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Generative Künstliche Intelligenz, neue Arbeitswelt?

Abstract

"Unsere Auswertungen haben gezeigt, dass auch nachdem GenKI verfügbar geworden ist, vollzeitbeschäftigte Männer im Durchschnitt häufiger in Berufen mit höherem Substituierbarkeitspotenzial arbeiten als vollzeitbeschäftigte Frauen. Das gilt über alle Anforderungsniveaus hinweg. Wichtig ist dabei, dass Frauen in manchen Berufssegmente-Anforderungsniveau-Kombinationen höhere durchschnittliche Substituierbarkeitspotenziale haben als Männer. Es hängt also wesentlich vom konkreten Beruf ab, wie hoch der Anteil der substituierbaren Tätigkeiten ist.6 Teilzeitbeschäftigte Männer, aber auch teilzeitbeschäftigte Frauen arbeiten hingegen häufiger in Berufen, deren Tätigkeiten weniger substituierbar sind als vollzeitbeschäftigte Männer oder Frauen. Dabei ist das Substituierbarkeitspotenzial bei teilzeitbeschäftigten Frauen und Männern nahezu identisch. Durch die Verfügbarkeit von GenKI hat sich an den bekannten Mustern wenig geändert. Neu ist nur, dass der Anstieg der Substituierbarkeitspotenziale in den Experten- und Spezialistenberufen – sowohl für Männer als auch für Frauen – besonders stark ausgefallen ist und dass GenKI die Berufswelt von vollzeitbeschäftigten Frauen stärker polarisiert als die von vollzeitbeschäftigten Männern. - Insgesamt lässt sich also festhalten, dass die technologischen Potenziale von GenKI zwar weitreichend sind; damit ist aber nichts darüber ausgesagt ist, wie sie tatsächlich eingesetzt wird oder wie sich dadurch die Arbeit, und damit auch die Geschlechterungleichheiten verändern. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann also keine abschließende Beurteilung darüber getroffen werden, ob sich durch den Einsatz von GenKI (und anderen modernen Technologien) die Geschlechterungleichheiten am Arbeitsmarkt eher verstärken oder doch reduzieren werden. Deutlich wird damit aber auch, dass der Einsatz von GenKI gestaltbar ist. Ziel sollte dabei aber nicht nur sein, zu verhindern, dass bestehende Ungleichheiten reproduziert oder verstärkt werden, sondern GenKI sollte dafür genutzt werden, Gleichstellung aktiv zu fördern. Monitoring allein reicht dafür nicht aus, weil es nur misst, was ist – und nichts darüber aussagt, wie etwas sein sollte. Ist es legitim, Frauen bewusst häufiger MINT-Berufe vorzuschlagen als es historische Daten nahelegen? Darf eine KI aktiv gegensteuern, wenn Frauen in bestimmten Berufen unterrepräsentiert sind? Diese Fragen berühren die grundlegenden Werte einer Gesellschaft, die immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Dafür die entsprechenden institutionellen Strukturen zu schaffen, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, die zu bewältigen ausschlaggebend dafür ist, ob sich die bestehenden Geschlechterungleichheiten in Zukunft reduzieren lassen." (Textauszug, IAB-Doku, © Beltz/Juventa)

Cite article

Burkert, C. & Matthes, B. (2026): Generative Künstliche Intelligenz, neue Arbeitswelt? Wie sie die Ungleichheit von voll- und teilzeitbeschäftigten Männern und Frauen verändern könnte. In: T. Carstensen & K. Ganz (Hrsg.) (2026): Künstliche Intelligenz: Perspektiven auf Technik, Arbeit und Geschlecht, p. 185-209.

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