Wie hoch ist die Erwerbsbeteiligung syrischer Geflüchteter im erwerbsfähigen Alter – in absoluten Zahlen und Anteilen?
Die Beschäftigungs- und Erwerbstätigenquoten der syrischen Geflüchteten und der syrischen Bevölkerung steigen mit der Aufenthaltsdauer. Im Jahr 2024, 9 Jahre nach ihrer Ankunft, waren 60 Prozent der 2015 zugezogenen syrischen Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter abhängig beschäftigt (Abbildung 1). Hinzu kommen weitere 5 Prozent Selbständige.
Abbildung 1: Beschäftigungsquote der 2015 zugezogenen syrischen Geflüchteten nach Geschlecht und Aufenthaltsdauer
Anteile in Prozent der 18-64-Jährigen

Anmerkungen: Die farbigen Flächen geben die Brandbereite des Konfidenzintervalls auf dem 95-Prozent-Nieveaue an. Quelle: IAB-BAMF-SOEP Befragung von Geflüchteten, verknüpft mit den integrierten Erwerbsbiographien (IEB).
Da rund zwei Drittel der syrischen Geflüchteten nach 2015 zugezogen sind, ist die durchschnittliche Beschäftigungsquote geringer. So belief sich Beschäftigungsquote der syrischen Staatsangehörigen im Dezember 2025 auf 47,8 Prozent – ein Plus von 5,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Beschäftigungsquote wird dabei als Zahl der Beschäftigten am Arbeitsort im Verhältnis zur Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren berechnet. Die Zahl der abhängig syrischen Beschäftigten belief sich im Dezember 2025 auf 320.000 (+ 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat). Rund 85 Prozent der syrischen Beschäftigten waren im Dezember 2025 sozialversicherungspflichtig beschäftigt (IAB Zuwanderungsmonitor 2026). Das Beschäftigungs- und Erwerbstätigenpotenzial ist noch nicht ausgeschöpft, es wächst vielmehr dynamisch im Zeitverlauf, weil jetzt beispielsweise zunehmend die Erträge des Spracherwerbs und anderer Integrationsmaßnahmen realisiert werden können.
Bei der Interpretation der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass von 2015 bis 2024 246.000 Syrerinnen und Syrer die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben (DESTATIS 2026). Ihre Beschäftigungs- und Erwerbstätigenquoten sind deutlich höher als diejenigen der Personen, die weiterhin die syrische Staatsangehörigkeit besitzen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass nur 73 Prozent der syrischen Staatsangehörigen zum Jahresende 2024 Schutzsuchende waren (DESTATIS, 2025).
Wie unterscheiden sich die Beschäftigungsquoten von Männern und Frauen – und was erklärt diese Unterschiede?
Es bestehen weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während die syrischen Männer neun Jahre nach dem Zuzug mit einer Beschäftigungsquote von 70 Prozent bereits nahezu das durchschnittliche Niveau der männlichen Bevölkerung in Deutschland erreicht haben (71,6 %, Quelle: IAB Zuwanderungsmonitor), liegt der Anteil der erwerbstätigen syrischen Frauen nach derselben Zeit mit 32 Prozent noch weit unterhalb des Durchschnitts der Frauen in Deutschland (68,3 %, Quelle: IAB Zuwanderungsmonitor). Damit bleibt die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen auch langfristig eine zentrale Herausforderung.
Untersuchungen des IAB haben verschiedene Ursachen für diese Geschlechterdisparitäten identifiziert. Zum einen übernehmen geflüchtete Frauen überproportional häufig familiäre Sorgearbeit, insbesondere bei Kleinkindern, was ihre Erwerbsbeteiligung einschränkt. Zum anderen zeigen sie im Vergleich zu Männern geringere Sprach- und Bildungsinvestitionen in Deutschland und nutzen Beratungs- und Unterstützungsangebote seltener. Zudem waren Frauen in ihren Herkunftsländern häufig seltener erwerbstätig als Männer und verfügten über Berufserfahrungen in Tätigkeitsfeldern, die in Deutschland stärker reglementiert sind, wie beispielsweise im Erziehungs- beziehungsweise Bildungswesen. Dies erschwert die direkte Übertragbarkeit ihrer mitgebrachten Kompetenzen auf den deutschen Arbeitsmarkt (Kosyakova et al. 2021).
In welchen Branchen und Tätigkeitsfeldern sind syrische Beschäftigte besonders stark vertreten?
Im Juni 2025 waren die syrischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorwiegend in Verkehrs- und Logistikberufen (26 %), Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufen (16 %), medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen (13 %), Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe (11 %), im Bau- und Ausbaugewerbe (7 %) sowie in Reinigungs- und Handelsberufen (jeweils 6 %) tätig.
63 Prozent der syrischen Beschäftigten arbeiteten in systemrelevanten Berufen. 46 Prozent der syrischen Beschäftigten arbeiten als Fachkräfte, 10 Prozent als Spezialist*innen und Expert*innen, 44 Prozent übten Helfertätigkeiten aus. Unter den qualifiziert Beschäftigten arbeiteten 38 Prozent in Engpassberufen (Quelle: eigene Berechnungen auf Grundlage der BA Beschäftigungsstatistik).
Welche Rolle spielen syrische Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt – insbesondere in Engpass- und systemrelevanten Berufen?
Die negativen Arbeitsmarktwirkungen werden besonders in Arbeitsmarktsegmenten, die systemrelevant sind und in denen Engpässe herrschen, spürbar. Gerade hier ist das Arbeitsangebot deutscher Arbeitskräfte gering. Die Ausweisung syrischer Arbeitskräfte dürfte deshalb auch eher nicht zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen, sondern zu vermehrten Engpässen bei der Besetzung von Stellen.
Welche Folgen hätte ein signifikanter Wegzug syrischer Geflüchteter aus Deutschland?
Nach Einschätzung des IAB hat jeder Verlust von mehreren hunderttausend Arbeitskräften vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des mit ihm einhergehenden Rückgangs des Arbeitsangebots der deutschen Bevölkerung negative Auswirkungen. Die deutsche Volkswirtschaft braucht, um die Folgen des demografischen Wandels zu bewältigen, nicht weniger, sondern mehr Arbeitskräfte. Wir erwarten auch keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit, weil die meisten dieser Stellen nicht durch inländische Arbeitskräfte besetzt werden können. Es kann auch umgekehrt dazu kommen, dass aufgrund von Arbeitskräftemangel wirtschaftliche Aktivitäten eingestellt werden, wodurch wiederum die Arbeitsnachfrage in anderen Bereichen sinkt. Das Gesamtvolumen ist allerdings zu gering, als dass derartige Effekte gesamtwirtschaftlich sichtbar werden. Spürbare Effekte kann es jedoch in einzelnen Regionen, Branchen und Arbeitsmarktsegmenten geben.
Autoren
Literatur
Brücker, Herbert, Maye Ehab; Andreas Hauptmann, Philipp Jaschke, Maria Theresa Koch & Yuliya Kosyakova (2024): Syrische Arbeitskräfte in Deutschland. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Aktuelle Daten und Indikatoren.
Brücker, Herbert, Andreas Hauptmann & Sekou Keita (2026): Zuwanderungsmonitor Februar. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Aktuelle Daten und Indikatoren.
Kosyakova, Yuliya, Lidwina Gundacker, Zerrin Salikutluk & Parvati Trübswetter (2021): Arbeitsmarktintegration in Deutschland: Geflüchtete Frauen müssen viele Hindernisse überwinden. IAB-Kurzbericht 8/2021.
DESTATIS - Statistisches Bundesamt (2025): Schutzsuchende 2024, Statistischer Bericht, Wiesbaden.
DESTATIS - Statistisches Bundesamt (2026): Einbürgerungen von Ausländern. Tabelle 12511-0003. Wiesbaden.
