Was bewirken Sanktionen in der Arbeitslosenversicherung?
Abstract
"Wirtschaftlich gesehen verkürzen Sanktionen die Dauer des Leistungsbezugs und senken somit die Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung. Gleichzeitig verursachen sie aber längerfristige Kosten für die betroffenen Personen, etwa durch tiefere Erwerbseinkommen. Aus finanzieller Sicht lautet die entscheidende Frage deshalb: Welcher Zielhorizont ist für die Bewertung von Sanktionen massgeblich: kurzfristige Budgetentlastung und Aktivierung der Stellensuchenden oder längerfristige Integration und Einkommenssicherung? Je nach Perspektive fällt die Bewertung anders aus. Aus wohlfahrtsökonomischer Sicht spricht viel dafür, beide Seiten abzuwägen: die Effizienzsteigerungen der öffentlichen Arbeitsvermittlung einerseits, die individuellen Einbussen an Einkommen und Erwerbschancen andererseits. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass leichte Sanktionen – insbesondere bei Verstössen vor der Arbeitslosigkeit – einen Kompromiss bieten: Sie beeinflussen das Verhalten und die Suchintensität der Stellensuchenden positiv, ohne nennenswerte langfristige Folgen. Bei schweren Sanktionen hingegen fallen sowohl die kurzfristigen Effekte auf die Arbeitslosendauer als auch die längerfristigen Effekte auf Erwerbsverläufe negativ aus. In einer Diskussion könnten daher Letztere eher kritisch hinterfragt werden. Es ist wünschenswert, dass die Ergebnisse der Studie in eine möglichst umfassende Diskussion über gewünschte Zwecke und Wirkungen von Sanktionen einfliessen." (Textauszug, IAB-Doku)
Cite article
Arni, P., Lalive, R., Kläui, J., Kaiser, B. & Wolf, M. (2025): Was bewirken Sanktionen in der Arbeitslosenversicherung? In: Die Volkswirtschaft No. 03.06.2025, p. 1-8.
