Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt entwickeln sich seit vier Jahren schwach. Die Fiskalpakte werden die Konjunktur beleben, der Irankrieg sorgt aber für neue geopolitische Risiken. Das Erwerbspersonenpotenzial wird 2026 erstmalig sinken – um 40.000 auf 48,62 Millionen Personen. Hierdurch wird auch die Beschäftigungsentwicklung begrenzt. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Für 2026 wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent prognostiziert. Aufgrund höherer Energiepreise und einer schwächeren Dynamik bei den Exporten wird erwartet, dass das BIP um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte weniger wächst als ohne Irankrieg.
Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahr 2026 um 90.000 auf 45,89 Millionen Personen sinken. Die Zahl der Arbeitslosen wird um 40.000 Personen steigen. In der zweiten Jahreshälfte 2026 rechnet das IAB hier erstmals wieder mit einem leichten Rückgang. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewegt sich zwar immer noch auf Rekordniveau, dürfte 2026 jedoch leicht schrumpfen – um 30.000 auf 34,93 Millionen Personen. Das wäre das erste Jahr seit der Finanzkrise 2009, in dem kein Wachstum mehr verzeichnet wird. Neben der demografischen Schrumpfung wirke sich hier die wirtschaftliche Transformationskrise aus, so Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB:„Transformation erfordert neue Jobs, Weiterentwicklung und Wechsel. Am Arbeitsmarkt gibt es jedoch kaum Bewegung.“.
Die Beschäftigungsentwicklung zeigt sich zweigeteilt: Nahezu alle zusätzlichen Stellen wird es im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit geben. Dort wird eine Zunahme um 180.000 Beschäftigte prognostiziert. Das liegt hauptsächlich an der Alterung der Gesellschaft und am Ausbau der Kindertagesbetreuung, sowie der inneren und äußeren Sicherheit. In der Industrie schrumpft die Beschäftigung dagegen weiter. „Der Irankrieg und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen und Handelsstörungen belasten die Beschäftigungsentwicklung in der Industrie zusätzlich“, so Weber. Auch wenn Industrieindikatoren mitunter eine Stabilisierung zeigen, wird für 2026 mit einem Beschäftigungsrückgang um 140.000 Personen gerechnet.
Die IAB-Prognose ist abrufbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-05.pdf.
Ein begleitendes Interview zur Prognose lesen Sie hier: https://iab-forum.de/iab-prognose-2026-konjunktur-profitiert-von-fiskalischen-impulsen/.
