Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse beim Zugang zu Werkstätten für Menschen mit Behinderung
Projektlaufzeit: 15.08.2026 bis 30.06.2030
Kurzbeschreibung
Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) sollen Menschen, "die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können" (§219 (1) SGB IX) das Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben einschließlich berufs- und persönlichkeitsbildender Förderung sicherstellen. Sie sollen zudem zum Aufbau oder zur Wiederherstellung ihrer Beschäftigungsfähigkeit beitragen. WfbM stehen seit einigen Jahren vor allem aufgrund der geringen Übergangsraten in den allgemeinen Arbeitsmarkt in der Kritik. Der sozialpolitische Anspruch der Inklusion, der sich auch in der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch Deutschland ausdrückt, zielt auf die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in regulären Arbeitsverhältnissen. Gleichwohl nahm die Zahl der in Werkstätten geförderten Menschen bis zuletzt zu. Studien deuten darauf hin, dass vor allem Menschen mit psychischen Behinderungen sowie junge Erwachsene, die aus dem Übergangssystem zwischen Schule und Beruf kommen und als "lernbehindert" oder "verhaltensauffällig" klassifiziert werden, diesen Zulauf in WfbM treiben (Wüllenweber 2012). Daneben scheint für junge Menschen mit einer geistigen Behinderung nach wie vor der Weg nach der Schule in eine WfbM vorgezeichnet. Das Feld der Werkstätten ist dabei bislang kaum systematisch erforscht worden. Das hier vorgeschlagene Projekt möchte an dieses Desiderat anschließen und der Frage nachgehen, wie sich der Übergangsprozess in WfbM für Jugendliche und junge Erwachsene in der Ersteingliederung gestaltet, wie er subjektiv wahrgenommen wird, und welche Rolle hierbei sozialmedizinischen und psychologischen Gutachten zukommt.
Ziel
Das Projekt soll erstmals Erkenntnisse schaffen zu den Übergangsprozessen in eine Werkstatt von Menschen mit Behinderung mit dem Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene in der Ersteingliederung. Dabei ist von Interesse, welche Akteure am Entscheidungsprozess beteiligt sind, wann die Entscheidung fällt, ob sie im Prozess revidiert werden kann und wo Automatismen zu beobachten sind.
Methoden
Das Projekt verfolgt einen Mixed-Methods-Ansatz. Mithilfe des LTA-Rehaprozessdatenpanels sollen quantitative Analysen durchgeführt werden, die einerseits zum Ziel haben, die unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten der WfbM zu untersuchen und andererseits Verlaufsanalysen zum Übergang in und aus WfbM zu untersuchen. Sie können wiederum als Grundlage für eine diversifizierte Auswahl von WfbM für die qualitativen Analysen dienen. Im qualitativen Teilprojekt sollen vor allem problemzentrierte Interviews mit jungen Menschen mit Behinderung im Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich einer WfbM durchgeführt werden. Zudem sind teilnehmende Beobachtungen im Rahmen von Hospitationen bei und Expert:inneninterviews mit den am Übergangsprozess beteiligten Akteur:innen geplant (u.a. Reha-/Berufsberater:innen, Lehrer:innen, gesetzliche Betreuer:innen, sozialmedizinische und psychologische Gutachter:innen, Führungs- und Fachkräfte aus Werkstätten, Sozialarbeiter:innen aus dem begleitenden Dienst). Mittles Think Aloud-Methode sollen im Rahmen der Experteninterviews Entscheidungskriterien und -rationalitäten rekonstruierbar gemacht werden. Wenige ausgewählte Fälle aus dem Sample der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen nach Möglichkeit intensiv über einen längeren Zeitraum hinweg begleitet werden. Die Auswertung der qualitativen Daten folgt in Anlehnung an die Situationsanalyse nach Adele Clarke (2011), die auf der Grounded Theory basiert und diese erweitert.
Leitung
Team
Keine Person angegeben.
