren Berufsweg zu treffen. Ihre Hauptzielgruppe sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Befragung richtete sich daher a) an sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die im Jahr 2024 den Prozessdaten der BA nach einen ersten Beratungstermin bei der BBiE hatten, sowie b) an Beschäftigte mit ähnlichen beobachteten Merkmalen, die die Beratung nicht genutzt hatten („statistische Zwillinge“). Zur Befragung eingeladen wurden dabei Personen, die zum (hypothetischen) Beratungszeitpunkt zwischen 25 und 59 Jahre alt waren. Die beiden Gruppen werden in dem Bericht als „Beratene“ und „Nicht-Beratene“ bezeichnet. Insgesamt nahmen 5,5 Prozent der angeschriebenen Personen vollständig an der Online-Befragung „Berufliche Weiterentwicklung“ teil, und 4,9 Prozent stimmten einer Verknüpfung ihrer Antworten mit den bei der BA über sie vorliegenden Daten zu. Bei den Personen, die die BBiE in Anspruch genommen haben, lagen die Teilnahme- und Verknüpfungsbereitschaft mit 7,0 bzw. 6,2 Prozent deutlich höher als bei den nicht-beratenen Personen mit 4,1 bzw. 3,6 Prozent. Die Auswertungen zeigen, dass die Teilnahme an der Befragung mit bestimmten Merkmalen korreliert ist. Insbesondere nahmen folgende Personengruppen überdurchschnittlich häufig teil: Frauen, deutsche Staatsangehörige, besser ausgebildete Personen, Ältere, Beschäftigte auf höheren beruflichen Tätigkeitsebenen und mit höherem Tagesentgelt sowie Personen mit längeren Zeiten in Beschäftigung und kürzeren Zeiten des Bezugs von Lohnersatzleistungen. Daher wurde für die zur Befragung Eingeladenen mittels Probit-Schätzungen die individuelle Wahrscheinlichkeit geschätzt, an der Befragung auch tatsächlich teilgenommen und einer Verknüpfung mit den bei der BA bereits vorliegenden Informationen zugestimmt zu haben. Individuelle Gewichte wurden dann als Inverse der geschätzten Teilnahmewahrscheinlichkeiten gebildet. Bei deskriptiven Auswertungen, die Aussagen über die Grundgesamtheit erlauben sollen, sollten diese Gewichte genutzt werden. Erste Auswertungen der Befragungsdaten zeigen zudem, dass mehr als die Hälfte der laut den Prozessdaten beratenen Personen angegeben hat, die BBiE nicht zu kennen und dort noch keinen Termin gehabt zu haben. Daher werden ergänzend die Merkmale der Personen, die sich der Beratung bewusst bzw. nicht bewusst waren, miteinander verglichen. Dieser Vergleich weist darauf hin, dass sich besonders Personen, die zum Beratungszeitpunkt arbeitssuchend gemeldet waren, häufiger nicht an die Beratung erinnern konnten. Vermutlich nahmen sie den Berufsberatungstermin als normalen Termin bei der Arbeitsvermittlung wahr." (Autorenreferat, IAB-Doku)

Zitationshinweis

Stephan, Gesine, Anna Heusler, Julia Lang & Christopher Osiander (2026): Methodenbericht zur IAB-Befragung „Berufliche Weiterentwicklung“. (IAB-Forschungsbericht 12/2026), Nürnberg, 47 S. DOI:10.48720/IAB.FB2612

Bezugsmöglichkeiten

Open Access