Arbeitsbedingungen und Gesundheit von Beschäftigten
Der Zusammenhang von Arbeitsbedingungen bzw. Arbeitsbelastungen und der Gesundheit von Beschäftigten erhält durch die demografische Entwicklung, Digitalisierung und Klimawandel neues Gewicht. Wie muss Arbeit gestaltet sein, damit die Beschäftigten langfristig und gesund erwerbstätig sein können?
Dieses Themendossier dokumentiert die Ergebnisse empirischer Forschung der letzten Jahre.
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IAB-Projekt
Berufe und körperliche Anforderungen (31.10.2025 - 30.12.2026)
Matthes, Britta; Schlenker, Oliver;Projektbeschreibung
In vielen Berufen sind körperliche Belastungen fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Vor diesem Hintergrund ist es ein wichtiges politisches Signal, dass sich die aktuelle Regierungskoalition in ihrem Vertrag ausdrücklich vornimmt, „für gute Arbeitsbedingungen für körperlich stark belastete Berufsgruppen“ zu sorgen. Um Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in diesen Berufsgruppen formulieren zu können, ist es allerdings zunächst erforderlich, geeignete methodische Ansätze auszuwählen oder zu entwickeln, die bestimmen, welche Berufsgruppen als „körperlich stark belastet“ definiert werden. Dabei ist nicht nur zu berücksichtigen, dass es verschiedenen Belastungsarten gibt, sondern auch, dass in Berufen mehrere Belastungsarten gleichzeitig auftreten können. In diesem Projekt wollen wir die im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit unter dem Merkmal „Charakteristische körperliche Anforderungen“ aufgeführten Tätigkeiten nutzen, um Berufe danach zu klassifizieren, ob es sich um einen „körperlich stark belastenden“ Beruf handelt. Dabei geht es nicht nur darum, einen Indikator zu entwickeln, der die absolute „Stärke“ der körperlichen Belastung misst, sondern auch die „Quantität“ von Mehrfachbelastungen in den Blick nimmt. Zur Validierung wird untersucht, inwiefern die Arbeit in „körperlich stark belastenden Berufen“ mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit im Zusammenhang steht.
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IAB-Projekt
Beschäftigung und Arbeitsbedingungen in Gesundheits- und Pflegeberufen - eine multimethodische Studie (30.09.2021 - 30.12.2027)
Stephan, Gesine; Senghaas, Monika; Osiander, Christopher;Projektbeschreibung
Während der Covid-19-Pandemie wurden die Probleme des Gesundheits- und Pflegesektors in Deutschland besonders deutlich. Auf der einen Seite herrscht Fachkräftemangel, auf der anderen Seite werden Löhne und Arbeitsbedingungen häufig als wenig attraktiv wahrgenommen. Das Projekt analysiert diese Entwicklungen aus verschiedenen Perspektiven. Auf Basis von Prozessdaten sollen erstens Beschäftigung und Löhne im Gesundheits- und Pflegesektor untersucht werden, wobei besonders Veränderungen während der Covid-19-Pandemie von Interesse sind. Mithilfe von Umfragedaten und Vignetten geht das Projekt zweitens folgenden Fragen nach: Welche Arbeitsbedingungen in der Pflege gelten in der Erwerbsbevölkerung als angemessen und unangemessen? Welche Einkommen für Pflegefach- und Pflegehilfskräfte gelten unter verschiedenen Arbeitsbedingungen als angemessen? Wie viel würden Personen aus der Erwerbsbevölkerung für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in der Pflege mehr als bisher zahlen? Drittens wird erfragt, was die zentralen Herausforderungen und Beanspruchungen in Pflegeberufen sind und welche Möglichkeiten bestehen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und dem steigenden Personalbedarf zu begegnen. Hierzu werden qualitative Interviews mit Führungskräften und Beschäftigten aus der Kranken- und Altenpflege sowie mit Vermittlungsfachkräften aus Agenturen für Arbeit geführt.
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IAB-Projekt
Gesund im Beruf arbeiten - Berufliche Arbeitsbedingungen und Arbeitsunfähigkeit (30.04.2021 - 29.04.2024)
Matthes, Britta;Projektbeschreibung
Im Unfallverhütungsbericht der BAuA wird geschätzt, dass 2019 allein Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes einen Ausfall der Bruttowertschöpfung von über 33 Milliarden Euro hervorgerufen haben. Psychische und Verhaltensstörungen haben geschätzt 24,5 Milliarden Euro Ausfälle verursacht, Krankheiten des Atmungssystems 19,5 Milliarden Euro. Insgesamt wird für alle Diagnosegruppen von Ausfällen von fast 150 Milliarden Euro ausgegangen.
Die durch Arbeitsunfähigkeit entstandenen volkswirtschaftlichen Ausfälle geben Hinweise darauf, wo durch die Gestaltung der Arbeitsbedingungen Produktivitätspotenziale realisiert werden könnten. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass sich Arbeitsunfähigkeit sowohl aus sozialstruktureller Gegebenheiten im Beruf (z.B. Alter, Geschlecht, Qualifikation) als auch aufgrund berufsspezifischer Arbeitsbedingungen ergeben. So sind zum Beispiel Ältere im Durchschnitt länger arbeitsunfähig als Jüngere (TK-Gesundheitsreport 2020). Eine höhere Zahl an Arbeitsunfähigkeitsfällen bzw. Tagen in Arbeitsunfähigkeit kann also einerseits darauf zurückgeführt werden, dass zum Beispiel überdurchschnittlich viele Ältere im Beruf arbeiten. Sie kann aber auch mit berufsspezifischen Arbeitsbedingungen im Zusammenhang stehen. Um konkrete Hinweise geben zu können, wo durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen Arbeitsunfähigkeit verhindert werden kann, muss also multivariat geprüft werden, welche Bedeutung die beruflichen Arbeitsbedingungen für die Erklärung der im Beruf festgestellten Arbeitsunfähigkeit hat und in welchen Berufen der Erklärungsbeitrag der beruflichen Arbeitsbedingungen für die Arbeitsunfähigkeit besonders hoch ist.
Das Ziel des Projektes ist vor diesem Hintergrund, mit Hilfe von Daten zu Fehlzeiten und zu den berufsspezifischen Arbeitsbedingungen die Bedeutung beruflicher Arbeitsbedingungen für die Erklärung von Arbeitsunfähigkeit zu ermitteln, um daraus schlussfolgern zu können, in welchen Berufen durch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen ein Beitrag zur Reduzierung der Arbeitsunfähigkeit geleistet werden kann.
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IAB-Projekt
Arbeitsbelastungen und Gesundheit in der digitalisierten Arbeitswelt (31.12.2018 - 30.12.2022)
Hiesinger, Karolin; Grienberger, Katharina;Projektbeschreibung
Die digitale Transformation verändert die Arbeitsweise der Menschen. In aktuellen Debatten wird vielfach darüber diskutiert, dass durch die voranschreitende Digitalisierung insbesondere körperlich belastende Tätigkeiten von Maschinen übernommen werden könnten, während aber psychische Belastungen infolge von Arbeitsintensivierung oder Arbeitsplatzunsicherheit zunehmen könnten. In Kooperation mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht dieses Projekt die Zusammenhänge zwischen Veränderungen der Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung und den Arbeitsbelastungen sowie der Gesundheit. Wir verwenden Daten zu Arbeitsbelastungen und Gesundheit aus den BiBB/BAuA Erwerbstätigenbefragungen von 2012 und 2018 und kombinieren diese mit weiteren Variablen auf Basis von umfangreichen, administrativen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Um den Digitalisierungsgrad abbilden zu können, nutzen wir z. B. die auf Grundlage von der Expertendatenbank BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit berechneten Substituierbarkeitspotenziale der Berufe. So können wir mit Hilfe von Panelregressionen untersuchen, ob die Digitalisierung die körperlichen Arbeitsbelastungen senkt und die psychischen Arbeitsbelastungen erhöht und inwieweit dies Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
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IAB-Projekt
Gesundheitliche Auswirkungen von prekärer Beschäftigung (30.09.2018 - 30.09.2019)
Teichler, Nils-Christian;Projektbeschreibung
Die gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit sind breit erforscht. Dem gegenüber mangelt es an Forschung, die sich explizit den gesundheitlichen Auswirkungen von prekärer Beschäftigung widmet. In der Öffentlichkeit und Politik wird seit einigen Jahren über prekäre Beschäftigung diskutiert. Prekarität, so der Tenor, zeichne sich durch auf Dauer gestellte berufliche Unsicherheit für die Beschäftigten aus. In der theoretischen Debatte der Soziologie werden allerdings auch Aspekte der Arbeitszeitorganisation und des Einkommens als Dimensionen prekärer Beschäftigung betrachtet. Nach dem gesundheitssoziologischen Modell der beruflichen Gratifikationskrise wirkt sich ein Ungleichgewicht empfundener Anforderungen und Belohnungen im Beruf nachweislich negativ auf die Gesundheit aus. Befristung, geringe Löhne als Entsagung von Belohnung oder atypische Arbeitszeiten und Überstunden als erhöhte Anforderung sprächen für ein erhöhtes Risiko einer Gratifikationskrise für prekär Beschäftigte. In Analysen mit dem PASS sollen Kombinationen von prekären Beschäftigungsmerkmalen auf ihren Einfluss auf Gratifikationskrisen und darüber vermittelt auf verschiedene Gesundheitsindikatoren im Längsschnitt geprüft werden
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IAB-Projekt
Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Gesundheit der Beschäftigten in Deutschland (27.07.2016 - 30.12.2016)
Lehmer, Florian; Völkl, Annette;Projektbeschreibung
Durch die Digitalisierung wandeln sich Berufe und die typischen Tätigkeiten verändern sich. Wie hängen neue aufgabenspezifische Anforderungen von Berufen mit dem gesundheitlichen Wohlbefinden der Arbeitnehmer zusammen? Speziell die Unterschiede zwischen psychischen und körperlichen Belastungen und eine mögliche Entstehung von Ungleichheiten sollen untersucht werden.
Beteiligte aus dem IAB
Lehmer, Florian; -
IAB-Projekt
Periphere Erwerbsverläufe und der Einfluss auf den Gesundheitszustand (31.10.2013 - 29.12.2017)
Unger, Stefanie;Projektbeschreibung
Das Projekt „Prekäre Erwerbsverläufe und Gesundheit“ beleuchtet den Einfluss von Jobverlusten, aber auch Wiedereintritten in das Erwerbsleben auf die Gesundheit der Betroffenen. Hintergrund ist die Mehrung peripherer Erwerbsverläufe, welche durch Phasen der Arbeitslosigkeit und häufigere Berufswechsel gekennzeichnet sind. Datenbasis der IAB-Auswertungen ist das Panel „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“, das in jeder Welle nach dem allgemeinen körperlichen Gesundheitszustand, aber auch nach der Betroffenheit von mentalen Problemen fragt. In den Wellen 3, 6 und 9 ist zudem ein ausführlicher Gesundheitsschwerpunkt enthalten, der die gesundheitsbezogene Lebensqualität umfassend abfragt.
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IAB-Projekt
Studie zur Mentalen Gesundheit in der Arbeit (S-MGA)/Arbeitsfähigkeit und funktionelle Gesundheit von Erwerbstätigen (30.09.2009 - 30.12.2022)
Bender, Stefan; Rauch, Angela; Tophoven, Silke; Burghardt, Anja; Schmucker, Alexandra;Projektbeschreibung
Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit gewinnen vor dem Hintergrund des Wandels in der Arbeitswelt an Bedeutung. Dazu ist es erforderlich, die aktuelle funktionelle Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit der Erwerbsbevölkerung einzuschätzen und zu untersuchen. Ebenso besteht Bedarf an empirisch gesicherten Erkenntnissen zu wesentlichen Einflussfaktoren der Arbeitsfähigkeit. Dabei stehen zunächst Einflussgrößen der Arbeitswelt im Fokus des Interesses, die als förderliche oder hinderliche Faktoren auf die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden wirken können. Neben der Analyse und Identifikation diesbezüglich relevanter Einflussfaktoren und Wirkungszusammenhängen soll darüber hinaus geklärt werden, welche Indikatoren am besten geeignet sind, den Beschäftigtenstatus fünf Jahre nach Beginn der Studie vorherzusagen.
Datengrundlage ist eine Repräsentativerhebung von 4500 Erwerbstätigen in Deutschland. Nach Zustimmung der Befragten werden Informationen der Bundesagentur für Arbeit (BA/IAB) zur vorausgegangenen Beschäftigungshistorie mit den erhobenen Interviewdaten verknüpft. Die Daten, die für Zusammenhanganalysen im Längsschnitt oder zur Überprüfung der Prognosefähigkeit genutzt werden, bieten aber noch eine weitere Möglichkeit: Die erhobenen Daten eignen sich als Referenzdaten in Hinblick auf eine Vielzahl arbeitsmedizinischer Fragestellungen sowie zur Güteüberprüfung der eingesetzten Gesundheitsindikatoren.
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IAB-Projekt
lidA - leben in der Arbeit. Eine Kohortenstudie zu Gesundheit und Älterwerden in der Arbeit (31.03.2009 - 30.03.2017)
Rauch, Angela;Projektbeschreibung
Bei "lidA - leben in der Arbeit. Eine Kohortenstudie zu Gesundheit und Älterwerden in der Arbeit" handelt es sich um eine Längsschnittstudie zur Untersuchung der Fragestellung, inwieweit die Arbeit die Gesundheit älterer Beschäftigter beeinflusst. Über einen Zeitraum von zunächst 6 Jahren werden zwei Alterskohorten (insgesamt 6.600 Erwerbstätige der Jahrgänge 1959 und 1965) wiederholt (alle 3 Jahre) befragt. Die Ergebnisse werden mit Daten aus der IEB (Integrierte Erwerbsbiographien) des IAB sowie Krankenkassendaten verknüpft. Ferner wird eine sogenannte "Work Health Matrix“ erstellt, in der aggregierte Krankenkassendaten (>300.000 Individuen pro Kohorte) mit aggregierten individuellen Arbeitsexpositionsdaten zusammengeführt werden. Durch das gewählte Studiendesign können nicht nur der mittel- und langfristige Einfluss der arbeitsbezogenen Faktoren auf die Gesundheit von älteren Beschäftigten (und vice versa) untersucht werden, sondern auch entsprechende Veränderungen über die Zeit zwischen den Kohorten.
