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Publication

Ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen

Abstract

Der Artikel beleuchtet den Zusammenhang ältere ArbeitnehmerInnen und Erwerbsarbeit. Prognosen gehen von einer Abnahme der Zahl der Erwerbsfähigen und einem ansteigenden Altersdurchschnitt der Beschäftigten aus. Die Arbeitsmarktchancen Älterer sind bisher jedoch eher gering: ihr Anteil an den Langzeitarbeitslosen ist überproportional. Auch von einem expandierenden Dienstleistungsbereich konnten Ältere bislang nicht profitieren. Von einer drohenden Arbeitskräfteknappheit kann jedoch auch vor dem Hintergrund einer Abnahme der Erwerbsbevölkerung nicht ausgegangen werden: zu groß sind die Reserven auf der Angebotsseite des Arbeitsmarktes. In den Unternehmen erfolgte in der Vergangenheit eine Personalanpassung an veränderte Wettbewerbsstrukturen in der Regel über die Externalisierung älterer Arbeitskräfte. Dabei konnten auch die damit verbundenen Kosten (Vorruhestand) auf die Gemeinschaft übertragen werden. Die Ausgliederung Älterer forcierte jedoch das Problem des ungewollten Know-How-Verlusts und wiederspricht den propagierten Grundsätzen eines modernen Personalmanagements. Der betrieblichen Personalanpassungspolitik liegt überwiegend die Annahme einer mangelnden Produktivität Älterer zugrunde. Empirische Studien belegen jedoch, dass Leistungsfähigkeit und Produktivität nicht zentral durch das Lebensalter bestimmt werden, sondern Arbeitsbedingungen und Lernfähigkeit/Lernerfahrung einen wesentlich größeren Einfluss ausüben. In der Altersgrenzenpolitik der Vergangenheit setzt sich diese Einschätzung Älterer fort: die Alterung der Gesellschaft und der Erwerbsbevölkerung geht einher mit einem immer früheren Austritt Älterer aus dem Erwerbsleben. Einerseits führte und führt dieses Austrittverhalten zu einer absehbaren Überlastung der Sozialversicherungssysteme, v.a. des Rentenversicherungssystems. Andererseits entlastet die Frühverrentung den Arbeitsmarkt und vermeidet eine allzu hohe (Langzeit-)Arbeitslosenquote unter den Älteren. Die Altersgrenzenpolitik vollzieht sich grundsätzlich im Zusammenspiel zweier scheinbar konkurrierender Ziele: zum einen die Förderung der Frühverrentung, um den Arbeitsmarkt und die Unternehmen zu entlasten. Zum anderen die Förderung der Alterserwerbsarbeit, um die Finanzierungsprobleme der Sozialversicherungssysteme zu reduzieren. Mittlerweile ist sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler Ebene die Erhöhung der Erwerbsquote älterer Menschen zum Ziel der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik geworden. (IAB)

Cite article

Wagner, P. (2000): Ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. In: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg (Hrsg.) (2000): Informationsmappe Ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen : Dokumentation 1990-2000, p. 1-8.