24-Stunden-Betreuung für Menschen mit Pflegebedarf – Beschäftigungssituation der Live-ins
Rund-um-die-Uhr-Versorgung für Menschen mit Pflegebedarf durch stationäre Langzeitpflege oder professionelle ambulante Pflege ist für die meisten Familien nicht finanzierbar. Die stattdessen im Haushalt eingesetzten sogenannten Live-in-Kräfte, meist Frauen aus Osteuropa, befinden sich häufig in prekären Arbeitsverhältnissen. Erst im Sommer 2021 setzte ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts für sie den deutschen gesetzlichen Mindestlohn fest - auch für Bereitschaftszeiten. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Ampelkoalition ist das Vorhaben formuliert, eine rechtssichere Grundlage für die 24-Stunden-Betreuung auszugestalten.
Dieses Themendossier stellt Publikationen und weiterführende Links auf Positionen zum Thema zusammen.
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Literaturhinweis
Irreguläre Arbeit in Privathaushalten: rechtliche und institutionelle Anreize zu irregulärer Arbeit in Privathaushalten in Deutschland. Bestandsaufnahme und Lösungsansätze (2010)
Zitatform
Gottschall, Karin & Manuela Schwarzkopf (2010): Irreguläre Arbeit in Privathaushalten. Rechtliche und institutionelle Anreize zu irregulärer Arbeit in Privathaushalten in Deutschland. Bestandsaufnahme und Lösungsansätze. (Hans-Böckler-Stiftung. Arbeitspapier 217), Düsseldorf, 78 S.
Abstract
"Der Bedarf privater Haushalte an Hilfe bei Haushaltsführung, Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen steigt. Er wird in Deutschland überwiegend durch irreguläre Arbeit gedeckt. Die Studie zeigt, dass institutionelle und rechtliche Regulierungen diese Konstellation für beide Seiten, Haushalte wie Beschäftigte, begünstigen: Sozial- und steuerrechtliche Regelungen legen eine geringfügige Beschäftigung von verheirateten Frauen nahe. Restriktive Zuverdienstregeln im Sozialleistungsrecht und hohe Abgaben auf Niedrigeinkommen führen dazu, dass Sozialleistungsbeziehende und Geringverdienende ihre prekäre ökonomische Situation mit regulärer Beschäftigung kaum verbessern können. Menschen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union schließlich haben auf Grund restriktiver Zuwanderungsregelungen kaum Möglichkeiten, in Deutschland legal einer Arbeit nachzugehen. Gesteigert werden könnte das Interesse an regulärer Beschäftigung u. a. durch eine Anhebung der Zuverdienstgrenzen und die Förderung Existenz sichernder Beschäftigung im Bereich haushaltsbezogener Dienstleistungen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Unsichtbar und unproduktiv?: Haushaltsarbeit und Care Work - die Rückseite der Arbeitsgesellschaft (2010)
Zitatform
Lutz, Helma (2010): Unsichtbar und unproduktiv? Haushaltsarbeit und Care Work - die Rückseite der Arbeitsgesellschaft. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Jg. 35, H. 2, S. 23-37. DOI:10.1007/s11614-010-0052-1
Abstract
"In diesem Aufsatz wird die Frage gestellt, wie sich die dichotomische Bewertung von Erwerbsarbeit als produktiv und Haushalts- und Care-Arbeit als unproduktiv in verschiedenen Typen der Arbeitsgesellschaft (Dienstboten-, männliche Ernährer- und Adult-Worker Gesellschaft) entwickelt und erhalten hat. Das Phänomen der 'neuen Dienstmädchen' wird hier als Katalysator für eine unvollendete Debatte über die Rückseite der Erwerbsarbeit betrachtet. Meine empirischen Beispiele beziehen sich auf Deutschland, auf das dieses Phänomen jedoch nicht beschränkt ist." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Care work migration in Germany: semi-compliance and complicity (2010)
Zitatform
Lutz, Helma & Ewa Palenga-Möllenbeck (2010): Care work migration in Germany. Semi-compliance and complicity. In: Social policy and society, Jg. 9, H. 3, S. 419-430. DOI:10.1017/S1474746410000138
Abstract
"In this article, we deal with contradictions and paradoxes of the German policies on migration and domestic care work. Although the demand for care workers in private homes is increasing, the German government has turned a blind eye to the topic of migrant care workers. As a result of the mismatch between demand and restrictive policies, a large sector of undeclared care work has come into being. This veritable 'twilight zone' can be coined an 'open secret' as it is the topic of extensive discussions among the populace and in the media. We will address various discrepancies in the debate on migrant domestic work in Germany by providing a view from multiple actors' perspectives. Examining the intersections of gendered migration and care regimes, we assert that undeclared care migration is an integral part of German welfare state policies, which can be characterised as compliance and complicity." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Transnationale Sorgearbeit: rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Praxis (2010)
Zitatform
(2010): Transnationale Sorgearbeit. Rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Praxis. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwissenschaften, 331 S. DOI:10.1007/978-3-531-92516-5
Abstract
Schlagwörter [dnb]: Hausarbeit ; Hauspflege ; Migration ; Soziale Sicherheit ; Recht ; Aufsatzsammlung
DDC 344.02: Sozialwissenschaften > Recht > Rechtsgebiete > Arbeitsrecht, Sozialrecht, Bildungsrecht, Kulturrecht > Sozialversicherung -
Literaturhinweis
Hired as a caregiver, demanded as a housewife: becoming a migrant domestic worker in Turkey (2007)
Akalin, Ayse;Zitatform
Akalin, Ayse (2007): Hired as a caregiver, demanded as a housewife. Becoming a migrant domestic worker in Turkey. In: The European Journal of Women's Studies, Jg. 14, H. 3, S. 209-225. DOI:10.1177/1350506807079011
Abstract
"Women from post-socialist countries started migrating to Turkey in the second half of the 1990s to work in the domestic work sector. Migrant domestics have formed their niche as live-in caregivers, due to the disinclination of the existing local labour power to work in the care sector. Yet, the employer mothers, besides asking their live-in workers to tend their children, often demand that they also do the daily chores in the home, purposely leaving the heavy cleaning to their Turkish domestics. This way, live-in migrant domestics are promoted from the status of foreign employees to fictitious family members, to eventually embody 'the ideal housewife'." (Author's abstract, IAB-Doku) ((en))
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Literaturhinweis
Mit und ohne Papiere: Migrantinnen aus Osteuropa als Haushaltshilfen in Haushalten mit Pflegebedürftigen (2007)
Karakayali, Juliane;Zitatform
Karakayali, Juliane (2007): Mit und ohne Papiere. Migrantinnen aus Osteuropa als Haushaltshilfen in Haushalten mit Pflegebedürftigen. In: B. Figatowski, K. H. Gabriel & M. Meyer (Hrsg.) (2007): The making of migration : Repräsentationen - Erfahrungen - Analysen, S. 48-56.
Abstract
Anhand der Analyse von Arbeitsverhältnissen zeigt die Autorin, dass die Arbeit in Haushalten mit Pflegebedürftigen sich in Bezug auf Aufgabenbereiche, Arbeitsanforderungen sowie den "live-in"-Status der Haushaltshilfen von anderen Formen der bezahlten Haushaltsarbeit unterscheidet. Sie stellt fest, dass die über die Agentur für Arbeit vermittelten Arbeitskräfte mit einem legalen Status mit den gleichen Problemen entgrenzter Arbeitszeiten, Überausbeutung und Missbrauchs konfrontiert sind wie die Frauen ohne Papiere. Dies hängt maßgeblich damit zusammen, dass den Frauen zwar formal Rechte zustehen, sie aber faktisch keine Möglichkeit haben, diese für sich einzuklagen. Im Wesentlichen mangelt es ihnen an Ressourcen, bei Problemen arbeitsrechtliche Schritte gegen ihre ArbeitgeberInnen einzuleiten. Dazu fehlen Zeit, Geld, Ermutigung durch ein soziales Umfeld sowie das Wissen um unterstützende Hilfsorganisationen. Zudem hemmt die Angst vor der Reaktion der Agentur für Arbeit und einem möglichen Verlust der Arbeitserlaubnis häufig die Initiative. Damit mündet die Regularisierung in einer Art von prekärer Aufenthaltserlaubnis. Es wird die These vertreten, dass entscheidend nicht der formale Status ist, sondern vielmehr die Frage danach, über welche Ressourcen die im Haushalt Arbeitenden verfügen, um sich schlechten Arbeitsbedingungen verweigern zu können. Diesbezüglich scheinen die sozialen Netzwerke der irregulär arbeitenden Migrantinnen unter Umständen effektiver zu sein als der legale Arbeitsaufenthalt. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch eine Regularisierung der Arbeit kann erst dann erfolgreich sein, wenn die so Regularisierten in die Position versetzt werden, ihre Rechte auch einklagen zu können. Eine Voraussetzung dafür ist der politische Wille, die transnationalen Haushaltsarbeiterinnen umfassend anzuerkennen. (Gesis)
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Literaturhinweis
Vom Weltmarkt in den Privathaushalt: die neuen Dienstmädchen im Zeitalter der Globalisierung (2007)
Zitatform
Lutz, Helma (2007): Vom Weltmarkt in den Privathaushalt: die neuen Dienstmädchen im Zeitalter der Globalisierung. Opladen u.a.: Budrich, 226 S., Anhang.
Abstract
"In jüngster Zeit sind zunehmend Migrantinnen als Haushaltsarbeiterinnen in deutschen Haushalten zu finden. Sie arbeiten als Putzfrauen, betreuen und pflegen Kinder oder alte Menschen. Dieses Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie die betroffenen Migrantinnen und ihre Arbeitgeber/innen mit dieser Situation umgehen und welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen damit verbunden sind. Der Bedarf nach haushaltsnahen persönlichen Dienstleistungen scheint in Deutschland eher zu steigen als abzunehmen und der Weltmarkt liefert die gewünschten Arbeitskräfte; diesem Bedarf steht jedoch eine migrationspolitische Abgrenzungspolitik gegenüber, die diese Arbeitsleistung nicht als gesellschaftliches Desiderat betrachtet und in die Illegalität abdrängt." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Sprich (nicht) drüber - Fürsorgearbeit von Migrantinnen in deutschen Privathaushalten (2007)
Zitatform
Lutz, Helma (2007): Sprich (nicht) drüber - Fürsorgearbeit von Migrantinnen in deutschen Privathaushalten. In: WSI-Mitteilungen, Jg. 60, H. 10, S. 554-560. DOI:10.5771/0342-300X-2007-10-554
Abstract
"Viele deutsche Haushalte nehmen heute transnationale Dienstleistungen in Anspruch, und zwar nicht nur als Serviceleistungen, die in Billiglohnländer verlagert werden, sondern in Form von personalisierter Arbeit im Privathaushalt, die von Migrantinnen verrichtet wird. Dieser Artikel beschreibt die Bedeutung der Migrantinnen für die Absicherung von Fürsorgearbeit in Deutschland. Dabei geht es sowohl um die hiesigen Erscheinungsformen dieser Arbeit und ihrer rechtlichen Grundlagen als auch um die Betrachtung des Phänomens im internationalen und europäischen Kontext. Differenzen und Gemeinsamkeiten im Vergleich zur deutschen Situation werden herausgearbeitet. Der Artikel erläutert die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteurinnen im Bereich haushaltsbezogener Dienstleistungsarbeit und stellt fest, dass dieses Phänomen Kernfragen der Geschlechtergerechtigkeit berührt." (Autorenreferat, IAB-Doku)
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Literaturhinweis
Immigrant women in paid domestic service: the case of Spain and Italy (2003)
Rubio, Sonia Parella;Zitatform
Rubio, Sonia Parella (2003): Immigrant women in paid domestic service. The case of Spain and Italy. In: Transfer, Jg. 9, H. 3, S. 503-517.
Abstract
"In den familistischen Wohlfahrtsstaatssystemen Italiens und Spaniens ist das Wiederauftreten von am Arbeitsplatz wohnenden Haushaltshilfen und die Nachfrage nach Einwanderinnen, die Haushaltsdienstleistungen verrichten, höher als in anderen europäischen Ländern. Die Organisation und Regulierung von Dienstleistungen im Zusammenhang mit Haushalt und Familienversorgung gehört nicht zu den wichtigen sozialpolitischen Zielen südeuropäischer Länder. Man geht davon aus, dass vor allem die Familie ('Frauen' ) für Sozialschutz sorgen. Da es an politischen Entscheidungen in diesem Bereich fehlt, hat die zunehmende Partizipation einheimischer Frauen am Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass Haushalte Einwanderinnen aus Nicht-EU-Ländern einstellen, die ihnen helfen sollen, die Erfordernisse ihrer Familie mit den Anforderungen einer bezahlten Beschäftigung in Einklang zu bringen. Diese Einwanderinnen stellen einen riesigen Bestand an billiger Arbeitskraft dar und es herrscht Mangel an einheimischen Frauen, die eine Beschäftigung im Haushalt annehmen." (Autorenreferat, IAB-Doku)
